Timea Bacsinszky nach Absturz in der Weltrangliste: «Ich will zurückkommen»

sda

29.5.2020 - 09:24

Timea Bacsinszky will nochmals angreifen.
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Auch mit bald 31 Jahren hat Timea Bacsinszky nicht genug vom Profitennis. Die zweifache French-Open-Halbfinalistin will auch nach der dritten schweren Verletzung zurückkommen – auch wenn nicht klar ist, wann.

Timea Bacsinszky hat in ihrer Karriere viel erreicht. 2015 und 2017 stand die Waadtländerin in den Halbfinals von Roland Garros, 2015 zusätzlich im Wimbledon-Viertelfinal. Ein knappes Jahr später kletterte sie bis auf Platz 9 der Weltrangliste. Das hatten vor ihr als Schweizer Frauen einzig Martina Hingis und Patty Schnyder geschafft. Da jetzt der gesamte Tennissport sowieso ruht und sie auf Position 267 des WTA-Rankings abgerutscht ist, wäre das doch der ideale Moment, um das Racket an den Nagel zu hängen.

Nicht für Bacsinszky. Und die Lausannerin, die am 8. Juni 31 Jahre alt wird, weiss genau, wie steinig der Weg zurück ist. Aber sie weiss eben auch, was sie erwartet. Schon zweimal, nach einer Fuss- respektive Handoperation, schaffte sie entgegen der meisten Erwartungen den Anschluss an die Weltspitze wieder. «Ich kenne den Weg, den ich verfolgen muss», zeigt sich Bacsinszky im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA im nationalen Tenniszentrum in Biel zuversichtlich. «Ich weiss, was es kostet: Zeit, Energie und Geduld.» Das Feuer brennt noch immer: «Ich bin noch immer beseelt von der Leidenschaft für den Wettkampf. Ich will zurückkommen.»

«Ich hatte klare Ziele»

Das Coronavirus half bei diesem Vorhaben überhaupt nicht. Nach einer Rückenverletzung im vergangenen Herbst gab sich Bacsinszky bis im Februar Zeit, ehe sie im Februar wieder bereit war anzugreifen. «Ich hatte klare Ziele: bereit zu sein für das Fed-Cup-Finalturnier im April in Budapest, danach hintereinander Roland Garros, Wimbledon und Lausanne. Dann hat diese Pandemie alles verändert.»

Der Elan der Waadtländerin war gebrochen. «Zu Beginn war es die komplette Unsicherheit. Sollte ich weiter trainieren und wenn ja, mit der gleichen Intensität», fragte sich Bacsinszky. «Mit der Zeit habe ich es geschafft, mit der Situation umzugehen.» Tennistraining war ja während knapp zwei Monaten gar nicht möglich. Vor zehn Tagen hat sie aber den Schläger wieder in die Hand genommen und sachte mit dem Training begonnen.

Timea Bacsinszky und Roland Garros, das passte.
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Im Wettkampfmodus ist Bacsinszky zwar noch lange nicht, doch das macht ihr keine Sorgen. Im Moment fehlt das konkrete Ziel. «Wenn dieses wieder da ist, werde ich den Schalter schnell umlegen können», ist sie sich sicher. Allerdings denkt sie nicht, dass dieser Tag so schnell kommen wird. «Ich glaube, Tennis ist eine der letzten Sportarten, die wieder stattfinden werden.» Grund sind die nach wie vor – und wohl noch einige Zeit – bestehenden Reiserestriktionen. «Müssen wir in Quarantäne, um im Herbst die wichtigen Turniere in Asien spielen zu können? Was macht man mit den Chinesinnen, die reisen wollen?»

Interclub mit Starbesetzung

Wegen dieser offenen Fragen fokussiert Bacsinszky vorerst auf Wettkämpfe in der Schweiz. Zum einen plant Swiss Tennis eine nationale Serie von Preisgeldturnieren, zum anderen geniesst der NLA-Interclub vom 28. Juli bis 9. August einen höheren Stellenwert als üblich. Bacsinszky plant, diesen zu spielen, auch Belinda Bencic, die aktuelle Nummer 8 der Welt, hat durchblicken lassen, dass sie dort anzutreten gedenkt. «Der Interclub wird in diesem Jahr ein grosser Erfolg sein», ist sich auch Alessandro Greco, Leistungssportchef bei Swiss Tennis, sicher.

Die Zeit ohne Tennis nützte Timea Bacsinszky auch, um Neues zu entdecken. Zum Beispiel fand sie heraus, dass sie «es liebt zu wandern. An einem Tag bin ich volle 41 Kilometer gelaufen», erzählt sie stolz. Von zu Hause in Belmont-sur-Lausanne aus erkundete sie ausgiebig die Gegend rund um die Waadtländer Hauptstadt. «Man versteht so, warum die Schweiz so schön ist», schwärmt sie. Daneben sorgte Bacsinszky für ihre Mutter, kochte und machte sich Gedanken über die Konsumgesellschaft, in der wir leben. Am liebsten aber würde sie bald wieder bei Turnieren auf dem Tennisplatz stehen.

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