Sport

Schweizer Golferinnen in der Weltelite

plh, sda

14.6.2022 - 16:59

Der Schweizer Profigolfsport der Frauen ist in einem nie gekannten Hoch. Die Protagonistinnen sind die Genferin Albane Valenzuela sowie die Lausanner Schwestern Morgane und Kim Métraux.

plh, sda

14.6.2022 - 16:59

Alle drei sind in einem günstigen Alter Mitte 20. Jüngst haben die Swiss Ladies an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden Schweizer Golfgeschichte geschrieben. Zuerst war Morgane Métraux an der Reihe. Am Italian Open in der Nähe von Asti siegte sie als erste Schweizerin seit 32 Jahren – seit der Zürcherin Evelyn Orley – auf der europäischen Frauentour LET. Sie setzte sich in einem Stechen gegen zwei Konkurrentinnen durch.

Die 25-jährige Lausannerin nahm die tolle Form nach Amerika mit, wo sie bei einem weiteren tollen Erfolg von Albane Valenzuela begleitet wurde. An dem mit 1,75 Millionen Dollar dotierten Turnier des amerikanischen Circuits, der LPGA Tour, in Galloway im Bundesstaat New Jersey wurde Valenzuela Vierte mit nur zwei Schlägen Rückstand, Métraux Zwölfte. Zwei Schweizerinnen in den Top 12 auf der am besten dotierten und mit Abstand bedeutendsten Tour – auch dies hat für das Schweizer Profigolf einen historischen Wert.

Auf der LPGA Tour versammeln sich die weltbesten Spielerinnen ohne Ausnahme. So teilte sich Albane Valenzuela den formidablen 4. Platz mit der australischen Ausnahmegolferin Lydia Ko, der ehemaligen Weltnummer 1.

Schweizerinnen auf der dominierenden Tour

Auf der LPGA Tour lässt sich gutes Geld verdienen. Für das US Open gilt sogar eine Form des «Equal Pay». Wie die amerikanischen Fussball-Nationalspielerinnen erhalten die Golferinnen etwa gleich viel Preisgeld wie die männlichen Kollegen an ihrem US Open. Auch alle Turniere ausserhalb der Turniere auf Grand-Slam-Stufe sind mit deutlich siebenstelligen Summen dotiert. Dass sich gleich zwei Schweizerinnen auf höchstem Niveau messen können, ist ausserordentlich erfreulich. Und der Endpunkt der Entwicklung muss noch längst nicht erreicht sein – gerade auch deshalb, weil die Schweizerinnen in einem für den Golfsport niedrigen Alter sind.

Auch in der Schweiz selber haben die Golferinnen das Interesse längst geweckt. Morgane und Kim Métraux werden beispielsweise von ASGI unterstützt, der Vereinigung klubfreier Golfer, die rund 20'000 Mitglieder zählt.

Warten auf die Männer

Aus Schweizer Sicht würde man sich erhoffen, dass die männlichen Kollegen den Swiss Ladies nacheifern und es ihnen irgendwann gleichtun. An Schweizer Spieler auf der hochdotierten US PGA Tour mag man noch gar nicht denken. Schön wäre es bereits, wenn sich ein Schweizer Profi auf dem weltweit zweitgrössten Circuit etablieren würde – auf der PGA European Tour, die sich nunmehr World Tour nennt. Seit Ende 2004 bis heute verfügte kein Schweizer Spieler über das ordentliche Spielrecht auf dem europäischen Circuit. Der Letzte war der vor sechs Jahren vom Spitzensport zurückgetretene Genfer Julien Clément.

Neuerdings tut sich etwas. Jeremy Freiburghaus, 26-jähriger Bündner aus Bonaduz, hat sich dank einer Reihe guter Resultate fürs Erste in der Spitzengruppe der Challenge Tour, des zweiten europäischen Circuit, festgesetzt. Am Ende der Saison werden die besten 20 Spieler der Gesamtwertung für 2023 das volle Spielrecht auf der World Tour erhalten. Der Aufstieg gelänge Freiburghaus exakt 20 Jahre nach jenem von Clément.

plh, sda