Bloomberg baut sich Social-Media-Armee auf

dj

20.2.2020 - 12:05

Michael Bloomberg kann für alles Geld ausgeben.
Getty Images

Mit seinen Milliarden baut sich US-Präsidentschaftskandidat Michael Bloomberg eine Social-Media-Armee auf und kauft bei Influencern Memes ein.

Der diesjährige Präsidentschaftswahlkampf in den USA dürfte der teuerste der Geschichte werden. Alleine Amtsinhaber Donald Trump hat bis Ende 2019 über 350 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingenommen, seine demokratischen Konkurrenten immerhin meistens im zweistelligen Millionenbereich — Bernie Sanders' Spendeneinnahmen sind sogar schon dreistellig.

Trotz dieses scheinbaren Reichtums müssen die Kandidaten aber entscheiden, wo sie ihre Ressourcen einsetzen wollen. Fernsehwerbung in dem 300-Millionen-Einwohnerland ist teuer, das Einstellen von Mitarbeitern ebenso. Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg — geschätztes Privatvermögen: 64 Milliarden Dollar — hat dieses Problem jedoch nicht.

Unbegrenzte Ressourcen

Bloomberg kann für alles, was ihm lieb ist, Geld ausgeben, ohne dass sein Vermögen davon merklich gemindert wird. Alleine für Werbung im Fernsehen und im Internet hat Bloomberg bisher 233 Millionen Dollar ausgegeben — mehr als das Doppelte all seiner demokratischen Konkurrenten gemeinsam aber weniger als ein halbes Prozent seines Gesamtvermögens.

Bloombergs de facto unbegrenzte Geldmittel treiben ihn auch zu Methoden, die kein normaler Präsidentschaftskandidat aufgrund ihres miserablen Preis-Leistungsverhältnisses in Betracht ziehen würde. Etwa, wie das «Wall Street Journal» berichtet, das Engagement von mehr als 500 bezahlten «Deputy Digital Organizers».



Wahlwerbung unter Freunden

Deren Aufgaben: Sie sollen allen ihren Kontakten, also vor allem den eigenen Freunden und Bekannten, einmal die Woche eine private Nachricht schreiben und dort die Vorzüge von Michael Bloomberg anpreisen. Ausserdem müssen sie täglich auf ihren persönlichen Social-Media-Profilen ihre Unterstützung für Bloomberg kundtun. Alles in allem soll es sich dabei um 20 bis 30 Stunden Arbeit in der Woche handeln, für das die «Deputy Digital Organizers» 2500 Dollar im Monat bekommen — wahrlich leicht verdientes Geld.

Praktisch für Bloomberg bei dieser Methode ist auch, dass solche Nachrichten vermutlich nicht unter die Transparenzpflichten nach den amerikanischen Wahlgesetzen fallen. Auch bei Facebook und anderen Social-Media-Diensten müssten auf diese Weise erstellte Posts wohl nicht als Wahlwerbung gekennzeichnet werden und sind so schwerer zu erkennen.

Memes gegen Bezahlung

Doch die Aufstellung einer eigenen Social-Media-Armee ist nicht Bloombergs einziger Vorstoss im Netz. Letzte Woche wurde bekannt, dass Bloomberg auch zahlreiche Instagram-Influencer dafür bezahlt hat, Pro-Bloomberg-Memes auf ihren reichweitenstarken Accounts zu posten. Die meisten anderen Kandidaten haben enthusiastische Unterstützer, die so etwas kostenlos machen, aber Bloomberg bezahlt einfach.

Wie viel Bloomberg hier ausgegeben hat, ist unklar. Auf jeden Fall weckte er damit Begehrlichkeiten bei anderen Influencern, die auch etwas vom grossen Bloomberg-Kuchen abbekommen möchten. Mit der Aussage «Brot ist Brot» zitiert die «New York Times» etwa einen jugendlichen Instagram-Influencer, der noch zu jung zum Wählen ist, aber gerne gegen das entsprechende Entgelt Werbung für Bloomberg machen möchte.

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