Federer vs. Djokovic

Zauberschläge und viel Drama – die Eckpfeiler einer grossen Rivalität

Von Luca Betschart

14.11.2019

Treffen am Donnerstag in London zum 49. Mal aufeinander: Novak Djokovic (links) und Roger Federer.
Bilder: Getty

Im abschliessenden Gruppenspiel der ATP Finals steigt am Donnerstag in London das 49. Duell zwischen Novak Djokovic und Roger Federer. «Bluewin» blickt zurück auf die denkwürdigsten Aufeinandertreffen.

   1.

Das erste Duell

Monte Carlo 2006

Vor mehr als 13 Jahren begegnen sich Federer und Djokovic beim Sandplatzturnier in Monte Carlo zum ersten Mal und liefern sich sogleich einen Kampf über drei Sätze. Der aufstrebende Serbe kann dem Dominator der letzten Jahre den zweiten Satz abnehmen, muss sich schlussendlich aber mit 3:6, 6:2 und 3:6 geschlagen geben. Dennoch deutet der 18-Jährige an, dass er Federer in Zukunft durchaus Probleme bereiten kann. Die Rivalität zwischen den beiden ist geboren. 


   2.

Der perfekte Tweener

US Open 2009

In New York strebt der topgesetzte Federer 2009 seinen sechsten (!) Triumph in Folge an und spielt sich ohne grosse Probleme in den Semifinal. Dort wartet einmal mehr Novak Djokovic. Es ist bereits das 13. Duell zwischen den beiden, erst viermal muss Federer bis dahin als Verlierer vom Platz. In einer äusserst ausgeglichenen Partie gelingt es dem Schweizer, jeweils in den wichtigen Momenten eine Schippe draufzulegen. Den ersten Satz holt er sich im Tiebreak, im zweiten Satz breakt er Djokovic im letztmöglichen Moment zum 7:5.

Im dritten Satz kann er beim Stand von 4:4 Breakbälle abwehren, um kurz darauf selbst zuzuschlagen – und wie! Bei 0:30 kann der Schweizer einen gut gespielten Lob seines Kontrahenten nicht nur erlaufen, sondern den Punkt gegen den aufgerückten Djokovic mit einem perfekt geschlagenen «Tweener»-Passierball noch gewinnen. Das Stadion steht Kopf. Danach realisiert Federer das Break und serviert den Match souverän nach Hause. Im Endspiel allerdings unterliegt er dann Juan Martin del Potro – und wartet noch heute auf seinen sechsten US-Open-Titel.


   3.

Der perfekte Return

US Open 2011

10. September 2011: Mit nur einem Satzverlust zieht Federer in Flushing Meadows erneut in den Halbfinal ein und trifft dort wieder auf Novak Djokovic. Mit dem Serben hat der Schweizer noch eine Rechnung aus dem Vorjahr offen, als er trotz zwei Matchbällen in fünf Sätzen verliert (7:5, 1:6, 7:5, 2:6, 5:7) und die Segel streichen muss. Und Federer beginnt gut, holt sich die ersten beiden Sätze mit 7:6 und 6:4 – und scheint sich für die Niederlage im Vorjahr revanchieren zu können. Dann meldet sich Djokovic aber eindrücklich zurück und macht den 0:2-Satzrückstand im Eiltempo wett.

Im fünften Satz begegnen sich die beiden dann auf Augenhöhe und nach über drei Stunden Spielzeit hat Federer beim Stand von 7:6, 6:4, 3:6, 2:6, 5:3 und 40:15 zwei Matchbälle. Dann der Wendepunkt: Djokovic retourniert Federers Aufschlag mit vollem Risiko und schlägt einen Returnwinner der Extraklasse – für John McEnroe «einer der grössten Schläge aller Zeiten». Mithilfe der Netzkante wehrt der Serbe auch den zweiten Matchball ab und holt sich das Break zurück. Im Anschluss gewinnt Federer kein einziges Game mehr und muss Djokovic – wie bereits im Vorjahr – nach vergebenen Matchbällen zum Sieg gratulieren.


   4.

Die Rückeroberung

Wimbledon 2012

Ein Jahr zuvor gewinnt der Serbe in Wimbledon erstmals und zählt auch 2012 zum engsten Favoritenkreis. Dazu gehört aber auch Federer, der inzwischen bei sechs Wimbledon-Titeln steht und sich sein Wohnzimmer in diesem Jahr unbedingt zurückerobern will. Ohnehin wartet der Schweizer zu diesem Zeitpunkt seit mehr als zwei Jahren auf einen Titel an einem Major. Hoch motiviert legt Federer los wie die Feuerwehr und liefert mit Ausnahme eines Durchhängers im zweiten Satz eine erstklassige Leistung ab. Der Maestro gewinnt 6:3, 3:6, 6:4 und 6:3 und zieht ins Endspiel ein. Dort lässt er sich auch von Andy Murray nicht stoppen – Wimbledon-Titel Nummer sieben ist in der Tasche.


   5.

Der verpasste Triumph

Wimbledon 2019

Die Wunden sind noch frisch und bei so manchen Federer-Fans wohl noch nicht ganz verheilt. Dennoch darf der epische Wimbledon-Final aus diesem Sommer in dieser Auswahl nicht fehlen. Nach dem Halbfinal-Sieg über Rafael Nadal spielt der Baselbieter auch im längsten Wimbledon-Final der Geschichte gegen Djokovic gross auf und hat das Spiel gegen den Titelverteidiger zu grossen Teilen im Griff.

Zwar verliert Federer den ersten und dritten Umgang im Tiebreak, er meldet sich allerdings zweimal zurück und zwingt den Serben in den Fünften. Als Federer im Entscheidungssatz, in dem er zwischenzeitlich mit 2:4 in Rücklage gerät, den Servicedurchbruch zum 8:7 realisiert, ist der neunte Wimbledon-Triumph ganz nah. Und als er im folgenden Aufschlagsspiel 40:15 vorlegen kann und zwei Matchbälle hat, scheint der Mist geführt. Den Rest der Geschichte kennen wir: Federer kann beide Matchbälle nicht nutzen und verliert beim Stand von 12:12 auch das dritte Tiebreak des Tages – und damit nach beinahe fünf Stunden auch die Partie.


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