Ex-Nationaltrainer mit Doping-Vergangenheit: «Dann habe ich leider Gottes den Fehler meines Lebens gemacht»

13.5.2019 - 12:25, wer / DPA

Nach seinem Doping-Geständnis hat der ehemalige Rad-Profi Danilo Hondo seinen Job als Schweizer Nationaltrainer verloren. 

Hondo hatte in einem Interview mit der ARD-Doping-Redaktion zugegeben, 2011 beim Hauptverdächtigen und mutmasslichen Drahtzieher, dem Erfurter Sportmediziner Mark S., Blutdoping praktiziert zu haben.



Der schon lange in der Schweiz lebende Deutsche hatte 2016 den Posten des Nationaltrainers übernommen. 2014 hatte er nach 18 Jahren seine aktive Karriere beendet. Als Mitglied des damaligen Gerolsteiner-Teams war der zweimalige Giro-Etappensieger wegen Dopings 2005 für zwei Jahre gesperrt worden. Er hatte willentliches Doping stets bestritten.

«Ich hatte diesen schwachen Moment», erklärt Hondo im Gespräch mit ARD-Doping-Jäger Hajo Seppelt auf den ersten Kontakt mit Mark S. angesprochen. Warum er schwach geworden sei? «Die Frage werde ich mir wahrscheinlich mein Leben lang stellen», meint der einstige Sprint-Spezialist. Mark S. habe «einfach unwahrscheinliche Überzeugungsarbeit geleistet», lautet ein Erklärungsversuch. «Dann habe ich leider Gottes den Fehler meines Lebens gemacht und dieser Geschichte zugestimmt.»

«Ich will den Sportlern aufzeigen, in welche Situationen man geraten kann»

Noch am Sonntagabend erhielt Hondo die erste Konsequenz. Der Schweizer Radsport-Verband stelle ihn als Nationaltrainer frei. Hondo hatte den Verband am Morgen vor dem Interview informiert: «Alle sind natürlich geschockt», so Hondo.

Auslöser für sein Outing war, dass Mark S. ihn in Vernehmungen belastet haben soll. «Mir war es einfach wichtig, klarzustellen, dass es mein persönlicher Fehler war, meine persönliche Schwäche», sagt er.

Er ergänzt: Es sei für ihn persönlich unglaubwürdig gewesen, wenn er abgestritten hätte, dass er auch Kunde von Mark S. gewesen wäre. Er wollte den Sportlern aufzeigen, «in welche Situationen man wirklich geraten kann, wenn man in einem Moment in seinem Leben unaufmerksam ist oder in einem seines Lebens schwach wird».

30’000 Euro bezahlt

Den Doping-Vorgang erklärt Hondo so: Es habe insgesamt drei bis vier Blut-Entnahmen und Zurückgaben gegeben. Die Entnahmen seien in einem Apartment in der Nähe von Frankfurt erfolgt, die Rückführungen einmal «bei Mailand-Sanremo, zu den Klassikern in Belgien und dann auch noch mal zur Tour de France».

Gekostet habe ihn das 30’00 Euro – gefolgt von seinem Ruf und seiner Karriere. Er habe sich von Beginn an «extrem beschissen» gefühlt. «Schon in dem Moment, wo ich zugestimmt habe, war ich mir nicht sicher. Und auch bei der ersten Blutentnahme habe ich mich unwahrscheinlich schlecht gefühlt», sagt Hondo. Sportmediziner Mark S. habe aber eine «gewisse Art» gehabt, Menschen zu motivieren.

Hondo geht neben dem Job-Verlust als Schweizer Nationaltrainer von weiteren Konsequenzen aus. Die Geschichte sei sportrechtlich nicht verjährt. «Aber dem stelle ich mich», sagt er. «Mir ist klar, dass es natürlich keine berufliche Zukunft, weder bei Swiss Cycling noch in irgendeiner anderen Form, im Radsport für mich geben wird.»

Das strukturelle Problem im Spitzensport

Der Fall Hondo zeigt auch, dass der Spitzensport weit weg davon ist, sauber zu sein. Dass es immer wieder Langläufer und Radsportler trifft, ist kein Zufall. Eignen sich Ausdauersportarten doch perfekt, um sich mit unerlaubten Miteln zu verbessern.

Klar ist zudem: Auch die Schweiz ist involviert. «Wir sind keine Heiligen hier», sagt Radsport-Experte Henri Gammenthaler gegenüber «Bluewin». Im Rahmen der «Operation Aderlass« wurde bereits der Servicemann von Dario Cologna einvernommen. Der Sportler selbst steht nicht in Verdacht, gedopt zu haben. Dass nun aber ein Nationaltrainer eine dunkle Vergangenheit habe, offenbart das strukturelle Problem im Spitzensport, so Gammenthaler. «Das Katz- und Mausspiel in der Dopingbekämpfung ist  ein grosses Ärgernis. Wir kommen da einfach nicht voran.» Der Sport selbst habe zu viel Macht. Kontrollen würden intern gemacht, die Dopingbehörden haben zu wenig Handlungsspielraum. «So lange sich dies nicht ändert, wird auch künftig betrogen werden.»

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