Stefan Küngs Irrtum im Ziel: «Ich dachte, das Gelbe Trikot ist weg»

voe, sda

7.6.2021 - 20:14

Stefan Küng darf sich einen weiteren Tag in Gelb präsentieren
Stefan Küng darf sich einen weiteren Tag in Gelb präsentieren.
Bild: Keystone

Stefan Küng hält sich im schwierigen Finish der 2. Etappe der Tour de Suisse glänzend. Dennoch glaubt der Thurgauer im Ziel zunächst fälschlicherweise, dass er das Maillot jaune abgeben muss.

voe, sda

7.6.2021 - 20:14

Als er nach 178 km in der Schwyzer Gemeinde Lachen im Regen die Ziellinie überquerte, machte sich Stefan Küng keine Hoffnungen mehr, dass er Gelb noch einen weiteren Tag würde tragen dürfen.

«Ich sah auf der Anzeigetafel, dass mein Rückstand auf den Sieger mehr als zwanzig Sekunden betrug. Da dachte ich mir, dass das Trikot weg ist», erklärte der 27-jährige Thurgauer später im TV-Interview.

Also fuhr er schnurstracks zum ein paar hundert Meter entfernten Groupama-Teambus («Unserem zweiten Zuhause»), um die durchnässte Kluft aus- und trockene Kleider anzuziehen. Dies tat Küng dann auch, obwohl ihn die Betreuer sofort darauf aufmerksam gemacht hatten, dass er sehr wohl das Gelbe Trikot noch in seinem Besitz hatte.



Alaphilippe neu Gesamt-Zweiter

Dies verdankte er nicht zuletzt seiner Klasseleistung im 11 km langen Auftaktzeitfahren am Sonntag in Frauenfeld. Da hatte er in seiner Heimat die Konkurrenz – mit Ausnahme von Stefan Bissegger, der in der 2. Etappe weit zurückfiel – deutlich zurückgebunden. Die internationale Gegnerschaft, allen voran Julian Alaphilippe, ist ihm in Lachen allerdings sehr nahe gerückt.

Nur eine Sekunde liegt der Weltmeister aus Frankreich noch zurück. Hätte Alaphilippe, der im steilen letzten Anstieg 9 km vor dem Ziel energisch angegriffen hatte, einen der drei ersten Ränge belegt, wäre er dank den Bonussekunden nun bereits Leader – was er am Dienstag im Teilstück nach Pfaffnau immer noch werden kann.

«Eine Sekunde Vorsprung ist gewiss nicht viel», weiss auch Küng. Nichtsdestotrotz will er noch einmal alles geben, um auch im Luzernischen und tags darauf vielleicht sogar noch in Gstaad vorne zu bleiben.

«Die Beine sind noch gut, und die dritte und vierte Etappe sind doch nicht ganz so hart wie diejenige nach Lachen.» Egal, wie es ausgeht, der Ostschweizer ist mit dieser Tour de Suisse zufrieden. «Alles, was noch kommt, ist Bonus.»

Van der Poel, der Alleskönner

Zufrieden zeigte sich nach der 2. Etappe auch Mathieu van der Poel. Der 26-jährige Niederländer ist ein Alleskönner. Nach einer tollen Quer-Wintersaison mit unzähligen Siegen und dem dritten WM-Gold in Serie feierte er auch auf der Strasse gleich auf Anhieb wieder Erfolge, so unter anderem bei der Strade Bianche.

Nach dem 2. Platz bei der Flandern-Rundfahrt Anfang April wechselte van der Poel aufs Mountainbike. Nach den Weltcuprennen in Albstadt und Nove Mesto führt er die Gesamtwertung an. Nun steht er zum ersten Mal bei der Tour de Suisse im Einsatz, wo er den «Sieg, den ich wollte», mit grosser Klasse bewerkstelligt hat.

Ab dem 26. Juni steht für ihn mit der Tour de France eine weitere Premiere an. Nur um an den kurz darauf folgenden Sommerspielen in Tokio wieder aufs Mountainbike zu setzen. «Da will ich Olympia-Gold», so die klare Ansage von 'MVDP', wie er abgekürzt oft genannt wird.