Warum Gamer mental gesünder durch die Pandemie kommen

Laura Reuland / Swisscom Magazin

7.6.2021

Viele Gamer haben während Corona-Zeiten ihre sozialen Kontakte nicht so stark einschränken müssen.
Viele Gamer haben während Corona-Zeiten ihre sozialen Kontakte nicht so stark einschränken müssen.
Getty Images

Nach mehr als einem Jahr leiden viele Menschen auch psychisch an den Langzeitfolgen von Covid. Gamer haben es da etwas besser, aber auch für sie gab es drastische Einschnitte.

Laura Reuland / Swisscom Magazin

7.6.2021

Als die Schweiz im März 2020 in den Covid-Lockdown ging, wurde unser Alltag auf den Kopf gestellt. Nicht nur beruflich, besonders auch unsere Freizeitaktivitäten entfielen. Mühsam versuchten wir mit Videocalls unsere sozialen Kontakte nicht komplett zu verlieren.



Wie wäre es wohl gewesen, wenn das gesamte soziale Umfeld schon digital unterwegs gewesen wäre? Gamer sind da zu beneiden. Sie verbringen den grössten Teil ihrer Freizeit ohnehin schon zu Hause vor dem PC und treffen ihre Kollegen jeden Abend virtuell. Auf Discord gibt es keine Abstandsregeln, keine Maskenpflicht, keine Personenbeschränkung. Zu Hause braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, ob Maus oder Tastatur regelmässig desinfiziert werden.

Pandemie ermöglichte sogar mehr Flexibilität

«Ich habe viele Freunde, die ‹League of Legends› spielen und so bin ich nicht unbedingt abhängig davon rauszugehen, um mich zu sozialisieren», so Oscar «Sleety» Thomsen, «League of Legends»-Spieler bei Lausanne Esports. Auch Nina «Silverborn» Zweifel, Head of Player Development bei mYinsanity zeichnet ein ähnliches Bild: «Gamer waren schon vor der Pandemie gewohnt, soziale Kontakt online aufrechtzuerhalten. Andere mussten plötzlich lernen die digitalen Möglichkeiten zu nutzen.»

Die Trainingstrukturen im Esport-Verein haben sich mit der Pandemie nicht gross geändert. Sowohl Oscar als auch Nina beschreiben, dass einige Spieler sogar flexibler wurden, da Arbeitswege oder soziale Verpflichtungen wegfielen.

Nina Zweifel ist seit 2018 offiziell als Spielerbetreuerin bei mYinsanity involviert. Sie studiert Psychologie im Master und arbeitet bei Adamas Esports.
Nina Zweifel ist seit 2018 offiziell als Spielerbetreuerin bei mYinsanity involviert. Sie studiert Psychologie im Master und arbeitet bei Adamas Esports.
Myinsanity

Gamer sind auch nur Menschen

Loris «Dokhan» Jungen, Hearthstone-Spieler bei Lausanne Esport gibt zu bedenken: «In der Schweiz gibt es fast keine Spieler, die vom Gamen leben können. Für die meisten von uns ist es ein Hobby – und macht nur etwa zehn Prozent unserer Zeit aus. Die anderen 90 Prozent haben uns getroffen, wie jeden anderen auch.» Auch bei mYinsanity gab es «viele junge Spieler, die dieses Jahr in die Arbeitswelt starten wollten», erzählt Nina Zweifel. «Die Übergänge wurden durch die Pandemie sehr erschwert. Man konnte keine Abschlussfeiern oder Maturreisen machen. Alles was man sonst so zelebriert, ist komplett weggefallen. Und das betrifft alle in diesem Alter – auch unsere Gamer.»

Motivation leidet unter fehlenden Events

«Offline-Events, LANS, Offline-Finale von Turnieren – das ist ein Herzstück beim E-Sport. Ich habe so viele Leute dieses Jahr nicht gesehen, die ich sonst nur an den Events treffe. Es ist immer eine Riesenfete, wenn der E-Sport in der Schweiz zusammenkommt. Und das ist auch ein Problem für unsere Athleten.», so Nina. «Die Motivation leidet, wenn das Ziel des Finals auf der grossen Bühne nicht mehr möglich ist.»



«Selbst wenn man die SwitzerLAN gewinnt, ist es nicht das Gleiche. Früher wären 120 Spieler angetreten und jetzt vielleicht nur noch 20. Der Titel, den man bekommt, ist vielleicht der gleiche, aber doch ist es weniger wert.», erzählt Loris Jungen. Auch er vermisst den Austausch mit anderen Clubs. «Die ‹Hearthstone›-Community in der Schweiz ist wirklich stark. Obwohl es ein Einzelspiel ist, freuen wir uns immer alle an den Offline-Events zu treffen. Auch wenn Covid an der Frequenz, in der ich mit meinem Teamkollegen in Kontakt bin, nichts geändert hat, hat es den Austausch mit den anderen Vereinen stark gestört.»

«Gemeinsam ein Videospiel zu spielen ersetzt niemals, Menschen live zu treffen.»

So mussten also auch die technikaffinen Gamer kreativ werden, um den Kontakt nicht zu verlieren. «Wir haben in der Zeit noch mehr Bonding-Aktivitäten online gemacht als vorher. Also zusammen mal ein neues Spiel ausprobiert oder anderen Teams zugeschaut», erzählt Nina Zweifel.

Lausanne Esports hat einen Gaming-Raum, der vor kurzem eröffnet wurde. Loris und Oscar nutzen diese Gelegenheit ein paar ihrer Teammitglieder, unter Einhaltung der Regeln, persönlich zu treffen und gemeinsam an Turnieren teilzunehmen. Und auch Offline-Events kehren mit abnehmenden Fallzahlen zurück: So wurden die Finals der Swisscom Hero League oder das Red Bull uneverse im Mai bereits vor Ort ausgetragen. Für die im Herbst stattfindenden grossen Messen sind die Prognosen auch gut. Denn wie Oscar resümierte: «Gemeinsam ein Videospiel zu spielen ersetzt niemals, Menschen live zu treffen.»

Weitere Geschichten rund um E-Sport & Gaming und generell aus dem Bereich Digitalisierung im Alltag findet man regelmässig auch im Swisscom Magazin.