7 Mythen aufgeklärt Das Bitcoin-Märchen: Die grössten Mythen rund um Kryptowährungen

Dirk Jacquemien

14.6.2020

Durch unfassbare Wertsteigerungen sind Bitcoin und andere Kryptowährungen in aller Munde, trotzdem bleiben viele Fragen rund um das Phänomen. Doch gut informiert ist halb gewonnen: Wir räumen mit den grössten Mythen um die Digital-Währungen auf.

Plus 1000%, auf einen Wert von über 10'000 Dollar ist Bitcoin alleine im vergangenen Jahr gestiegen - wobei sich die Zahlen stündlich ändern und der Kurs bei Redaktionsschluss um 17'500 US-Dollar steht: Der Hype um Bitcoin und andere Kryptowährungen wie Ethereum scheint kein Ende zu nehmen.

Für Aussenstehende ist das alles schwer zu verstehen - kann das ganze überhaupt koscher sein? In einem vorherigen Artikel erklärten wir Zehn grundlegende Fakten über Bitcoin und ob man jetzt investieren sollte. Doch weil noch Fragen bleiben, klären wir jetzt über die sieben grössten Mythen zu Kryptowährungen auf:

Mythos 1: Kryptowährungen werden nur für kriminelle Aktivitäten genutzt

Diese Auffassung entstand dadurch, dass viele Ransomware-Erpresser ihre Lösegeld-Forderungen oft in Kryptowährungen eingefordert haben. Bei Bitcoin lassen sich aber sowohl Sender als auch Empfänger-Adresse einer Transaktion öffentlich einsehen.

Echte Anonymität bietet bisher beispielsweise die Kryptowährung «Monero». Die derzeitige Wertsteigerung der Digitalwährungen ist aber sicher nicht dadurch entstanden, dass jeder Verbrecher der Welt sein Geld in Bitcoin angelegt hat. Die kriminelle Nutzung von Bitcoin dürfte also nicht höher als bei anderen Währungen, wie zum Beispiel dem US-Dollar, sein.

Mythos 2: Über kurz oder lang werden Staaten Kryptowährungen verbieten

Bitcoin kann eigentlich niemand «verbieten». Die Währung wird über ein dezentrales, weltweites Netzwerk verwaltet und kann deshalb nicht einfach «abgestellt» werden.

Was ein Staat aber machen kann, ist, den Zugang zu Tauschbörsen (Exchanges) oder Online-Portemonnaies (Wallets) zu sperren.

Ganz schnell ist der Staat jeweils auch im Besteuern von neuen Entwicklungen. In der Schweiz ist das momentan aber kein Thema, da nicht-kommerzielle Kapitalgewinne nicht besteuert werden.

Mythos 3: Wenn Bitcoin gehackt wird, ist alles weg

Sicherlich haben Sie schon von grossen Bitcoin-Diebstählen gehört. Hier waren aber aber vor allem die «Exchanges» betroffen, die Bitcoin-Banken auf denen Nutzer ihr Geld hinterlegt haben. Hacker haben dabei Sicherheitslücken in diesen Exchanges genutzt, um Nutzer zu berauben. Das ist so, wie wenn Bankräuber ganz klassisch einen Tresor ausräumen. Die Schwachstelle liegt dann auch bei der Bank, nicht bei der Währung.

Häufig wird Bitcoin aber in einer sogenannten «Wallet», einem virtuellen Portemonnaie, auf dem eigenen Rechner oder einem USB-Stick gespeichert. Wird dieser mit Malware infiziert, besteht natürlich auch hier das Risiko, dass Ihre Bitcoin gestohlen werden. Das ist dann nicht anderes, als wenn jemand in Ihr Haus einbricht und das Sparschwein klaut. Dagegen kann man sich aber schützen. Wie genau - das erklären wir in einem nächsten Artikel.

