Federer-Gegner Benoit Paire – Der Mann, der gerne ausflippt

Aus New York: Jan Arnet

30.8.2018

Immer wieder für einen Ausraster gut: Benoit Paire.
Getty Images

Roger Federer trifft heute Donnerstag in der 2. Runde der US Open auf Benoit Paire. Der Franzose ist mehr für seine Ausraster als für Erfolge bekannt.

Benoit Paire. Ein Name zum mit der Zunge schnalzen. Doch der Spieler, der hinter diesem liebevoll klingenden Namen steckt, ist alles andere als charmant. Zumindest dann nicht, wenn es ihm auf dem Platz überhaupt nicht läuft. Dann beleidigt er auch gerne mal seinen Gegner, legt sich mit dem Schiedsrichter an oder zerstört seine Rackets. Ein paar Beispiele gefällig?

Benoit Paire ist kein Kind von Traurigkeit. Erst vor ein paar Wochen musste der 29-jährige Franzose eine Mega-Busse von rund 20'000 Franken zahlen, nachdem er in Washington innert weniger Sekunden drei Rackets komplett demolierte (Bluewin berichtete). 

Die Weltnummer 56 gilt als Exzentriker. Einer, der an einem guten Tag jeden schlagen kann. Aber auch gegen jeden verlieren kann, wenn es ihm nicht läuft. In Miami schlug er Novak Djokovic, in Pune und Sydney erreichte er die Halbfinals. Zum Gewinn eines Karriere-Titels reichte es ihm aber nur einmal: 2015 in Bastad gewann er auf Sand das ATP-250-Turnier. 

Anhaltende Rückenprobleme machen konstante Erfolge für Paire so gut wie unmöglich. Im April stellte er in Monte Carlo nach einer Erstrundenpleite gegen Feliciano Lopez sogar seine Karriere in Frage. «Ich weiss nicht, was ich tun soll. Derzeit führe ich kein glückliches Leben», sagte er der «L'Equipe». Jeden Morgen wache er auf und frage sich, ob er heute schmerzfrei gehen könne. «Diese Schmerzen sind der Grund dafür, dass ich mental nicht ganz auf der Höhe bin», so Paire, der – wenn er nicht gerade sauer auf sich selbst ist und schmerzfrei spielen kann – auf dem Court für jeden Spass zu haben ist.

Nun will er in der 2. Runde von New York Roger Federer ärgern. Ein Duell mit dem Schweizer konnte Paire noch nie für sich entscheiden. So nah dran wie im vergangenen Juni in Halle war er aber noch nie: Federer gewann den entscheidenden dritten Satz erst im Tie-Break. 

Durchaus realistisch ist allerdings, dass das siebte Spiel gegen Federer das letzte überhaupt in Paires Karriere sein wird. «Ich weiss nicht so ganz, was ich tun soll. Es gibt andere Dinge im Leben neben dem Tennis», sagte der Südfranzose vor vier Monaten. «Soll ich bis Roland Garros aufhören? Nach Wimbledon? Ich will jeden Tag meines Lebens glücklich sein, das ist derzeit mit meinem Rücken und vielen anderen Umständen abseits des Platzes nicht der Fall.» 

Trotz frühem Ausscheiden bei den French Open und in Wimbledon blieb Paire der Tour bis heute erhalten. Bleibt zu hoffen, dass der bald 30-Jährige auch nach den US Open weitermacht. Denn das Tennis braucht Typen wie Benoit Paire. Auch wenn manchmal das eine oder andere Racket daran glauben muss.


Verfolgen Sie die Zweitrundenpartie zwischen Roger Federer und Benoit Paire ab ca. 19.30 Uhr live auf Bluewin.

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