Wie Jelena Djokovic das Karriere-Ende ihres Ehemanns verhinderte

pat

15.5.2020 - 10:42

In einem Interview verrät Jelena Djokovic, dass Ehemann Novak 2018 ernsthaft mit dem Gedanken spielte, seine Karriere zu beenden. Erst nach zehn langen Tagen habe er seine Meinung geändert.

Seit Jahren gehört Novak Djokovic zur absoluten Weltspitze, aktuell ist der 17-fache Grand-Slam-Champion die Nummer eins der Welt. Dabei geht gerne vergessen, dass der Serbe vor gar nicht mal so langer Zeit eine längere Phase hatte, in der rein gar nichts mehr zusammenpasste.

Mit dem Titelgewinn bei den French Open 2016 setzte sich Novak Djokovic ein Denkmal. Mit dem Triumph über Andy Murray hatte er als achter Einzelspieler den Karriere-Grand-Slam vollendet, zudem war es sein vierter Grand-Slam-Erfolg in Serie – das hatten vor ihm nur Don Budge und Rod Laver geschafft. Djokovic führte die Weltrangliste mit 16’950 Punkten an (Rekord) und hatte zu dieser Zeit fast so viele Punkte auf seinem Konto wie Federer, Nadal und Wawrinka zusammen. Zudem hatte er auf dem Weg zu seinem zwölften Grand-Slam-Titel als erster Tennisprofi die Marke von 100 Millionen Dollar Preisgeld geknackt. Kurz: Djokovic galt zu diesem Zeitpunkt als nahezu unschlagbar.

Zwei Niederlagen zu viel – Djokovic wollte Karriere beenden

Doch dann folgte der nicht für möglich gehaltene Absturz. In Wimbledon scheiterte er in der 2. Runde und an den Olympischen Spielen musste er bereits nach dem ersten Auftritt die Segel streichen. 2017 war dann aus Sportlersicht ein Jahr zum Vergessen, nur zwei eher bedeutungslose Turniere konnte er gewinnen. Privat durfte er sich über Familienzuwachs freuen: Drei Jahre nach Sohn Stefan erblickte Tochter Tara das Licht der Welt.

Doch der Tennisspieler Djokovic war nicht mehr der, der er einmal war. Mentale Probleme und kuriose Personalentscheide schlugen Djokovic aufs Gemüt und auch die sich hartnäckig haltenden Gerüchte, wonach er seine damals schwangere Ehefrau nach dem French-Open-Triumph 2016 betrogen haben soll, schienen an ihm zu nagen. Aber auch körperliche Probleme machten ihm zu schaffen und zwangen ihn zu einer Pause. 2018 liess er sich dann am Ellenbogen operieren und kehrte bald darauf zurück – wohl zu schnell. In Indian Wells und in Miami setzte es Erstrundenniederlagen ab – und die warfen ihn offenbar kurzzeitig komplett aus der Bahn, wie seine Ehefrau in einem Interview mit «In Depth with Graham Bensinger» verrät.

«Nach seiner Niederlage in Miami teilte er mir mit, dass er mit dem Tennis aufhört. Ich war geschockt und fragte ‹Wie› und er antwortete nur: ‹Ja Jelena›.» Ihr Mann habe es wirklich ernst gemeint. Novak kontaktierte seinen Manager und sagte diesem, dass er mit seinen Sponsoren reden solle. Novak habe nicht gewusst, ob er für sechs Monate, ein Jahr oder gar für immer aufhören wolle. Daraufhin standen Familienferien an – und die haben offenbar zu einem Umdenken geführt.

«Nein, du spielst nicht mehr Tennis, du hast aufgehört»

Novak habe nichts mehr mit Tennis zu tun haben wollen, doch sie (Jelena) habe oft mit Sohn Stefan ein paar Bälle geschlagen. Nach drei, vier Tagen sei dann Novak zum Zuschauen vorbeigekommen: «Glücklicherweise hat er gesehen, wie viel Spass wir beim Tennis spielen haben und wie sehr wir die Zeit auf dem Platz geniessen.» Er habe dann gefragt, ob er auch einen Schläger haben könne. Jelenas Antwort dürfte ihn überrascht haben, so soll sie gesagt haben: «Nein, du spielst nicht mehr Tennis, du hast aufgehört. Lass uns also den Platz, denn jetzt sind wir an der Reihe.»

Ehefrau Jelena und Sohn Stefan feuern auf der Tribüne ihren Liebsten an.
Bild: Getty

Dem Sohnemann muss das einen Stich ins Herz versetzt haben und so rief er: «Papa, jetzt bist du dran.» Novak habe dann einen Schläger genommen und nach einer Weile habe sie ihn gefragt, ob er ein bisschen mit ihr spielen wolle. «Danach kam er jeden Tag zu uns, um mit den Kindern zu spielen», erinnert sich die 33-Jährige. Am letzten Ferientag habe er sich dann zum ersten Mal wieder richtige Tenniskleider angezogen – und dann, so Jelena, habe er zu ihr gesagt: «Ich werde Mario (Ancic) anrufen und ihn fragen, ob er wieder mein Trainer sein möchte.»

Seinen alten Freund, dem er viele Erfolge zu verdanken hatte, den er aber Anfang Mai 2017 mit dem gesamten Betreuerteam gefeuert hatte. Dafür «opferte» er Liebes-Guru Pepe Imaz. Eine Luftveränderung, die Djokovic wieder zu alter Stärke verhalf.



Denn das Comeback nach dem zehntägigen Tennis-Ruhestand sollte äusserst erfolgreich verlaufen. Noch im selben Jahr (2018) triumphierte Djokovic in Wimbledon und an den US Open. Seither ist wieder alles so wie früher. Von den bis heute fünf folgenden Grand-Slam-Turnieren konnte er drei gewinnen, auch die Australian Open 2020. In diesem Jahr hat Djokovic 18 von 18 Spielen gewonnen. Es brauchte schon die Corona-Krise, um den unglaublichen Lauf des Serben zu stoppen.

(Längst wieder) ein Herz und eine Seele: Jelena und Novak.
Bild: Getty

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport