Viele Fragezeichen und ein paar grosse Erwartungen: Möge die Tennis-Saison 2021 beginnen

SDA

6.1.2021 - 05:55

Die Schweizer Tennis-Spielerinnen und Tennis-Spieler starten in ein ungewisses Jahr.
Bild: Keystone

In dieser Woche beginnt in Delray Beach, Antalya und Abu Dhabi die neue Saison der ATP- und WTA-Tour. Auch im Tennis-Zirkus ist die Normalität aber noch nicht wieder zurückgekehrt.

Knapp zehn Monate, nachdem die Corona-Pandemie zur Absage des Turniers in Indian Wells geführt und die Tour zum Stillstand gebracht hat, ist das Virus noch immer allgegenwärtig. Geht es nach den Plänen der ATP und der WTA, wird ab dieser Woche aber immerhin wieder regelmässig gespielt. Mit dem Beginn der europäischen Sandplatzsaison im April – so die Hoffnung aller – soll die Normalität endlich wieder zurückkehren.

Fragezeichen bei Bencic und Wawrinka

An den ersten drei Turnieren des Jahres steht von den Schweizer Cracks noch keiner im Einsatz, nachdem Belinda Bencic das Training in Dubai dem Wettkampf in Abu Dhabi vorgezogen hat, ehe sie in die «Bubble» eintaucht. Die Schweizer Nummer 1 bei den Frauen hat seit dem Unterbruch im letzten Frühjahr nur eine Partie auf der Tour bestritten und diese in Rom – auch durch muskuläre Probleme im Arm bedingt – sang- und klanglos verloren. Dass Bencic noch immer die Nummer 12 der Welt ist, liegt an der Anpassung des Rankings, werden doch die Resultate von März bis Ende 2019 weiterhin gewertet.



Wie Bencic hat auch Stan Wawrinka (ATP 18) seinen ersten Einsatz in diesem Jahr Ende Monat in Melbourne an einem der Vorbereitungsturniere im Hinblick auf das Australian Open (ab 8. Februar) geplant. Der 35-jährige Waadtländer schaut auf einen durchzogenen Herbst zurück. Nach seinem Sieg am Challenger in Prag beim Wiederbeginn im August stiess er nie mehr weiter als in die Viertelfinals vor. Im September erfolgte die Trennung von Magnus Norman, unter dem Wawrinka seine drei Grand-Slam-Titel gewann. Sein Nachfolger ist Daniel Vallverdu, auf dessen Hilfe Wawrinka schon länger zählt.

Ungewisse Zukunft von Timea Bacsinszky

Ihren Platz im Hauptfeld am Australian Open auf sicher hat auch Jil Teichmann (WTA 57). Die 23-Jährige sorgte im August mit ihrem Final-Einzug in Lexington für einen der wenigen Schweizer Lichtblicke auf der Tour seit dem Restart, ab dem US Open in New York begannen sich aber auch bei ihr die Niederlagen zu häufen. Zuletzt trainierte Teichmann in Barcelona, ehe sie für die Weihnachtstage in die Schweiz zurückkehrte.

ABD0039_20201110 - LINZ - ÖSTERREICH: Jil Teichmann (SUI) im Doppel gegen Barbara Haas (AUT)/Xenia Knoll (SUI) am am Dienstag, 9. November 2020, im Rahmen des WTA-Upper Austria Ladies Turnier in Linz. - FOTO: APA/BARBARA GINDL
An den Australian Open mit von der Partie: Jil Teichmann.
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Die nach der Absage von Roger Federer geschrumpfte Schweizer Delegation am Australian Open könnte Zuwachs erhalten. Ab dem 10. Januar werden in Dubai (Frauen) und Doha (Männer) die Qualifikationen für das erste Grand-Slam-Turnier gespielt. Mit Stefanie Vögele, Viktorija Golubic, Leonie Küng, Conny Perrin, Henri Laaksonen und Marc-Andrea Hüsler ist gleich ein halbes Dutzend Schweizer gemeldet. Ungewiss ist die Zukunft von Timea Bacsinszky (WTA 304), die weiterhin mit einem Comeback plant, ihre letzte Partie auf der Tour aber vor über einem Jahr bestritten hat.

Was reissen die ehemaligen Junioren?

Vor einer besonderen Herausforderung steht die junge Garde von Swiss Tennis, die von Dominic Stricker angeführt wird, dem Junioren-Sieger am French Open. Für ihn, Leandro Riedi und Jeffrey von der Schulenburg, die wie der ein Jahr jüngere Jérôme Kym zu den besten Junioren der Welt gehört haben, gilt es nun unter erschwerten Bedingungen bei den Profis Fuss zu fassen und sich im Ranking zu etablieren. Der von der ATP veröffentlichte Kalender der Challenger-Tour beinhaltet bis Ende Februar elf Turniere in der Türkei, Frankreich, Südafrika, Chile und Italien.

Dominic Stricker, Sieger des French Open der Junioren, rechts, und sein Finalgegner Leandro Riedi posieren an einer Medienkonferenz, am Sonntag, 11. Oktober 2020, in Biel. Stricker tritt somit in die Fussstapfen von Stan Wawrinka, der das Turnier als letzter Schweizer Junior 2003 gewann. (KEYSTONE/Peter Schneider).
Dominic Stricker und Leandro Riedi (links) sorgten im vergangenen Jahr an den French Open bei den Junioren für Furore.
Bild: Keystone

Verliert Federer seine wichtigsten Rekorde?

Auch die Mehrheit der Top-Spieler lässt sich mit dem Einstieg in die neue Saison Zeit. Von den besten zehn des ATP-Rankings ist nur Matteo Berrettini in Antalya am Start. Novak Djokovic, Rafael Nadal und Dominic Thiem, die drei Major-Sieger des letzten Jahres, greifen ebenso erst am ATP-Cup in Melbourne (ab 1. Februar) ins Geschehen ein wie Daniil Medwedew, der Sieger an den letztmals in London gespielten ATP-Finals.



Für 2021 stellen sich auch sportlich viele Fragen: Kann Dominic Thiem seinen ersten Grand-Slam-Titel bestätigen? Gibt es weitere neue Major-Sieger? Was passiert mit Andy Murray und Roger Federer? Wann und wie stark kommt der Baselbieter zurück? Und vor allem: Kann Rafael Nadal in Melbourne oder spätestens in Paris mit dem 21. Grand-Slam-Titel Federer als erfolgreichsten Spieler der Geschichte ablösen? Es wäre der zweite Rekord, den Federer verlieren könnte. Bei der Anzahl Wochen an der Spitze der Weltrangliste ist ihm Novak Djokovic dicht auf den Fersen (310:302).

Serena Williams läuft die Zeit davon

Bei den Frauen hat die nächste Generation das Zepter bereits übernommen. 2020 brachte mit Sofia Kenin (22) aus den USA und der Polin Iga Swiatek (19) zwei weitere neue Grand-Slam-Siegerinnen. Die US-Open-Siegerin Naomi Osaka (23) gilt für viele als die Beste, auch wenn Ashleigh Barty und Simona Halep im Ranking noch vor der Japanerin klassiert sind.

Serena Williams hingegen läuft die Zeit davon. Noch immer fehlt der Amerikanerin ein Major-Triumph, um den Rekord von Margaret Court (24 Titel) zu egalisieren. Im September feiert Williams ihren 40. Geburtstag, sieben Wochen nach Federer.

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