Österreichs Aushängeschild führt 6:0, 5:0, 40:30 – dann beginnt das grosse Zittern

lbe

23.9.2020 - 10:44

Setzt sich in einer dramatischen Partie der ersten Quali-Runde der French Open durch: Barbara Haas.
Bild: Keystone

Barbara Haas ist aktuell die beste Tennisspielerin Österreichs, trotzdem muss sie bei den French Open den Umweg über die Qualifikation nehmen. Der erste Auftritt der 24-Jährigen ist an Dramatik nicht zu überbieten.

Vor zehn Tagen gewinnt Dominic Thiem als erster Österreicher überhaupt die US Open in Flushing Meadows und avanciert nach Thomas Muster (French Open 1995) zum zweiten Grand-Slam-Champion seines Heimatlandes. Dementsprechend gross sind die Hoffnungen der rot-weiss-roten Tennisfans auf einen erneuten Triumph bei den anstehenden French Open – allerdings wohl nur im Männertableau.

Bei den Frauen sucht man in den Top 100 vergeblich nach einer Österreicherin. Die bestklassierte Spielerin ist Barbara Haas auf Weltranglistenposition 143 – damit ist sie in Paris nicht für das Hauptfeld gesetzt. Drei Spiele muss Haas in der Qualifikation überstehen, der Druck nach der Coronazwangspause ist gross.

Denn finanziell sind die Major-Turniere für Spielerinnen in den hinteren Regionen überlebenswichtig. «Ohne Grand Slams wäre es unmöglich, das Tennisjahr zu finanzieren», gibt Haas in einem Interview Ende August mit «derstandard» zu.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Good to be back @rolandgarros 🎾

Ein Beitrag geteilt von Barbara Haas (@barbarahaas1) am

Eine Machtdemonstration bis zum Matchball

Am Dienstag gilt es für Haas mit der Partie gegen die Ukrainerin Daria Signur erstmals ernst – und die Österreicherin macht ihre Sache richtig gut. Ohne jegliche Probleme führt sie ihre Gegnerin vor und verliert kein einziges Game, bis sie beim Stand von 6:0, 5:0 und 40:30 Matchball hat. Diesen vergibt sie mit einem Doppelfehler fahrlässig, was bei der klaren Führung im Normalfall zu verkraften ist. Doch ab dem Moment nimmt die Begegnung eine kuriose Wendung.

Haas verliert den Faden komplett, Signur dreht auf. Mit sieben Spielgewinnen in Serie erzwingt die erst 18-jährige Ukrainerin in der verloren geglaubten Partie einen Entscheidungssatz. Und auch jener hat es in sich. In den ersten sieben Games gibt es zwischen den beiden ausschliesslich Breaks, bis Haas beim Stand von 4:3 ihren Aufschlag erstmals durchbringen kann. Erneut fehlt noch ein Game, bei 5:4 erspielt sie sich die Matchbälle zwei und drei – doch Signur wehrt sie beide ab und gleicht das Geschehen tatsächlich noch einmal aus.

Weil die Ukrainerin im Anschluss aber zu null das nächste Break kassiert, schlägt Haas beim Stand von 6:0, 5:7 und 6:5 zum insgesamt fünften Mal für den Matchgewinn auf. Und zum letzten Mal. Nach mehr als zwei Stunden verwandelt sie ihren vierten Matchball, die erste Quali-Runde ist überstanden. Geschafft ist für Haas deshalb aber noch gar nichts.

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport