«Twin Mirror»: Ein Spiel, besser als jeder Psychothriller?

Pascal Wengi

13.7.2020 - 09:58

«Twin Mirror» wird nicht mehr wie «Life is strange» in Episoden erzählt, sondern erscheint als ganzes Spiel.
Bild: Bandai Namco

Kürzlich hat Dontnod Entertainment sein neustes Adventure «Twin Mirror» vorgestellt. Wegen Corona nicht als Präsentation vor Ort, sondern als einmalig abspielbares Video mit Erzähler. Unser erster Eindruck.

Die Präsentation beginnt mit einer Autofahrt durch Westvirginia. Am Steuer sitzt Sam, ehemaliger Ermittler und Protagonist von «Twin Mirror». Sein Weg führt ihn in seine Heimatstadt, mit welcher er viele Erinnerungen verbindet. Nun aber zieren vergilbte «Zu verkaufen»-Schilder vor heruntergekommenen Häusern den Wegrand. Sam hält an einem Aussichtspunkt und schlendert in Richtung Kante einer Klippe. In der Ferne taucht Basswood auf. Heimat!

Schon in den ersten Momenten wird klar, dass das «Twin Mirror» viel auf visuelle Erzählung setzt. Begleitet wird die Szene von Sams innerer Stimme, welche das Geschehene analytisch kommentiert. Laut der Präsentation soll diese Stimme ein konstanter Begleiter sein und den Spieler auch auf das eine oder andere hinweisen können und beim Vorankommen der Story helfen.

Im Erinnerungsdschungel des Gedankenpalasts

Beim Blick durch das Fernglas merkt Sam an, dass er nicht nur gute Erinnerungen mit diesem Ort verbindet und eines der wichtigsten Features des Spiels kommt erstmals zum Einsatz: der Gedankenpalast. Fans der Benedict-Cumberbatch-Version von Sherlock Holmes werden die Idee dahinter kennen. Der Gedankenpalast ist eine Art Fantasie-Behausung für Erinnerungen. Spezifische Informationen können so abgelegt werden, dass man später in seinen Gedanken durch dieses Gebäude wandeln kann und so jede mögliche Information, sei sie auch noch so klein, wiederfinden kann.

Diese Idee eines Gedankenpalastes reicht bis ins antike Griechenland zurück und soll von einigen der hellsten Köpfe der Geschichte genutzt worden sein. Im Spiel wird der Gedankenpalast als dynamischer Raum aus Erinnerungsscherben dargestellt, der sich zu immer grösseren Informationskristallen zusammenbaut. Als Spieler kann man sich durch diesen Palast bewegen und so auf Informationen und Erinnerungen zugreifen.



Eine dieser Erinnerungen, welche Sam besucht und so hervorholt, ist die eines Hochzeitsantrags an seine damalige Freundin Anna, welche den Antrag aber abgelehnt hat. Dies war auch der Grund für ihn, die Stadt zu verlassen. Die Präsentation macht uns dann auch klar, dass es sich beim Gedankenpalast nicht bloss um ein Feature für Rückblenden handelt, sondern es soll Sam und dem Spieler als Werkzeug über den ganzen Verlauf des Spiels dienen. Wie offen der Gedankenpalast gestaltet ist und wie genau die Interaktion darin aussehen kann, wird leider noch nicht gezeigt.

So visualisiert «Twin Mirror» das Konzept eines Gedankenpalasts.
Bild: Bandai Namco

Zweites Ich

Dafür gehen die Entwickler näher auf eine andere Besonderheit ein. Die Stimme in Sams Kopf ist nicht nur seine eigene, sondern auch die des «Doubles». So nennt Sam sein Alter Ego, welches er erschaffen hat, um auch bei den wirrsten Verstrickungen und Interaktion stets einen klaren Kopf zu bewahren. Dieses Alter Ego meldet sich immer wieder zu Wort oder erscheint auch visuell und unterhält sich mit Sam. Er nimmt dabei oft einen anderen Standpunkt als Sam ein, wodurch der Spieler oft zwei verschiedene Sichtweisen aufgezeigt bekommt. Dies ist auch wichtig, denn Sam muss im Verlauf des Spiels einige Entscheidungen treffen und jede soll Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf haben.

In der Präsentation bekommen wir einen detaillierten Eindruck dieses Features, als Sam sein Patenkind trifft, die Tochter seines kürzlich verstorbenen besten Freundes. Sie erzählt Sam, dass sie Zweifel daran hat, dass ihr Vater einen Unfall hatte und dass mehr dahinter stecken könnte. So bittet sie ihn, sich den Fall doch genauer anzuschauen. Das Double gibt Sam zu bedenken, dass sie noch ein Kind ist und trauert und es falsch von ihm wäre, ihr jetzt eine Zusage zu machen. Sam hingegen möchte den Fall untersuchen und so liegt es dann am Spieler, sich zu entscheiden, ob man der Kleinen das Versprechen abgibt oder sie vertröstet.

Steter Begleiter: Sams Alter Ego «The Double» ist eine zweite Stimme in Sams Kopf.
Bild: Bandai Namco

Release noch in diesem Jahr

Mit all den Entscheidungen und dem storylastigem Erzählstil erinnert «Twin Mirror» stark an beliebte Adventures wie «Heavy Rain», «Life is strange» oder «Beyond Two Souls». Ein Adventure, welches sich Hollywood-Thriller zum Vorbild nimmt und dies nicht nur der mysteriösen und düsteren Story wegen. Das Spiel erinnert auch in Sachen Präsentation, Kamerapositionierung und Schnitt oft an grossartige Hollywoodstreifen. Grafisch kann sich «Twin Mirror» durchaus sehen lassen und bietet interessante und stimmige Szenen. Man darf gespannt sein, wie das fertige Spiel aussehen wird, wenn es noch in diesem Jahr für Xbox One, Playstation 4 und den PC erscheinen wird.


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