Andri Ragettli: «Jetzt kann ich zeigen, was für ein Champion ich bin»

pat

2.4.2021

Andri Ragettli on Tour, Folge 11: Neue Ziele

Andri Ragettli on Tour, Folge 11: Neue Ziele

Vor drei Wochen hat Andri Ragettli an der Freestyle-WM in den USA eine schwere Knieverletzung erlitten. Der Bündner blickt nochmals zurück auf den Unfall und die Operation in St. Moritz. Und er schaut voraus, denn längst hat für ihn die Reha-Phase begonnen. Für die kommenden Monate hat er sich grosse Ziele gesetzt.

01.04.2021

Erst WM-Gold im Slopestyle, dann die schwere Verletzung im Big-Air-Wettkampf. Andri Ragettli blickt auf bewegte Wochen zurück. Der 22-Jährige schildert ausführlich, was vom Moment des Sturzes bis heute passiert ist und wie er sich an die Spitze zurückkämpfen will.

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2.4.2021

Nach dem ersten Sprung habe er eine super Chance auf Doppel-Gold gehabt und auch daran geglaubt, dass er gewinnen könne. Vor seinem letzten Sprung sei es dann sehr windig gewesen, deshalb habe er vor dem Sprung viel mehr gebremst als bei seinem ersten Versuch. «Der Trick selber war eigentlich super, doch dann bin ich ein Mü weiter gesprungen als ich dachte», erinnert sich Ragettli. Deshalb habe er im letzten Moment noch eine halbe Drehung mehr gemacht als geplant. Nach dem Sturz habe er schnell gemerkt, dass sein Knie instabil sei. Noch am selben Tag habe er in Amerika ein MRI gemacht, tags darauf ging es im umgebuchten Flieger nach Zürich und von dort direkt nach St. Moritz ins Spital.

Dort kam für einen kurzen Moment die Hoffnung auf, dass die Diagnose günstiger ausfallen könnte als jene, die er bereits im Gepäck hatte. «Wir wollten das MRI aus Amerika hier anschauen, aber die Qualität war so schlecht, dass der Arzt nicht gesehen hat, was gerissen ist und was nicht.» Doch nach dem neuerlichen MRI löste sich die Hoffnung in Luft auf. «Das hintere Kreuzband ist gerissen, was mega selten und komisch ist. Das ist eigentlich fast das Schlimmste von allem.» Das Seitenband sei ebenfalls praktisch durchgerissen, was allerdings weniger schlimm sei. Und entgegen anderslautender Medienberichte sei sein Meniskus nicht beschädigt worden. «Dort ist alles gut, das ist eigentlich ziemlich positiv. So kann ich mit der Reha auch ein bisschen zügiger vorwärtsmachen», so Ragettli. Aber auch so muss er mit sechs bis neun Monaten rechnen.

«Das ist sicher die härteste und schwierigste Verletzung die ich in meiner Karriere hatte. Aber ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Was mir viel Kraft gibt sind all die Idole, die ich habe. Die Leute, zu denen ich hochschaue und die mich richtig inspirieren, haben alle Verletzungen oder Schwierigkeiten in ihrem Leben gemeistert wie Champions.» Nun sei es an ihm, es ihnen gleichzutun: «Jetzt kann ich zeigen, was für ein Champion ich bin. Und wie hart ich arbeite und wie sehr ich das will. Ich werde so hart arbeiten, wie kein anderer und so wie ich es noch nie zuvor im Leben getan habe», so Ragettli kämpferisch.

Inzwischen ist Ragettli wieder zuhause und erste Fortschritte stellen sich ein. Der Schlaf sei besser geworden und Schmerzmedikamente brauche er kaum noch. Die Reha hat auch begonnen, sehr zur Freude des 22-Jährigen: «Die Physio ist immer ein Highlight des Tages.» Und sie sei extrem wichtig, um nicht zu sehr an Beweglichkeit einzubüssen. Er könne zwar noch nicht viel machen, aber dennoch laufe es super. Er könne das Knie schon 40 Grad biegen, da seien sie dem Zeitplan sogar ein bisschen voraus, sagt Ragettli sichtlich erfreut. «Aber die sechs bis neun Monate Reha versuche ich nicht als Ganzes zu sehen», denn das erschlage einen sonst regelrecht. Es sei extrem wichtig, sich kleine Zwischenziele zu setzen.

Die 11. Folge von «Ragettli on Tour» schauen

Die ganze Geschichte Ragettlis gibts im Video oben oder am Freitag Abend (22.35 Uhr) im TV auf «blue Zoom». Dort bist du hautnah dabei und kannst regelrecht den Puls Ragettlis fühlen. Sei es im Spital als der Arzt die Diagnose übermittelt, sei es in der Physiotherapie oder bei ihm zuhause. Ab 16.24 Minuten gibt es auch den persönlichen Saisonrückblick Ragettlis zu sehen. Den Rückblick auf eine seiner erfolgreichsten Saisons der Karriere, in der er «sehr viele grosse, grosse Ziele» erreicht habe. Trotz Verletzung blickt er also auf ein mit Höhepunkten gespicktes Jahr zurück – auch das wird ihm auf dem Weg zurück Kraft geben.


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