Die willkommene Konkurrenz aus dem eigenen Lager

ck, sda

5.2.2021 - 04:31

Die Schweizer Bobfahrer gehören an der WM in Altenberg stattfindet, nicht zum engsten Kreis der Medaillenkandidaten. Spannend ist aber das Duell von Melanie Hasler und Martina Fontanive.

Auf Medaillen zu hoffen wäre wohl vermessen, auch wenn Hasler (3. im Zweier, 6. im Monobob) und Fontanive (5. und 3.) vor zweieinhalb Wochen in St. Moritz ein kräftiges Ausrufezeichen gesetzt haben. Die Konstellation der beiden besten Schweizer Bobfahrerinnen ist aber speziell. Auf der einen Seite die routinierte, 34-jährige Zürcherin Fontanive, die nächstes Jahr aber erstmals an die Olympischen Spiele möchte. Auf der anderen die erst 22-jährige Aargauerin Hasler, bei der jedes Topresultat (noch) ein unerwarteter Bonus ist.

Im Optimalfall beide gut

Fontanive lacht auf die Frage nach der internen Konkurrenz: «Ich fahre gegen alle, ich muss nicht in erster Linie die anderen Schweizerinnen schlagen.» Das Gegenteil sei der Fall. «Es ist besser, wenn sie gut ist, als wenn wir beide schlecht sind. Im Optimalfall fahren wir natürlich beide sehr gut.»

Das tut bis jetzt vor allem auch sie, die Überraschung der Saison. Hasler, eine ehemalige Volleyballerin, die dem Schweizer Jugend-Nationalteam angehört hatte, erreichte in ihrer ersten Weltcupsaison neben dem Podestplatz in St. Moritz noch drei weitere Top-5-Klassierungen.

Der Schweizer Nachwuchschef und zweifache Olympiasieger Christoph Langen wurde auf die Leistungsdaten der Aargauerin aufmerksam und lotste sie zum Bobsport. «Jetzt ist es besser gelaufen als erwartet», stellt Hasler zufrieden fest. So gut, dass nun bereits die Winterspiele vom kommenden Jahr zum realistischen Thema werden.

Sie ist froh um die Expertise von Fontanive. «Wir sind nicht im gleichen Klub wie das bei den Männern mit Michael (Vogt) und Simon (Friedli) der Fall ist, und fahren auch nicht die gleichen Kufen», relativiert sie zwar. «Aber ich kann immer fragen: 'Wie fährst du das?'» Letztlich hätten sie das gleiche Ziel: «Der Schweiz zwei Olympia-Startplätze zu sichern. Da wünscht man auch dem anderen Team, dass es weit nach vorne kommt.»

Erstmals zwei Chancen

Gute Resultate an der WM könnten bei diesem Ziel helfen, auch wenn das Ranking für die Startplätze in der speziellen Corona-Saison eingefroren worden sind. In Altenberg kann schon mal der erste Teil der Selektionsrichtlinien von Swiss Olympic, ein Top-8-Platz, erfüllt werden.

Dazu erhalten die Frauen erstmals zwei Chancen. Am Freitag und Samstag dieser Woche steht der traditionelle Zweierbob-Wettkampf im Programm, kommende Woche wird – wie auch ein Jahr später bei Olympia in China – erstmals im Monobob um Medaillen gefahren.

Im letzten Jahr belegte Fontanive in der Bahn an der tschechischen Grenze den 7. WM-Platz. Die stärksten Gegnerinnen dürften auch diesmal hauptsächlich aus Deutschland und den USA kommen.

Eine zusätzliche Trainingswoche

Wie die Schweizer Frauen profitierten auch die Männer von einer zusätzlichen Trainingswoche in Altenberg. Nach der Junioren-WM in St. Moritz respektive dem zweitletzten Weltcup in Innsbruck reisten die Teams von Fontanive, Hasler, Michael Vogt und Simon Friedli direkt nach Sachsen. «Die Bedingungen waren hervorragend», stellt Spartenchef Rico Peter zufrieden fest. «Wir mit einer Ausnahme jeden Tag drei oder vier Fahrten machen.»

Es ist selten, dass die Deutschen auf ihren Bahnen derart grosszügig ausländische Teams üben lassen. Es ist vielleicht auch ein Zeichen, dass sie selbst gemerkt haben, dass ihre Domination der Spannung abträglich ist. Nur eines von 24 Weltcup-Rennen in diesem Winter – die Amerikanerin Kaillie Humphries im letzten Frauenrennen – wurde nicht von Deutschen gewonnen. Sie sind am Start und vor allem beim Material fast unschlagbar – auf einer Heimbahn erst recht.

So wird der Gewinn einer Medaille auch für den Schwyzer Vogt (letztes Jahr WM-8. im Zweier) und den Solothurner Friedli (7.) fast schon zur «Mission Impossible». In Lake Placid, wo die WM ursprünglich hätte stattfinden sollen, wären die Chancen mit Sicherheit grösser gewesen. Vielleicht hat aber das zusätzliche Training noch entscheidend geholfen.

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