«Overwatch»-Spieler tappt als Frau in eigene Sexismus-Falle

8.1.2019 - 11:00, Martin Abgottspon

Die gesamte Overwatch-Szene hat in den letzten Wochen viele Fragen zu Ellie gestellt.
Bild: Blizzard Entertainment

Wegen Sexismus-Vorwürfen soll sich ein weiblicher Overwatch-Profi aus der Szene zurückgezogen haben. Jetzt stellte sich raus, dass Ellie gar nie existierte. Ein Experiment, das nur Verlierer hervorbrachte.

Um diese absurde Geschichte zu verstehen, muss man erst ein wenig zurückblicken. Am 22. Dezember verkündete das «Overwatch»-Team Second Wind, mit Ellie eine Profispielerin für die nächste Saison gefunden zu haben. Stolz verkündete man den Transfer auf Twitter. Zu diesem Zeitpunkt war Ellie noch ein schwarzer Fleck in der eSports-Landschaft. Niemand kannte ihren Namen, und auch ihr Twitter-Account ging erst Tage nach der Ankündigung online. Ausserdem hatte die Profi-Zockerin ein extrem niedriges Account-Level für ihr Ranking.

Einige Fans freuten sich dennoch über den mysteriösen Neuzugang. Die Mehrheit aber stellte Fragen und kritisierte das Rekrutierungsvorgehen von Second Wind. Viele verstanden nicht, wie man einer völlig Unbekannten in der Szene einfach einen Profi-Vertrag vorlegen kann. Dabei ging es weniger um die Geschlechterfrage, sondern vielmehr um das grosse Unwissen über Ellie.

Wie alles ausser Kontrolle geriet

Im Zuge dieser Turbulenzen entschied sich Ellie kurzerhand dazu, doch nicht in der zweithöchsten Overwatch-Liga an den Start zu gehen. Die feindselige Umgebung sei ihr nicht recht, verkündete sie. Das «Gamergate» war geöffnet. Unisono berichteten verschiedene Gaming-Webseiten wie Kotaku oder Polygon, dass die eSports-Szene nach wie vor mit grossen Sexismus-Problemen zu kämpfen hat.

Nun hat sich aber rausgestellt, dass Ellie tatsächlich gar nie existiert hat. Zumindest nicht in der Form, wie man es sich vorgestellt hat. Dies verriet die Streamerin «Aspen» in einer ihrer Sendungen: «Ellie ist nicht Ellie. Die ganze Situation sollte so etwas wie ein soziales Experiment sein. Ellie ist eigentlich Punisher, das hat er mir gestern erzählt. Er hat nicht erwartet, dass das so ausser Kontrolle gerät.»

Schadet der Vorfall weiblichen eSportlern?

Doch genau das war längst passiert und bringt nun nur Verlierer hervor. Zum einen das Team Second Wind, das sich inzwischen bei seinen Fans entschuldigt hat und zugibt, mit dem Thema nicht sorgfältig genug umgegangen zu sein. Auf der anderen Seite hat sich wohl auch der Schöpfer des Experiments keinen Gefallen mit seinem Zweitaccount getan, da er sich damit gleich bei sämtlichen potenziellen Profiteams selber ins Abseits manöverierte.

Die grössten Verlierer sind im Endeffekt aber wohl alle weiblichen Profisportler, welche es durch diese Aktion nun nur noch schwerer haben werden. Dieser Ansicht ist auch Liz Richardson von der eSports-Seite «Overwatchscore». «Abgesehen von den Beteiligten wird dieser 'Stunt' dauerhafte Auswirkungen auf jede Frau haben, die versucht, in die Contenders einzusteigen. Jedes Mal werden nun solche 'Lol, ist sie überhaupt real?'-Belästigungen auftauchen.» So bleibt am Ende nur zu hoffen, dass das missglückte Experiment die ganze eSports-Szene doch eher wachrüttelt, als noch weiter anstachelt.

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