Tennis-Wunderkind

Wie Cori Gauff am Druck beinahe zerbrochen ist

pat

16.4.2020

Juli 2019: Cori «Coco» Gauff bei ihrer ersten Teilnahme in Wimbledon.
Juli 2019: Cori «Coco» Gauff bei ihrer ersten Teilnahme in Wimbledon.
Bild: Getty

Die 16-jährige Cori «Coco» Gauff hat bereits ihre Spuren im Profi-Tennis hinterlassen. Im Tennis-Blog «Behind The Racket» gesteht sie, dass sie vor drei Jahren beinahe den Bettel hingeschmissen hätte.

Es ist noch kein Jahr her, da ging der Stern der damals 15-jährigen Cori «Coco» Gauff auf. Der Teenie sorgte in Wimbledon für Furore, kämpfte sich durch die Qualifikation und in der ersten Runde schaltete sie Venus Williams aus. Die Reise des Wunderkindes endete erst im Achtelfinale, wo sie der späteren Turniersiegerin Simona Halep unterlag. Alles sei «ziemlich surreal», meinte Gauff damals. Doch es ist die neue Realität.

Denn am darauffolgenden US Open erreichte die US-Amerikanerin die Runde der letzten 32 und an den diesjährigen Australian Open gelang ihr erneut der Achtelfinal-Einzug bei einem Grand-Slam-Turnier. Dazwischen drückte sie jeweils die Schulbank – und sie gewann Ende Oktober 2019 ihr erstes Profiturnier. In Lienz setzte sie sich im Finale gegen die lettische Ex-French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko durch.

Am 13. März feierte Gauff ihren 16. Geburtstag. Im eingefrorenen WTA-Ranking ist sie die Nummer 52 der Welt und Gauff hat schon über 800’000 US-Dollar an Preisgeldern abgesahnt. Das Geld verprassen wird sie kaum, sie hasse es, Geld auszugeben, meinte sie auf einer Pressekonferenz an den Australian Open. Dort gab sie aber auch Sätze von sich, die von ihrem ausgeprägten Selbstvertrauen zeugen: «Meine Mission ist, die Beste zu werden. Das ist mein Ziel. So viele Grand Slams wie möglich zu gewinnen.»

Arrogant wirkte Gauff dabei nie. Denn wer mit 15 Jahren gestandene Profis vom Platz fegt, dem ist alles zuzutrauen. Und ihre Aussagen zeugten von einer gewissen Reife, wenn sie etwa sagte: «Die besten Spieler haben auch keine Angst vor ihren Gegnern. Der Respekt muss immer da sein, aber ich werde niemals Angst haben. Wenn du Angst hast, wirst du verlieren – ich will nicht verlieren.»

«Ich hatte nur keinen Spass an dem, was ich liebte»

Doch nun lernen wir eine neue Seite von Gauff kennen. Im Tennis-Blog «Behind The Racquet» schreibt sie über ihre harzige Phase auf dem Weg nach oben. In den Jahren 2017 und 2018 sei sie verloren gewesen. «In meinem Leben war ich immer die Jüngste, die etwas erreichte, das brachte Aufmerksamkeit, die ich nicht wollte.» Dadurch sei ein enormer Druck entstanden, den die damals 13-Jährige nachdenklich stimmte: «Ich war mir nicht sicher, ob ich das wirklich wollte. Ich hatte immer gute Ergebnisse, das war nicht das Problem, ich hatte nur keinen Spass an dem, was ich liebte.»

In dieser Zeit habe sie sogar mit dem Gedanken gespielt, den Tennisschläger beiseite zu legen. Sie glaube nicht, dass das alles mit dem Tennis selbst zu tun gehabt habe, «vielleicht einfach damit, alles unter einen Hut zu bekommen», so Gauff. Das Wunderkind wirft die Flinte aber nicht ins Korn und arbeitet weiter, sodass sie 2018 mit gerade einmal 14 Jahren ihr Profi-Debüt gibt.

Die darauffolgenden Erfolge verdanke sie auch der Phase, in der ihre Psyche angeknackst war: «Ich bin stärker daraus hervorgekommen und kenne mich selbst besser als je zuvor.» Mit dem Druck und der öffentlichen Aufmerksamkeit könne sie inzwischen besser umgehen. Sie gewöhne sich an den Gedanken, dass manche sie als Vorbild sehen würden. Das bringe zwar «ein bisschen zusätzlichen Druck», auf der anderen Seite möge sie es, «für mehr als nur mich selbst zu spielen».

Am 13. März 2024 wird Cori «Coco» Gauff dem Teenageralter entwachsen. Wenn sie nicht an der immer grösser werdenden Erwartungshaltung zerbricht, dann wird sie sich dann möglicherweise bereits Grand-Slam-Siegerin nennen dürfen. Das Talent dazu hat sie allemal.

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