Ein blosses Lippenbekenntnis?

«Djokovic wird nächstes Jahr in Melbourne am Start sein»

Von Martin Abgottspon

23.1.2022

Fall Djokovic: «Beide Seiten sind schuld»

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Tennis-Star Novak Djokovic hat nach seiner Ausweisung aus Australien Dubai erreicht – im australischen Melbourne beginnen die Australien Open ohne den Weltranglistenersten. Fans vor Ort sind geteilter Meinung über den Fall. Sein Heimatland Serbien

17.01.2022

Nach dem ganzen Einreise-Chaos um Novak Djokovic äussert sich nun der Turnierdirektor der Australian Open erstmals ausführlich zur Lage. Für ihn ist klar, dass der Serbe im nächsten Jahr wieder willkommen sein wird. Wirklich überzeugend klingt das aber nicht.

Von Martin Abgottspon

23.1.2022

Novak Djokovics Visum-Verweigerung hat eigentlich eine dreijährige Einreise-Sperre in Australien zur Folge. Zwar hat die Regierung bereits angedeutet, dass man ein Visum der Weltnummer 1 im nächsten Jahr erneut prüfen müsste, je nach Entwicklung der Pandemie könnte das aber ein schwieriges Unterfangen werden.



Keine Bedenken hat in dieser Hinsicht der Turnierdirektor der Australian Open, Craig Tiley. Nachdem er sich während dem ganzen Prozess um Djokovic in den Hintergrund verkroch, nimmt er jetzt erstmals Stellung zum Fiasko der letzten Wochen.

«Djokovic wird nächstes Jahr in Melbourne am Start sein», sagt Tiley in einem Interview mit «The Guardian». «Er ist die Nummer 1 der Welt und er liebt die Australian Open.» Ob diese Begründung tatsächlich für eine Teilnahme ausreicht? Man hätte ein stärkeres Argument erwartet.

«Haben versucht, das Richtige zu tun»

Tiley ist generell sehr vorsichtig mit seinen Antworten. Schliesslich hat auch er sich bei dem ganzen Chaos einiges zu Schulden lassen kommen. Er war es, der Djokovic überhaupt erst ermutigte nach Australien zu reisen. Zu seiner Verteidigung meint er, dass sich zu diesem Zeitpunkt die Covid-Regeln und Auflagen ständig verändert hätten. 



«Es ist wichtig zu wissen, dass wir immer versucht haben, das Richtige zu tun. Wir standen damals am Anfang von Omikron, und deshalb waren wir ständig auf der Suche nach Klarheit. Es gab eine Menge komplexer und widersprüchlicher Informationen vorher und nachher und es gibt sie immer noch», so Tiley.

Bei der Kommunikation sei einiges schief gelaufen. Der Austausch mit der Regierung habe nicht genügend Klarheit geschaffen, weshalb Tiley so gehandelt habe, wie er es eben tat. Als Pluspunkt lässt er sich anrechnen, dass Djokovic nicht vorhabe, das Turnier noch zu verklagen.

Tiley ist bereits angezählt

Ob Tiley mit diesen Ausflüchten durchkommt, ist aktuell eine ganz andere Frage. Viele Fans forderten schon vor Turnierbeginn seinen Rücktritt. Daran hat sich in den letzten Tagen nichts geändert. Mit lauten Sprechchören forderten die Australier auch im Stadion seinen Abgang. Tiley allerdings bekräftigt weiterhin, dass er nicht vorhabe nach diesem Turnier zurückzutreten.

Er allein wird dies nicht entscheiden können. Es ist gut denkbar, dass die Turnierverantwortlichen in dem ganzen Chaos nicht voreilig handeln wollten und Tiley deshalb noch im Amt ist. Ob das auch 2023 noch der Fall sein wird, steht auf einem ganz anderen Papier. Genauso wie die Teilnahme von Novak Djokovic.

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