Bitcoin-Boom: Sorgen wegen Folgen für das Klima

Patrick Whittle, AP/dj/pal

14.2.2018

Das Wachstum von Bitcoin hat Fragen nach den Umweltauswirkungen der Kryptowährung aufgeworfen. Für den Betrieb des digitalen Geldes wird viel Energie benötigt, was angesichts des Klimawandels heikel ist.

Bitcoin und Kryptowährungen sind momentan die Boom-Industrie schlechthin, auch wenn der Wert der einzelnen Digitalwährungen noch von grosser Volatilität geprägt ist. Bitcoin selbst wurde 2009 als alternatives Zahlungsmittel geschaffen, das unabhängig von Zentralbanken ist, die den Wert einer Währung durch monetäre Politik manipulieren können.

Sorgen zur Nachhaltigkeit von Bitcoin

Die von Ökonomen und Umweltschützern vorgetragenen Sorgen im Hinblick auf die Umweltauswirkungen von Bitcoin resultieren aus dem Prozess des sogenannten Schürfens des Digitalgeldes («Mining»), das essenziell für die Existenz der Währung ist. Der Begriff ist eine Analogie zum Edelmetall-Bergbau. Die Schürfer nutzen Computer, die mit komplexen Berechnungen Bitcoin­-Transaktionen verifizieren. Dafür verbrauchen Computer rund um den Globus viel Energie, was Sorgen wegen der Emissionen durch fossile Brennstoffe hervorgerufen hat. Nach manchen Schätzungen hat der Energieverbrauch für Bitcoin grössere Auswirkungen als der eines kleinen Landes.

In Island findet die Bitcoin-Industrie derzeit Traum-Voraussetzungen bedingt durch die natürliche Kühlung ihrer Server-Farmen und der grossen Verfügbarkeit von günstigem Strom aus erneuerbaren Quellen. Hier im Bild ein Geothermie-Kraftwerk ausserhalb von Reykjavik.
AP via dpa

Warum sind die Kritiker wegen des Energieverbrauchs besorgt?

Beim «mining» entsperren Schürfer Bitcoins, indem ihre Computer Aufgaben lösen. Schätzungen zufolge entspringt momentan mehr als 60 Prozent der Rechenleistung für die Erschaffung von Bitcoins in China, wo Strom zu einem grossen Teil durch die Verbrennung von Kohle erzeugt wird, was sehr klimaschädlich ist. Das ist übrigens auch eines der noch ungelösten Probleme der Digitalwährung, Genaueres finden Sie im Artikel «Diese Probleme muss Bitcoin jetzt lösen».

Die chinesische Regierung kündigte deshalb im Januar an, das Bitcoin­-Schürfen in ihrem Land zu beenden, unter Anderem aufgrund von Sorgen wegen des Energieverbrauchs. Auch im Rest der Welt wird Strom hauptsächlich durch das Verbrennen von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen erzeugt, was Befürchtungen verstärkt hat, dass der Energieverbrauch für Bitcoin weiter steigt, wenn die Beliebtheit der Digitalwährung zunimmt.

In eine erfreuliche Richtung geht die Entwicklung in Island, wo sich jetzt Teile der Bitcoin-Industrie niederlassen. Das Klima agiert auf der Insel als natürliche Kühlung für die Server-Farmen der Bitcoin-Miner, der Strom kommt aus erneuerbaren Quellen. So ganz trauen die Isländer der Sache aber nicht, so dass sie sich jetzt spezielle Steuern für die Zuzüger überlegen.

Diese Probleme muss Bitcoin jetzt lösen:

Wie viel Energie verbraucht Bitcoin?

Die Schätzungen gehen auseinander, und die genaue Zahl kann vermutlich nicht genannt werden. Der niederländische Bitcoin­-Analyst Alex de Vries, der auf der Internetseite Digiconomist einen Index für den Bitcoin­Energieverbrauch veröffentlicht, hat Schätzungen kalkuliert, die er für besorgniserregend hält.

Wenn Bitcoin­-Schürfer die effizientesten Geräte verwenden, verbrauchen sie 13 Terawattstunden pro Jahr, wie de Vries in einem Interview ausführte. Das entspricht etwa dem gesamten Energieverbrauch von Slowenien. Nach weniger konservative Schätzungen sei es durchaus möglich, dass der Energieverbrauch von Bitcoin bereits dem von Irland entspreche und damit doppelt so hoch wie der Sloweniens sei.

Das Problem wird laut de Vries grösser. Er schätzt, dass der Energieverbrauch für Bitcoin in den letzten Wochen des vergangenen Jahres um ein Fünftel anstieg - dies, weil steigende Kurse das Mining noch attraktiver machten.

Bitcoin: Chance für den Durchbruch der sauberen Energie?

Oscar Lafarga, Mitgründer einer US­-Firma, die zu Kryptowährungen berät, argumentierte, das Wachstum von Bitcoin könne das Interesse an sauberer Energie verstärken. «Es könnte der Antrieb für Durchbrüche bei erneuerbarer Energie sein», sagte er.

Das Ausmass der Auswirkungen auf die Umwelt, und wie sehr das die Nutzer von Bitcoin beschäftigen sollte, hat eine Debatte ausgelöst. Laut de Vries wird für Bitcoin eine «Wahnsinnsmenge Energie» verbraucht, auch im Vergleich zu älteren Zahlungssystemen wie Kreditkarten, die es abzulösen gedenkt. Andere halten die Situation für weniger schlimm und gehen davon aus, dass sich der Energieverbrauch senkt, wenn die Computer effizienter werden, die Kryptowährungen «abgeschürft» sind und bloss noch hin- und hergehandelt werden, man nennt diesen Status dann «Proof of Stake».

Nach der Auffassung von Bitcoin-Investor Barc Bevand aus St. Louis überwiegen die Vorteile von Bitcoin, wie Effizienz von Zahlungen und Schutz vor Inflation, die ökologischen Nachteile. Er gestand aber ein: «Wir haben keine genauen Daten, um zu sagen, wie stark wir von Bitcoin profitieren.»

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