Deshalb ist Novak Djokovic wieder der grosse Dominator der Szene

Luca Betschart

13.11.2018

Stark wie nie zuvor? Novak Djokovic beeindruckt die Tenniswelt.
Bild: Getty

Novak Djokovic ist nach zwei Jahren zurück an der Weltranglistenspitze und bei den ATP Finals der Gejagte. Fünf Gründe erklären seine beeindruckende Rückkehr.

Vor rund fünf Monaten stand Novak Djokovic in der Weltrangliste noch auf Platz 21 und kämpfte um den Anschluss an die Weltspitze. Inzwischen hat der Serbe zwei Grand-Slam-Titel mehr auf seinem Konto und ist seit letzter Woche wieder die Nummer 1. Wir nennen die Gründe dafür.


Nr.  1.

Triumph in Wimbledon

Erneuter Durchbruch

Nach schwierigen Zeiten mit Verletzungen und Motivationsproblemen tat sich Novak Djokovic bei seiner Rückkehr auf die Tour enorm schwer, musste einige frühe Niederlagen einstecken und suchte nach der Form, die ihn vor der sportlichen Krise so stark machte. Obwohl stetig ein Aufwärtstrend zu erkennen war, brauchte «Nole» so etwas wie den zweiten Durchbruch in seiner Karriere, um zu alter Stärke zu finden. Dieser gelang ihm in Wimbledon: Im Halbfinal rang er Rivale Rafael Nadal in einem hochklassigen Spiel nieder und liess sich auf seinem Weg zum vierten Titel auf dem heiligen Rasen anschliessend nicht mehr aufhalten. Der Sieg im Halbfinal gegen die Weltnummer 1 dürfte auf mentaler Ebene einen enormen Stellenwert gehabt haben, denn anschliessend startet Djokovic so richtig durch.


Nr.  2.

Alte Stärke

Bester Return-Spieler

Da Andy Murray seit längerer Zeit mit körperlichen Beschwerden kämpft und nur wenige Matches auf der Tour bestreiten konnte, gibt es eigentlich keine Zweifel, wer der beste Return-Spieler im Feld ist. Wie Djokovic die Aufschläge seiner Gegner liest und bisweilen mit akrobatischen Einlagen die Bälle aus unmöglichen Positionen zurückspielt, ist einzigartig. Den jüngsten Beweis lieferte Djokovic am Montag, als er dem Aufschlagshünen John Isner nicht den Hauch einer Chance liess, den Amerikaner beinahe in jedem Aufschlagsspiel vor Probleme stellte und ihn in zwei Sätzen dreimal breaken konnte. Auf die Frage, ob Djokovic der beste Return-Spieler sei, meinte Isner nach dem Spiel: «Er ist die Nummer eins, die Nummer zwei und die Nummer drei.»


Nr.  3.

Neue Waffe

Starker Aufschläger

War Djokovics Return-Stärke schon seit eh und je bekannt, gehört er mittlerweile auch bei eigenen Aufschlagsspielen zu den absoluten Topspielern. Seit dem Triumph in Wimbledon konnte er mehr als 90 Prozent seiner Aufschlagsspiele gewinnen, eine Quote, die über die gesamte Saison mit Federer, Isner, Kyrgios, Raonic und Karlovic nur die besten Aufschläger erreichen. Djokovic schlägt den Ball zwar nicht ganz so hart wie etwa Isner, dafür umso platzierter und mit geschickter Variation. Vor allem bei zweitem Service gewinnt der Serbe im Vergleich mit der Konkurrenz extrem viele Punkte, zum Teil gar mehr als nach erstem Aufschlag. Im Fünfsatzkrimi gegen Nadal in Wimbledon gelangen ihm 23 Asse, was für den Serben persönlichen Rekord bedeutete.


Nr.  4.

Willensleistung

Stetiger Erfolgshunger

Der Weg an die Spitze ist steinig und braucht neben Talent und Training vor allem Durchhaltevermögen, insbesondere wenn man den Aufstieg bereits einmal absolviert hat und ganz oben war. Novak Djokovic gab sein Comeback als 12-facher Grand-Slam-Sieger und wurde kurz nach dem vollendeten Karriere-Slam 2016 auch durch Motivationsprobleme zurückgeworfen. Umso bemerkenswerter, wie sich Djokovic durch überraschende Niederlagen in frühen Phasen seines Comebacks durchbiss und den Weg zurück fand – was nicht vergleichbar ist mit den diversen Comebacks von Federer und Nadal, die meist sofort wieder um Turniersiege mitspielten. Dies spricht für den unbändigen Erfolgshunger, der Djokovic vor allem auch in Zeiten des Misserfolgs stetig antreibt.


Nr.  5.

Der Rückkehrer

Marian Vajda

Beim Comeback im Januar dieses Jahres war Djokovics langjähriger Erfolgstrainer Marian Vajda noch nicht wieder mit dabei. Als sich Djokovic aber auch im März in Indian Wells und Miami enorm schwer tat, beendete er die laufende Zusammenarbeit mit Andre Agassi und Radek Stepanek und holte Marian Vajda nach einem Jahr Unterbruch zurück ins Boot. Nur Wochen nach der Anheuerung trug die erneute Zusammenarbeit mit dem Halbfinaleinzug in Rom bereits Früchte und war Beginn der eindrücklichen Rückeroberung des Tennisthrons, auf dem er zumindest bis Anfang 2019 bleiben wird.

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