Faszination 5G: Wie das Supernetz unseren Alltag verändern wird

1.3.2018 - 11:44, dpa/dj/pal

Grenzenloses Internet - und das mit Geschwindigkeiten, die alles bisherige in den Schatten stellen. 5G, das Netz der nächsten Generation, hat die Möglichkeit, unseren Alltag grundlegend zu verändern.

Eine ganze Industrie setzt zum Spurt an: Mit 5G werden unsere sowieso schon schlauen Geräte nochmal besser untereinander vernetzt. Das lässt keine Branche kalt:

Netzbetreiber stellen sich auf neue Kunden ein, Medizin, Pharma, Bau- und Autofirmen übertreffen sich mit kühnen Zukunftskonzepten und nicht zuletzt freuen sich die Smartphone-Hersteller auf zukünftige Umsätze mit neuen, 5G-fähigen Modellen.

Unsere Social Media-Spezialisten sind durch die Hallen des MWC geflitzt, immer auf der Suche nach den spannendsten Einsatzgebieten der neuen Netz-Technologie. Eine erste Impression über die vielen Möglichkeiten von 5G sehen Sie jetzt im Video oben.

Wettlauf unter den Handyherstellern

Wer die ersten funktionstüchtigen Bausteine auf den Markt bringt, hat gute Chancen, Standards für die weltweite Nutzung zu definieren. Kein Wunder möchten sich alle Hersteller von Smartphones rechtzeitig in Stellung bringen. Wer rechtzeitig ein 5G-Gerät bereitstellen kann, hat damit ein bedeutendes Verkaufsargument mehr. Am MWC erfolgten denn auch mehrere dieser Ankündigungen. Sony beispielsweise hat mit dem neuen Xperia XZ2 schon ein Gerät mit hoher Datenkapazität (bis 1,2 GBit/s) im Angebot, auch fürs 5G-Netz werden schon bald Modelle erwartet.

Sony wird für seine 5G-fähigen Geräte gezielte Partnerschaften mit Mobilfunk-Betreibern rund um den Globus eingehen. Für die Schweiz ist Swisscom am Start.
Bluewin

Huawei hat in Barcelona ein Chipset zum Einbau in Elektronik-Geräte vorgestellt und will damit Intel und Qualcomm zuvorkommen. «Balong 5G01» sei der erste Chip, der den bisher vereinbarten internationalen Standard 3GPP für das neue Netz unterstütze, verkündete Richard Yu, Mobile-Chef des chinesischen Herstellers.

Und bereits in der zweiten Jahreshälfte will Huawei mit dem ersten Smartphone nachlegen, das das 5G-Netz nutzen kann. Allerdings kündigte auch Qualcomm ein Modul für 5G an, das Smartphone-Anbietern als einfache Lösung für ihre kommenden Geräte zur Verfügung stehen soll.

Technische Details: Bis zu 10 GBit/s

5G soll eine um den Faktor zehn schnellere Geschwindigkeit bieten und die Spektren im Funknetz deutlich effizienter nutzen. Bemerkbar macht sich das mit der angestrebten enormen Übertragungsbandbreite von theoretisch 10 Gigabit pro Sekunde (GBit/s). Das sind 10'000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Bei den derzeitigen LTE-Netzen sind im Regelbetrieb theoretische 300 Mbit/s das Höchste der Gefühle.

Nicht nur Smartphones - auch Instrumente, Roboter und ganze Häuser werden über 5G miteinander vernetzt werden.
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Man sollte aber keine übersteigerten Erwartungen an die 5G-Datenraten haben - vor allem in der Anfangsphase. «10 GBit/s werden kommen», sagt Prof. Slamowir Stanczak, Forscher am deutschen Fraunhofer-Institut, das auf der Messe seine Forschungs- und Entwicklungsarbeiten rund um 5G zeigt. «Allerdings nicht überall und nicht für jeden.» Die erreichbaren Raten in einer Funkzelle müssen auch weiterhin auf alle Nutzer, die sich darin befinden, aufgeteilt werden.

