Cloud-Gaming: Jetzt verärgert Apple die grossen Tech-Giganten

Martin Abgottspon

13.9.2020 - 17:42

Google Stadia und Microsoft XCloud sollen nun doch auf iOS-Geräten laufen.
Google Stadia und Microsoft XCloud sollen nun doch auf iOS-Geräten laufen.
Google

Apple geht bezüglich Game-Streaming einen Schritt auf die Konkurrenz zu. Doch unter diesen Bedingungen wirkt dieser Schritt fast schon wie Hohn.

Der Rechtsstreit wegen «Fortnite» dürfte Apple aktuell wohl weniger beschäftigen als Epic Games. Beim Iphone-Hersteller denkt man grösser, womit wir auch schon beim Thema wären. 

Es geht um Cloud Gaming. Viele Experten sind schon seit Längerem der Überzeugung, dass dieser Technologie die Zukunft gehört. Spiele werden nicht mehr gekauft, sondern gemietet. So wie man sich das im Film- und Serienbereich von Netflix & Co. schon gewohnt ist.



Dabei machen es sich die grossen Tech-Giganten nicht einfach. Apple schoss gleich alle Cloud-Gaming-Projekte von Dritten auf ihrer eigenen Plattform ab. Sowohl Microsoft, Google, Facebook und auch Nvidia fanden mit ihren Lösungen keinen Platz in Apples App Store. Man dulde keine Apps, die einen Zugang in einen neuen App Store bilden, wo man die Gefahr einzelner Apps nicht beurteilen könne, so Apple.

Die Streaming-Anbieter ihrerseits weisen stets darauf hin, dass die teilnehmenden Spiele allesamt bereits von anderen Instanzen als Apples Review-Team geprüft und für unbedenklich befunden worden sind. Das von Apple skizzierte Bedrohungsszenario sei substanzlos.

Die administrative Hölle auf Erden

Nun macht Apple tatsächlich den Anschein, als würde sie den Mitkonkurrenten entgegenkommen. Seit Ende letzter Woche werden einzelne Dienste wie beispielsweise auch jener von Google und Microsoft geduldet. Nur sind die damit verbundenen Auflagen so mühsam, dass wohl weder Google noch Microsoft oder sonst wer ernsthaftes Interesse an einer solchen Lösung hat.



Apple verlangt nämlich, dass jedes Game der Plattform einzeln zur Review eingegeben wird. Damit aber nicht genug. Erhält ein Spiel ein Update, ist erneut eine Eingabe zur Review fällig. Zudem müssen die Spiele mit einer Sonderfunktion wie einer Kindersicherung erweiterbar sein und wenn es um die Bezahlung der Abokosten geht, ist nur das Apple-Verfahren zulässig. Ein bürokratischer Albtraum, der nie ein Ende finden wird also.

Nur eine indirekte Absage?

Was Apple mit der Regeländerung geschickt erledigt hat, ist der Vorwurf, zugunsten von Apple Arcade andere Gaming-Dienste zu blockieren. Tatsächlich können nun auch andere Gaming-Dienste unter iOS aktiv werden, aber eben nur, wenn sie sich vergleichbar zu Apple Arcade aufstellen.

Am Samstag hat sich Microsoft gegenüber The Verge zu den neuen Regelungen geäussert. Zwar habe sich Apple ein Stück weit geöffnet, dennoch bleibe die Lösung eine schlechte für die Kunden, so ein Sprecher des Unternehmens. Spieler würden erwarten, dass sie direkt in ein Game springen könnten, so wie sie es auch mit Filmen oder Musikstücken könnten. Stattdessen würden sie gezwungen, mehr als 100 Apps aus der Cloud zu laden, um sie dann einzeln aufrufen und spielen zu können. Das entspräche nicht Microsofts Vorstellung von einer grossartigen Nutzererfahrung.

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