Zuerst «viel Blödsinn machen» und dann den ersten Grand-Slam-Titel holen

dpa/mal

22.11.2021

epa09596636 Alexander Zverev of Germany celebrates after winning the final match against Daniil Medvedev of Russia at the Nitto ATP Finals tennis tournament in Turin, Italy, 21 November 2021. EPA/Alessandro Di Marco
Mit beeindruckendem Tennis holte sich Alexander Zverev den letzten grossen Titel der Saison.
Bild: Keystone

Olympiasieger und der zweite Triumph an den ATP Finals. Alexander Zverev hat ein erfolgreiches Tennis-Jahr hinter sich. Doch 2022 soll noch viel besser werden und vor allem will der Deutsche seine grosse Lücke endlich schliessen.

dpa/mal

22.11.2021

Der perfekte Saisonabschluss verstärkt Alexander Zverevs Sehnsucht nach dem ersten Grand-Slam-Titel. Urlaubsreif verabschiedete sich der 24-Jährige nach dem grössten Erfolg in diesem Jahr neben der olympischen Goldmedaille auf die Malediven. Bevor er aber am Montag von Mailand aus in den Flieger stieg, liess er keine Zweifel an seinen Tennis-Zielen für 2022.

Endlich soll die Zeit reif sein für einen der Turniersiege mit dem höchsten Wert. «Ich werde dafür alles tun», stellte Zverev nach dem zweiten Sieg bei den ATP Finals klar. Er werde so viel arbeiten wie möglich, sich «den Arsch aufreissen, dass es passiert».

In der Turiner Mehrzweckhalle Pala Alpitour hatte er an einem aus deutscher Sicht erinnerungswürdigen Final-Wochenende erst die Nummer eins der Welt, den 20-fachen Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic, und dann im Endspiel am Sonntag überraschend souverän mit 6:4, 6:4 die Nummer zwei der Welt, Daniil Medwedew, besiegt.



Eine neue Liebe ist wie ein neues (Tennis)-Leben

Aufgewühlt sprach Zverev sogleich noch auf dem blauen Hartplatz davon, im nächsten Jahr die Spitze der Weltrangliste anzugreifen. «Ich habe das Ziel natürlich auch», sagte der Hamburger auch mit zwei Stunden Abstand, gab aber zu bedenken: «Man muss schon sagen, Novak war dominant.» Und der Rückstand zu Platz eins ist weit.

Überglücklich liebkoste Zverev nach seinem Triumph seine Hunde und alberte mit Bruder Mischa und dem Pokal herum. Noch am Abend fuhr der Fan von Pizza mit Schinken und Pilzen nach Mailand. Die Tennis-Ikonen Boris Becker und Rod Laver, das Team um Djokovic und auch Bayern-Star Thomas Müller übermittelten Glückwünsche.

Seine Freundin Sophia Thomalla, die nicht mit in der Halle war, schickte über die sozialen Medien eine Botschaft: «Ohne Pokal hätte ich ihn auch zu Hause gar nicht reingelassen!», witzelte die acht Jahre ältere Schauspielerin, Moderatorin und Geschäftsfrau mit einem Tränen lachenden Smiley.

Die frische Liebe gehört genauso zu Zverevs Jahresrückblick wie die sechs Titel, die keiner seiner Konkurrenten erreicht hat. Im März brachte Ex-Freundin Brenda Patea Zverevs erste Tochter zur Welt. Das hat privat sein Jahr ebenso geprägt wie der Schritt, sich von seinem Bruder als Manager vertreten zu lassen.

Heftige Anschuldigungen der Ex-Freundin

Weiterhin erschweren die heftigen Gewalt-Anschuldigungen seiner Ex-Freundin Olga Scharipowa seine Karriere. Zverev hat die Vorwürfe vehement bestritten. Inzwischen ermittelt die Profiorganisation ATP. Ein Abschluss der Untersuchungen steht aus. Die Turbulenzen abseits des Platzes haben ihn sportlich nicht von seinem Weg abgebracht.



Noch mehr als der 21. November in Turin, sein zweiter Erfolg bei den ATP Finals nach 2018, wird der 1. August in Erinnerung bleiben, als sich Zverev zum ersten deutschen Olympiasieger im Männer-Einzel des Tennis kürte. Doch das zeigt auch, dass sich die Bilder, die von diesem zweifelsohne erfolgreichen Jahr hängenbleiben, eben nicht bei den Grand-Slam-Turnieren abspielten.

Was weiterhin fehlt, sind Erfolge wie in Turin und Tokio auch dann, wenn es über drei Gewinnsätze geht. Dann steht in den Statistiken bei Zverev, was Siege gegen Top-Ten-Spieler anbelangt: noch immer eine Null.



Rafael Nadal ist nach seiner Verletzungspause eine Unbekannte, das Comeback von Roger Federer wird lange auf sich warten lassen, doch der 34 Jahre alte Djokovic wird zunächst der Topfavorit auf grosse Titel bleiben. «Er kann definitiv einen Grand Slam gewinnen, weil es einfach offensichtlich ist. Aber er ist nicht der Einzige. Das ist es, wo es schwierig wird», sagte Medwedew über Zverev.

Das Versprechen von Bruder Mischa

Auf einen Einsatz im Davis Cup ab Ende der Woche in Innsbruck verzichtet Zverev zugunsten der Erholung. Im Kalender steht der 19. Dezember, an dem der der erfolgreichste deutsche Titelsammler im Herren-Tennis hinter Boris Becker in Baden-Baden ein Kandidat für die Wahl zum Sportler des Jahres ist.

Sein erstes Turnier bestreitet der Hamburger beim ATP Cup. Der erste Grand-Slam-Titel wird ab Mitte Januar bei den Australian Open vergeben. Reicht die hinzugewonnene Stärke auch für die Grand-Slam-Titelpremiere? «Nächstes Jahr auf jeden Fall», versprach Bruder Mischa Zverev bei Bild TV.

Für dieses Ziel könnte der Tennis-Star der Familie vielleicht schon am Mittwoch die nächste Fitnesseinheit absolvieren, mutmasste er. Erst einmal kündigte Alexander Zverev für seine ersten gemeinsamen, längeren Ferien mit Freundin Sophia Thomalla an: «Wir werden viel Blödsinn machen, denke ich, in den nächsten paar Tagen. Nichts Gefährliches, keine Sorge.»