«Wenn Sie kein Tennis sehen wollen, dann gehen Sie nach Hause» 

10.1.2020 - 09:45, SB10

Packende Ballwechsel: Djokovic bodigt Shapovalov – Serbien steht im Halbfinal
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Packende Ballwechsel: Djokovic bodigt Shapovalov – Serbien steht im Halbfinal

Team Serbien erreicht die Halbfinals beim ATP Cup. Novak Djokovic bekundet bei seinem Duell gegen Denis Shapovalov viel Mühe, siegt letztlich aber im Tiebreak des dritten Satzes mit 4:6, 6:1, 7:6. Zuvor setzte sich Dusan Lajovic gegen Felix Auger-Aliassime durch.

10.01.2020

Serbien setzt sich beim ATP Cup gegen Kanada durch und steht im Halbfinal. Eines der drei Duelle sorgt für rauchende Köpfe: Novak Djokovic trifft in einem epischen Match auf Denis Shapovalov.

Stuhlschiedsrichter Carlos Bernardes hatte in Sydney beim ATP Cup einen schweren Stand. Der erfahrene Brasilianer musste am Freitag im Viertelfinal des ATP Cups das Duell zwischen Serbien und Kanada leiten. Auf der einen Seite stand der aufstrebende Kanadier Denis Shapovalov, auf der anderen Seite Novak Djokovic – und die Mehrheit des Publikums, das mit ohrenbetäubendem Lärm die Weltnummer 2 unterstützte. Dies, obwohl Djokovic als klarer Favorit ins Rennen ging, schliesslich führte er in der Direktbilanz glatt mit 4:0.

Die Fans des Serben übertraten dabei leider wiederholt die Grenzen des Anstands und buhten den bemitleidenswerten Shapovalov immer wieder aus. Vor allem als die Weltnummer 14 der Welt den ersten Satz für sich entscheiden konnte, nahmen die Feindseligkeiten der «Nole»-Anhänger zu. 

Als der 20-Jährige noch von einem Zuschauer beschimpft wurde, rissen beim Kanadier mit russischen Wurzeln im zweiten Durchgang die Nerven. Er rief ein gut hörbares «F*** you» ins Publikum – und erhielt von Bernardes eine Verwarnung. Auch die Erklärung Shapovalovs, wonach die Fans «während des Punktes Lärm machen», nützte nichts.

Shapovalov legt sich mit Publikum an

Der zweite Satz ging klar an den 16-fachen Grand-Slam-Champion, doch seine Fans trauten der Sache noch nicht und machten Shapovalov weiter das Leben schwer. Im Entscheidungssatz griff der Unparteiische zu einer ungewöhnlichen Massnahme und sprach per Mikrofon die Menge an: «Dies ist ein Tennisspiel. Das Wichtigste für uns alle ist Respekt. Wenn Sie kein Tennis sehen wollen, dann gehen Sie nach Hause. Stören Sie nicht diejenigen, die hier sind, um Tennis zu sehen.»

In der hitzigen Atmosphäre musste Bernardes auch noch Djokovic verwarnen, weil er beim Fluchen erwischt wurde. Nach zwei Stunden und 41 Minuten hatte das Drama ein Ende: Djokovic verwandelte im Tiebreak seinen vierten Matchball und entschied schliesslich das Spiel mit 4:6, 6:1 und 7:6 für sich.

Djokovic lobte im Platzinterview seine patriotischen Fans: «Es hat sich angefühlt, als würde ich zu Hause spielen». Der Serbe dankbar: «Die Zuschauer haben heute definitiv eine grosse Rolle gespielt.»
Immerhin ergänzte er, dass Shapovalov «zu Recht verärgert» war.

In den sozialen Medien wird heftig diskutiert, ob die Tennis-Etikette jemals bei einem Spiel so strapaziert wurde. Das Pro-Djokovic-Lager verteidigt sich und spricht davon, dass ihr Schützling bei vielen Turnieren selbst häufig die Mehrheit des Publikums gegen sich habe.

Sein Gegner Shapovalov wollte nach dem Spiel indes nicht dem Publikum die Schuld für die Niederlage zuschieben und sagte, schlicht «zu viele Fehler» gemacht zu haben.

Diese Fehler besiegelten auch das K.o. für Kanada: Nachdem zuvor schon Dusan Lajovic gegen Felix Auger-Aliassime gewonnen hatte und Serbien zum Abschluss auch das Doppel für sich entschied (6:3, 6:2), stand der klare 3:0-Erfolg fest. Im Halbfinale treffen die Serben am Samstag auf Russland. Ebenfalls für das Halbfinale qualifiziert hat sich bereits das australische Team, Gegner ist ebenfalls am Samstag Belgien oder Spanien, die am Freitag im letzten Viertelfinale aufeinandertreffen.


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