Mythos 4: Das Aufbewahren von Kryptowährungen ist schwierig und riskant

Natürlich ist das Aufbewahren von Bitcoin etwas komplizierter, als sich einen Frankenschein in die Hosentasche zu stecken. Trotz der oben genannten Hacks dürfte es für Bitcoin-Einsteiger daher immer noch am einfachsten sein, ihre Wallet auf einer Exchange wie «Coinbase» oder «Bitstamp» abzulegen. Deren Sicherheitsstandards haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Wer nicht täglich mit seinen Bitcoin handeln will, der kann die Wallet aber auch offline auf einem externen USB-Stick speichern, den man in einem Tresor einschliesst. Den USB-Stick verschlüsselt man dann zusätzlich mit einem Passwort, das nur in Ihrem Kopf existiert. Dann dürfte der Diebstahl Ihrer Bitcoin praktisch unmöglich sein. Inzwischen gibt es sogar speziell für Bitcoin gemachte USB-Sticks.

Und das Beste: Wird Ihr USB-Stick mit den verschlüsselten Bitcoins gestohlen, ist im Gegensatz zu Bargeld nicht alles verloren. Mit Ihrem individuellen Software-Schlüssel können Sie Ihre Bitcoin wiederherstellen. Eine gute Übersicht über die verfügbaren Wallet-Typen bietet die folgende Website.

Mythos 5: Bitcoin ist zu volatil, um als Währung genutzt zu werden

Da ist in der Tat was dran. Kurschwankungen von 30% oder mehr an einen Tag, wie sie momentan bei vielen Kyptowährungen vorkommen, finden sich bei keiner halbwegs stabilen Fiat-Währung.

Die Volatilität von Bitcoin führt auch daher, dass die Währung wegen der noch relativ tiefen Marktkapitalisierung viel empfindlicher auf grosse Investitionen reagiert. Je mehr Geld in Bitcoin und Digital-Währungen fliesst, desto mehr wird auch deren Volatilität abnehmen.

Mythos 6: Kryptowährungen sind ein Schneeballsystem

Die rasante Wertsteigerung vor allem von Bitcoin hat zu Vorwürfen geführt, das ganze sei nichts weiter als ein raffiniertes Schnellballsystem. Doch diese Wertsteigerung folgt dem bekannten Angebot-Nachfrage-System des freien Marktes, immer mehr Menschen wollen eine begrenzte Anzahl von Bitcoin kaufen.

Es gibt allerdings einige neue Kryptowährungen, die einem Schnellballsystem ähnlichen. Bevor man also in eine noch unbekannte Kryptowähung investiert, sollte man sich entsprechend schlau machen.

Was aber natürlich möglich ist ist, dass Bitcoin eine klassische Blase ist, die bald platzen wird. Dass die Kryptowährung plötzlich genau so dramatisch fällt wie sie gestiegen ist, sollte man also als Möglichkeit im Hinterkopf behalten.

Mythos 7: Kryptowährungen haben keinen realen Gegenwert

Stimmt, damit stehen sie aber nicht alleine. Moderne Fiatwährungen wie der Franken oder der Dollar haben auch keinen intrinsischen Wert mehr. In den USA galt bis 1933 ein 100%-Gold-Standard, ein partieller dann noch bis 1971. Dass diese Währungen von Menschen zum Austausch von Waren und Dienstleistungen akzeptiert werden, hängt damit zusammen, dass Vertrauen in die dahinter stehenden Institutionen besteht - In diesem Fall die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Vereinigten Staaten von Amerika.

In einem gewissem Umfang trifft das selbst auf Gold zu, dessen Verwendung als ein Rohstoff eher nebensächlich ist. Gold hat vor allem einen Wert, weil Menschen glauben, dass es einen Wert besitzt. Daher gilt das gleiche für Bitcoin und andere Kryptowährungen: So lange es Menschen gibt, die Vertrauen in das dahinter stehende Konzept haben, werden Kryptowährungen einen Wert haben.

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