Schnelle Signale: Wichtig für Fahrzeuge und Maschinen

Für viele Anwendungszwecke ohnehin viel wichtiger: 5G soll die Laufzeit der Signale im Netz gegenüber LTE bis um den Faktor 40 verkürzen. Die Signalverzögerung (Latenz) beträgt dann idealerweise nur noch eine Millisekunde oder weniger. Das bedeutet drastisch verkürzte, vom Menschen nicht mehr wahrnehmbare Reaktionszeiten.

«Die Netzbetreiber machen momentan ihre Geschäfte hauptsächlich noch mit hohen Datenraten», erklärt Prof. Stanczak. «Aber die Industrie braucht kurze Latenzzeiten, hohe Zuverlässigkeit, hohe Sicherheit und hohe Verfügbarkeit.» 5G soll die Lösung sein und sowohl datenhungrige Verbraucher als auch Unternehmen glücklich machen, die vor allem an der Echtzeit-Kontrolle und -Steuerung ihrer vernetzten Maschinen und Fahrzeuge interessiert sind.

5G: Das neue, schnelle Mobilfunknetz

Essentiell fürs Internet der Dinge

«Massive Vorteile für das Internet der Dinge» sieht Phil Twist, Kommunikationschef von Nokias Mobile-Networks-Sparte zudem in den kommenden 5G-Netzen. «Sie bieten 1000 Mal mehr Kapazität, um Dinge zu vernetzen», zieht Twist den Vergleich zu LTE.

Das ist auch notwendig. Denn 5G wird vom Internet der Dinge künftig nicht nur durch zahllose vernetzte Wearables gefordert: Autos sollen in Echtzeit kommunizieren. Und auch virtuelle (VR) oder erweiterte Realität (AR) wird mobil - etwa für Servicetechniker, die Instruktionen oder Pläne in Datenbrillen eingeblendet bekommen.

Private Nutzer kommen als Letzte dran

Doch wann auch normale Smartphone-Nutzer in den Genuss des schnellen Netzes kommen werden, bleibt abzuwarten. John Delaney, Analyst beim IT-Marktforscher IDC, schätzt, dass das noch eine Weile dauern könne. Erst steht die kommerzielle Nutzung für Smart Citys oder die Anbindung etwa der Fertigungsindustrie an das Internet der Dinge an. Voraussichtlich würden private Nutzer ab 2022 oder später 5G-Smartphones in der Hand halten, meint Delaney.

Auch Johan Wibergh von der Branchen-Allianz NGMN will den Hype um das Netz der nächsten Generation etwas bremsen und wirbt für einen realistischeren Blick. Man stehe erst am Anfang der Reise und es liege noch eine Menge Arbeit vor dem Ziel, sagte Wibergh. Die NGMN werde mit ihrem Arbeitsprogramm die technischen Grundlagen schaffen und alle Beteiligten unterstützen, um ein gesundes Ökosystem aufzubauen.

Das Supernetz wird aber nicht von heute auf morgen da sein, sondern sich langsam entwickeln. Denn noch ist LTE nicht ausgereizt. «Mit 4G bekommt man Gigabit-Geschwindigkeit hin», sagt Twist. «Die Spezifikation wird immer weiter entwickelt.» Bei diesem Zwischenschritt auf dem Weg zu 5G ist oft von 4,5 G die Rede.

Rettet 5G die Welt?

Anders als etwa beim schnellen Mobilfunkstandard LTE handelt es sich bei 5G nicht um ein gänzlich neues, sondern um ein weiterentwickeltes Netz, das auch intelligent alle bisher verfügbaren Funkstandards integriert.

Je nach dem, um welche Daten es sich handelt - zeitkritische Informationen im Strassenverkehr oder um die Statusmeldung einer Industriekomponente - werden diese in bestimmten Abschnitten des Netzes durchgeleitet. Damit soll eine partielle Überlastung vermieden werden und wichtige Daten stets Vorrang haben.

Die Begeisterung mancher Branchenvertreter auf der weltgrössten Mobilfunk-Messe in Barcelona ist kaum zu bremsen. Nichts weniger als die Welt retten könnte das neue Mobilfunknetz. Ohne die neuen Möglichkeiten durch 5G seien die Ziele für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Welt gar nicht realisierbar, sagte etwa Mats Granryd, Direktor der MWC-Ausrichterin GSMA.

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