Ambitionierte Schweizer vor Heimrennen Gammenthaler: «Diese Tour ist auf Hirschi zugeschnitten»

Von Luca Betschart

11.6.2022

Marc Hirschi gehört zu den Schweizer Trümpfen an der diesjährigen Tour de Suisse.
Marc Hirschi gehört zu den Schweizer Trümpfen an der diesjährigen Tour de Suisse.
Bild: Keystone

Die Schweiz hat für die Tour de Suisse gleich mehrere heisse Eisen am Start. Um den Gesamtsieg sieht Rad-Experte Henri Gammenthaler aber nur einen Einheimischen mitfahren. Abgesehen von einem Geheimfavoriten.

Von Luca Betschart

11.6.2022

Am Sonntag fällt der Startschuss zur 85. Tour de Suisse. Acht Etappen, 1'340 Kilometer und mehr als 20'000 Höhenmeter – die diesjährige Rundfahrt durch die Schweiz verspricht Spektakel. Zudem kehren die Zuschauer nach zwei Jahren in die Start- und Zielbereiche zurück. 2021 war eben dies den Fans untersagt, 2020 musste die Tour wegen der Corona-Pandemie abgeblasen werden.

Die Schweiz ist mit 21 Fahrern vertreten, wobei mehrere einheimische Aushängeschilder mit grossen Ambitionen in die Pedalen treten. «Marc Hirschi, Gino Mäder, Stefan Küng, Stefan Bissegger, Mauro Schmid und Silvan Dillier repräsentieren eine Generation der jungen, wilden Draufgänger», nennt Rad-Experte Gammenthaler gleich sechs Hoffnungen auf einen Etappensieg. Vor allem Marc Hirschi traut er viel zu: «Die ersten zwei Etappen sind wie für ihn gemacht. Es ist die Chance auf einen grossen Erfolg für ihn. Das würde ihm mental sicher guttun.»

Mischt Mäder um den Gesamtsieg mit?

Henri Gammenthaler
Bild: zVg

Henri Gammenthaler analysiert das Radsport-Geschehen für «blue Sport». Der Zürcher war einst selbst Fahrer, später TV- und Radio-Experte und Kommentator der Tour de Suisse.

Im Rennen um den Gesamtsieg sieht Gammenthaler dagegen nur einen Schweizer im engeren Favoritenkreis. «Gino Mäder. Er ist ein gnadenloser Kämpfer. Er kann sich auf dem Velo quälen. Und genau das will das Publikum», schwärmt der langjährige Kommentator der Tour de Suisse und fügt an: «Das Gegenstück dazu ist seine Sensibilität. Er scheint einen Sensor zu haben für die richtige Taktik in der richtigen Rennsituation. Das ist eine Eigenschaft, die du nicht trainieren kannst. Entweder man hat sie, oder man hat sie nicht.»

Mäder ist auch der Grund, wieso Gammenthaler trotz namhafter und starker Konkurrenz die Chancen auf den ersten Schweizer Gesamtsieg seit 13 Jahren und Fabian Cancellara intakt sieht. «Er hat die Stärken, die zu den Voraussetzungen eines Rundfahrt-Spezialisten gehören. Er ist ein guter Zeitfahrer, er ist ein talentierter Bergfahrer und er kann sich sehr schnell erholen und abschalten.»

Für Gammenthaler gibt es da aber noch einen Geheimfavoriten, der – wenn alles perfekt aufgeht – für eine Überraschung sorgen könnte. «Diese Tour ist zugeschnitten auf Marc Hirschi. Wenn er die erste Etappe am Sonntag gewinnen und ins Leadertrikot fahren würde, könnte ihm das Flügel verleihen. Und sollte er die Führung über mehrere Tage verteidigen können, ist alles möglich.»