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Fünf Gründe, die für den Federer-Hattrick sprechen

7.1.2019 - 22:00, René Weder

Nach dem Hopman Cup ist vor den Australian Open. Ab kommender Woche gehts in Melbourne traditionsgemäss um den ersten grossen Titel der Tennis-Saison. Die Hoffnungen aus Schweizer Sicht ruhen einmal mehr auf Roger Federer.

2017 ging als grosses Comeback-Jahr in die Geschichtsbücher ein. Als Weltnummer 17 reiste Roger Federer damals nach längerer Verletzungspause nach Australien. Einige Wochen später verliess er den Kontinent als 18-facher Grand-Slam-Sieger. Es folgte eine grandiose Saison mit dem Höhepunkt in Wimbledon – und zwölf Monate später die Titelverteidigung an den Australian Open. Auch in diesem Jahr ist mit dem 37-jährigen Tennis-Maestro zu rechnen. Den Titel-Hattrick in Melbourne schaffte in der Open-Ära bisher einzig Novak Djokovic zwischen 2011 und 2013. Fünf Gründe, die dafür sprechen, dass Roger Federer dieses Kunststück 2019 gelingen könnte.

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Die Vorbereitung

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur SDA-Keystone sagt Roger Federer: «Das Gute ist, dass ich in 20 Jahren nie ein grösseres Problem in der Vorbereitung hatte. Wenn du da Probleme hast, kannst du das vielleicht ein paar Monate überdecken. Irgendwann im Jahr holt es dich aber ein.» Federer zählt dabei auch auf sein eingespieltes Team um die beiden Coaches Severin Lüthi und Ivan Ljubicic, den Fitnessexperten Pierre Paganini und Physiotherapeut Daniel Troxler. Beim am Wochenende zu Ende gegangenen Hopman Cup stellte Federer eindrücklich unter Beweis, dass er fit ist – körperlich und mental. Von der Müdigkeit am Ende der letzten Saison war einmal mehr nichts mehr zu sehen.

2

Die Unbeschwertheit

Roger Federer verspürt auch in seiner 22. Saison auf der ATP-Tour grosse Lust auf seinen Sport. Gerade deshalb hat er das harte physische Training einmal mehr auf sich genommen. Beweisen muss er längst nichts mehr. Weder sich selbst, noch den Experten, Fans und neutralen Beobachtern gegenüber. Er ist der Gejagte, den jeder schlagen will. Er bietet die Bühne für grosse Spiele. Das macht es zwar nicht einfacher, führt aber auch dazu, dass bei fast jedem Gegner Nervosität aufkommt, sobald sich ein Spiel dem Ende neigt. Die Aura Federers und seine mentale Stärke sind nicht zu unterschätzende Waffen.

3

Die Fitness

Beim Hopman Cup wurde zwar nur auf zwei Gewinnsätze gespielt, dennoch stellte Federer seine Geschwindigkeit immer wieder unter Beweis. Wer dachte, dass der 37-Jährige diesbezüglich allmählich Abnützungserscheinungen zeigen werde, sieht sich erneut getäuscht. Die Frage ist, wie sich Federer und seine Kontrahenten mit der sich abzeichnenden Hitze in Melbourne zurechtfinden. Bei Turnierstart am kommenden Montag soll das Thermometer auf über 35 Grad steigen. Federer konnte damit bisher immer gut umgehen, offenbarte einzig bei den US Open im letzten Herbst erstmals Probleme. Dies war aber der immensen Luftfeuchtigkeit geschuldet, welche die Atmung erschwerte. 

4

Der Erfolgshunger

Angriff ist die beste Verteidigung: Federer wandelte sein Spiel in den letzten Jahren stärker als jeder andere Topspieler. Anhaltenden Grundlinienduellen geht er schon länger aus dem Weg, dafür zündet er lieber am Netz sein Feuerwerk. Sein breites Repertoire an Schlägen macht es für die  Gegner schwieriger, sein Spiel zu lesen. Gepaart mit seinem Erfolgshunger, hat sich Federer den Nimbus eines Unersättlichen erarbeitet. Nach seinem Turniersieg in Basel im Oktober 2018 sagte er: «Ja, diese Ekstase macht süchtig. Oder was meint ihr, warum ich immer noch spiele? Diese Momente sind dafür der Hauptgrund.» Die Aussage unterstreicht, wie wichtig Federer der Erfolg ist. Sie zeigt aber auch, dass er sich bewusst ist, dass dieser Zustand nicht ewig anhalten wird.

5

Der Draw

Federer wird hinter Djokovic und Nadal als Turnier-Nummer drei gesetzt. Anzunehmen ist, dass erst ab der zweiten Turnierwoche die grossen Brocken warten. Bis dahin wird der als Schnellstarter bekannte Baselbieter definitiv Betriebstemperatur erreicht haben. Am schwierigsten wäre wohl ein frühes Rencontre mit Landsmann Stan Wawrinka (aktuell ATP 195) – oder Wundertüte Andy Murray, dessen Gesundheitszustand unklar bleibt. Die Auslosung findet am kommenden Donnerstag statt. Roger Federer hat das Turnier bisher sechs Mal gewonnen – damit hält er gemeinsam mit Novak Djokovic den Rekord bei den Männern. Zwischen seinem ersten Titel 2004 und dem letzten Triumph 2018 liegen 14 Jahre. Kein anderer Spieler konnte in Melbourne über eine solche Zeitspanne den Turniersieg wiederholen.


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