Ist der Einsatz für Datenschutz von Apple-Chef Cook nur Heuchelei?

dj

25.10.2018 - 11:43

Tim Cook bei einer vom chinesischen Staatsrat organisierten Konferenz in Peking. Folgt der Apple-Chef in China seinen selbst formulierten Prinzipien?
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Der Krieg der Worte zwischen den Silicon Valley-Giganten spitzt sich wieder zu. Ein Rede von Tim Cook zum Thema Datenschutz löst nun wütende Reaktionen eines ehemaliger Top-Managers von Facebook aus.

Der ehemalige Sicherheits-Chef von Facebook, Alex Stamos, wirft dem Apple-CEO Tim Cook in einer Reihe von Tweets Heuchelei vor und kritisiert zudem, dass die Medien Cooks Breitseiten gegen Facebook und Google nicht richtig kontektualisieren würden.

Konkret antwortet Stamos auf eine Rede Cooks in Brüssel am Mittwoch, wie CNBC schreibt. Der Apple-Chef hatte dort in einer unausgesprochenen aber offensichtlichen Referenz zu Facebook und Google von einem «Daten-Industrie-Komplex» gesprochen, der es Unternehmen erlaube ihre Nutzer besser zu kennen als diese sich selbst. Gleichzeitig lobte Cook die im Silicon Valley sonst wenig geschätzte EU-Datenschutz-Grundverordnung und bezeichnete Privatsphäre als ein fundamentales Menschenrecht, das in jedem Land gelten sollte. Die Leitlinien seiner Rede veröffentlichte Cook auch auf Twitter.

Stamos: Apple kollaboriert mit der Kommunistischen Partei

An diesen Punkt knüpft Stamos an und kritisiert, dass sowohl Cook als auch die Berichterstattung über dessen Rede unerwähnt lassen, dass Apple selbst in China — zumindest in Stamos’ Auffassung — diese Prinzipien verletzte. Apple sei nämlich bereit, von der chinesischen Regierung geforderten Anpassungen an seine Produkte vorzunehmen, damit sie dort relativ uneingeschränkt benutzt werden können.

Durch das geschlossene Ökosystem des iPhones würde es chinesischen Apple-Nutzern etwa verunmöglicht, verschlüsselte Nachrichten- oder VPN-Apps zu installieren, mit der sie der Zensur und Überwachung ihrer Regierung entgehen könnten. Zudem kooperiere Apple für iCloud mit einem chinesischen Unternehmen, mit unklaren Auswirkungen für die Privatsphäre der Nutzer.

Stamos wirft Apple gar vor, die «internen Sicherheitsbegierden der Kommunistischen Partei Chinas» zu bedienen und damit gefährliche Präzedenzfälle für die Kooperation amerikanischer Unternehmen mit China zu schaffen. Die Medien wiederum dürften Chinesen nicht länger so behandeln, also hätten sie weniger Anrecht auf Privatsphäre und den Schutz ihrer Daten als westliche Bürger.

Alex Stamos sagt, dass er mit grossen Teilen von Cooks Rede übereinstimme, kritisiert aber dessen vermeintliche Doppelmoral.
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Stamos war von 2015 bis Frühling dieses Jahres bei Facebook. Er verliess das Unternehmen im Streit mit dem Führungduo Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg, berichtete die «New York Times» im März. Stamos wollte offenbar transparenter mit der russischen Kampagne auf Facebook zur Beinflussung der US-Präsidentschaftwahl 2016 umgehen als dies Zuckerberg und Sandberg lieb war.

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