Eine mentale Schweizer Meisterleistung: «Dieses Team ist gefährlich»

Luca Betschart

15.1.2021

Führte die Schweiz zum ersten WM-Sieg seit 26 Jahren: Teamleader Andy Schmid.
Führte die Schweiz zum ersten WM-Sieg seit 26 Jahren: Teamleader Andy Schmid.
Bild: Keystone

Die Schweizer Handball-Nati verblüfft an der WM in Ägypten mit einer erfrischenden Mentalität. Der Umgang mit der turbulenten Vorbereitung zeichnet das Team aus – auch im Vergleich zu Auftaktgegner Österreich.

Völlig unverhofft kommt die Schweizer Handball-Nationalmannschaft am Donnerstag in Giseh am Rande Kairos zu ihrem ersten WM-Auftritt nach 26-jähriger Absenz. Die Rückkehr gelingt wunschgemäss – obwohl das Team von Michael Suter erst am Dienstag von seinem Glück erfährt und am Donnerstag bloss vier Stunden vor dem Anpfiff der Auftaktpartie in Kairo landet. Vom Flughafen geht es danach auf direktem Weg in die Sporthalle.

Die turbulente Anreise ist den Schweizern zu Beginn denn auch anzumerken. Als es nach vier Minuten bereits 0:3 heisst, absolviert Teamleader Andy Schmid noch immer Aufwärmübungen. «Es war der schlechteste Start, den wir hätten haben können», sagt Schmid nach dem Spiel gegenüber «ihf.info».

Den verschlafenen Auftakt korrigieren die Schweizer aber sofort, wenig später ist das Nachbarschaftsduell wieder ausgeglichen. Schmid betont: «Es war wirklich wichtig, in der ersten Halbzeit dranzubleiben, da es umgekehrt hätte laufen können, wenn sie fünf, sechs Tore voraus gewesen wären.» Dazu soll es glücklicherweise aber nie kommen.



Der Stolz des Trainers

Im Gegenteil: Nach dem Pausentee legen die Schweizer noch eine Schippe drauf. «Zur Halbzeit sagten wir uns: ‹Jetzt haben wir warme Beine, wir haben 30 Minuten gespielt und wir können anfangen, unser Handball zu spielen›», schildert Schmid. Und das tun die Schweizer insbesondere in der Anfangsphase der zweiten Hälfte, als sie sich innert neun Minuten eine Vier-Tore-Führung erspielen. Diese lässt sich das Team von Michael Suter im Anschluss nicht mehr nehmen.

«Wir machen es nun immer so, dass wir ohne Training an ein Länderspiel gehen», scherzt der Coach nach der Schlusssirene. Weder von der Nachnominierung in letzter Sekunde noch von der turbulenten Anreise lässt sich seine Mannschaft in diesen Stunden aus dem Konzept bringen. «Es hat sich nie einer beklagt. Wir freuten uns einfach, hier teilzunehmen. Ich bin sehr stolz auf das Team. Und ich bin kein Trainer, der das in jedem zweiten Spiel sagt, denn in unserem Sport ist Kämpfen angesagt – aber in diesem Moment war ich wirklich mit Stolz erfüllt», lobt Suter.

Auch Leaderfigur Schmid, der mit sieben Toren zum besten Spieler des Spiels ausgezeichnet wird, sieht in der mentalen Schweizer Meisterleistung den Schlüssel zum Sieg: «Es sind nicht so viele taktische Dinge, es ist die Mentalität, der Wille zum Sieg», betont der 37-Jährige. Und genau in diesem Bereich sind die WM-Nachrücker ihrem Gegner aus Österreich an diesem Tag überlegen.

Die Einstellung als entscheidender Unterschied?

Das untermauern die Erklärungsversuche von Österreichs Nati-Trainer Alex Pajovic nach der bitteren Niederlage: «Es war ein bisschen seltsam wegen der Corona-Situation. Sie haben das Team gewechselt, nicht die USA, sondern die Schweiz kam – und wir hatten nicht viel Zeit, um uns vorzubereiten.» Das klingt einleuchtend. Nur: Was soll denn da die Schweizer Delegation sagen?

Diese liefert die Antwort auf dem Platz. «Diese junge, grossartige Mannschaft mit einigen guten, erfahrenen Spielern aus der Bundesliga ist gefährlich. Wir haben eine unglaubliche Mentalität und das haben wir heute gezeigt», schwärmt Andy Schmid.

Nach dem ersten WM-Sieg seit 26 Jahren ist das Selbstvertrauen der Schweizer Equipe spürbar. Sinnbildlich dafür kündigt Alen Milosevic nur kurz nach dem Auftaktsieg an: «Mit den zwei Punkten im Rücken winkt die Hauptrunde und diesen Schwung von heute wollen wir mitnehmen. Wir haben morgen einen Tag Erholung und dann sollen Norwegen und Frankreich nur kommen, wir sind bereit.»

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