Rassistische Facebook-Posts: Sprinter Mancini vor dem EM-Aus?

31.7.2018 - 14:22, lbe

Verpasst Mancini die EM aus disziplinarischen Gründen?
Bild: Keystone

Nächste Woche beginnt die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin. Gestern gab «Swiss Athletics» die Selektion eines 52-köpfigen Teams bekannt, in welchem ein Name besonders zu Diskussionen anregt: Pascal Mancini.

Die Diskussionen betreffen allerdings nicht etwa die Leistungen des 29-jährigen 100-Meter Sprinters und Staffelläufers. Der Romand erfüllt die Kriterien von «Swiss Athletics» und sichert sich so eigentlich die Teilnahme an der EM. Ob er wirklich nach Berlin fährt, ist aufgrund verschiedener umstrittener Auftritte und Äusserungen Mancinis in der Öffentlichkeit allerdings auch nach gestriger Bekanntgabe des Kaders unsicher.

Vor allem auf Social-Media-Kanälen wie Facebook findet man mehrere umstrittene Beiträge des 29-Jährigen. Ursprung für die aktuelle Debatte dürfte allerdings ein kommentarlos geteiltes «Affenvideo» einen Tag nach dem Fussball-WM-Final sein. Der Beitrag wirkt wie eine versteckte rassistische Anspielung auf das Weltmeisterteam aus Frankreich, in dem viele schwarze Fussballer spielen. Kommentare seiner Facebook-Freunde zum Video wie «die französische Mannschaft und ihre Freunde?» oder «Die Champs-Elysées gestern Abend» stehen bis heute unverändert auf Mancinis Profil. Weitere Videos von nationalistischen Nachrichtenportalen und Rednern folgen — einsehbar für alle. 

Mancini teilte dieses «Affenvideo» am 16. Juli.

Wiederholtes Vergehen?

Mancini war bereits vor 4 Jahren mit einer nationalistischen Geste aufgefallen. An der Schweizermeisterschaft 2014, als er sich überraschend vor Alex Wilson zum Sprinterkönig krönte, zeigte Mancini den «Quenelle-Gruss», der auch als umgekehrter Hitlergruss bezeichnet wird. An der EM im gleichen Jahr zog er durch eine Geste der Anhänger des französischen Aktivisten Dieudonné M`bala M`bala, der als rechtsradikal und antisemitisch gilt, erneut Aufmerksamkeit auf sich.

Schweizermeisterschaft 2014: Mancini mit dem umstrittenen «Quenelle-Gruss»
Bild: Keystone

Nach diesen Vorfällen musste Pascal Mancini eine Vereinbarung mit dem Schweizer Leichtathletikverband unterzeichnen, in der er sich bereit erklärte, die Leichtathletik nicht als Plattform zur Verbreitung der eigenen Geisteshaltung zu nützen. Gegenüber der NZZ äussert sich Peter Haas, Leistungssportchef von Swiss Athletics zu Mancinis EM-Nomination: «Uns war Mancinis Gesinnung bekannt, wir haben uns schon viel damit beschäftigt.» Weil er sich aber an die Vereinbarung gehalten habe, dürfe er mit nach Berlin. Hat er das wirklich?

Auch auf der öffentlichen Fanseite auf Facebook lassen sich Beiträge finden, die durchaus als Verstoss gegen die gemachte Vereinbarung gesehen werden können. Gemäss NZZ hat er im vergangenen Halbjahr zweimal den ehemaligen Offizier der Waffen-SS und prominenten Neonazi Léon Degrelle zitiert. Leistungssportchef Haas: «Das war uns nicht bewusst. Wenn das in dieser Form auf der Fanseite ist, dann ist ihm das klar untersagt. Laut unserer Vereinbarung könnte er dann die Lizenz verlieren.» Das wäre gleichbedeutend mit dem EM-Aus für den Sprinter.

Keine Nomination für die Staffel

Inzwischen ist eine erste Reaktion des Verbandes erkennbar. Doch nach Berlin wird Mancini trotzdem reisen. Allerdings wurde er für die 4-mal-100-Meter-Staffel, in welcher Mancini eigentlich fester Bestandteil ist, überraschend nicht berücksichtigt. 

Der Romand reagiert enttäuscht und ist sich sicher, dass die aktuelle Mediendebatte um ihn ausschlaggebend für diesen Entscheid ist. «Gratulation an den Journalisten, der einen guten Job gemacht hat» schreibt er in einem Beitrag auf Facebook. «Ich bin sehr traurig, dass ich nicht rennen kann. Wir hätten enormes Potential gehabt». 


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