Coronakrise

Airbnb sammelt eine Mrd. Dollar und kämpft um seine Zukunft

dj

7.4.2020

Airbnb wird von der Corona-Krise schwer getroffen.
Airbnb wird von der Corona-Krise schwer getroffen.
Getty Images

Airbnb hat sich bei Investoren eine Milliarde Dollar frischen Kapital geholt. Wann sich die Ferienwohnungs-Buchungsplattform von der Corona-Krise erholen kann, ist unklar.

Grenzschliessungen und die weitgehende Einstellungen des Flugverkehrs haben den internationalen Tourismus quasi zum Erliegen gebracht. Wann es eine Rückkehr zur Normalität geben kann, ist noch völlig unklar. Als sicher dürfte allerdings gelten, dass die Tourismusbranche noch Jahre brauchen wird, um wieder ihr altes Level zu erreichen.

Schwer getroffen von der Krise ist da auch Airbnb, das dieses Jahr eigentlich an die Börse gehen wollte. Stattdessen hat es sich nun eine Milliarde Dollar an frischem Kapital von der Investmentfirma Silver Lake — eine Mischung aus Aktienverkauf und Darlehen — geholt und hofft, nach der Krise wieder durchstarten zu können, wie «CNBC» meldet.

Wenn der Tourismus irgendwann wieder langsam hochfährt, dürften wohl zuerst Reisen im eigenen Land anstehen. Ferienwohnungen in ländlichen Regionen mit Nähe zu Ballungszentren sollten dann erstens eine Erholung erleben, aber Airbnb ist vor allem in Städten stark vertreten. Seine Hauptzielgruppe sind junge, vernetzte Menschen, die sich mit Billigfliegern zu internationalen Metropolen wie Barcelona, Berlin, New York, London oder Prag aufmachen.

Gewerbliche Airbnb-Gastgeber vor dem Abgrund

Airbnb präsentiert sich immer noch als Plattform, auf der Gastgeber (die «Hosts» im Airbnb-Jargon) mal kurz ein freies Zimmer an Gäste («Guests») vermieten können, weil der Mitbewohner gerade durch Thailand reist. In Wirklichkeit werden zahlreiche auf Airbnb angebotene Wohnungen permanent dem regulären Wohnungsmarkt entzogen, was für Unmut unter den Eingeborenen in den betroffenen Metropolen führt. Deshalb lässt sich dort jetzt durchaus ein gewisses Level an Schadenfreude über Airbnbs aktuelle Schwierigkeiten erkennen.

Besonders hart trifft es die sogenannten «Superhosts», die Airbnb oftmals hauptberuflich und gewerblich betreiben. Sie haben teils dutzende Ferienwohnungen in ihrem Portfolio. Diese haben sie entweder — meistens auf Kredit — gekauft oder auf dem regulären Wohnungsmarkt angemietet. Ihre Einnahmen sind nun komplett weggebrochen, während die Ausgaben natürlich weiterlaufen.



Alles Risiko liegt bei den Hosts

Im Geschäftsmodell von Sharing-Economy-Plattformen wie Uber oder eben Airbnb tragen diese Leistungserbringer einen Grossteil des Risikos — weswegen Airbnb als Plattform möglicherweise besser durch die Krise kommen könnte als etwa Hotelketten, die für Fixkosten häufig komplett selbst verantwortlich sind. Aber wenn die Airbnb-Superhosts reihenweise in die Insolvenz gehen, dürfte es auch für die Plattform selbst schwierig werden — vor allem, weil sich dann in Zukunft kaum noch neue Superhosts finden lassen dürften.

Mit diesen Superhosts hatte es sich Airbnb zunächst verscherzt, weil es den Guests, die vor der Krise eine Unterkunft gebucht hatten, eine vollständige Rückzahlung auf Kosten der Hosts zugestand. Inzwischen will Airbnb den Hosts immerhin 25 Prozent ihrer entgangenen Einnahmen zahlen und hat ausserdem einen «Notfond» in Höhe von 10 Millionen Dollar aufgelegt.

Einige der Superhosts gehen nun dazu über, diese Wohnungen zumindest temporär wieder regulären Mietern anzubieten, was aber natürlich ihre bisherige Rendite-Kalkulation völlig über den Haufen wirft. Und wenn dann wieder Touristen kommen, werden sie wie bisher auch mit Hotels konkurrieren müssen — wo auf absehbare Zeit auch eine Überkapazität bestehen dürfte.

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