Ordnung im Orbit

Japan will die Kehricht-Abfuhr des Alls werden

Dirk Jacquemien

24.11.2022

ELSA-d von Astroscale kann andere Satelliten magnetisch einfangen.
ELSA-d von Astroscale kann andere Satelliten magnetisch einfangen.
Astroscale

Im Erdorbit gibt es mehr Müll als auf der Langstrasse am Sonntagmorgen. Japan will dort nun für Ordnung sorgen.

Dirk Jacquemien

24.11.2022

Japaner*innen gelten ja klischeehaft als besonders ordentlich. Das zeigt sich jüngst auch an der Fussball-WM, als die japanischen Fans in den Stadien selbst noch den Abfall von Anhänger*innen anderer Nationen aufräumten. Und da passt es irgendwie, dass Japan sich nun auch daran macht, die Kehrichtabfuhr des Alls zu werden.

Denn gerade auch im Erdorbit türmt sich langsam der Schrott, ein Problem, das sich in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. Denn besonders populär sind gerade Satelliten-Konstellationen wie etwa Starlink von SpaceX. Solche Konstellationen bestehen teils aus Tausenden bis Zehntausenden einzelnen Satelliten, von denen längst nicht alle am Ende ihres Lebens kontrolliert in der Atmosphäre verglühen.

2030 soll die Kehrichtabfuhr aktiv sein

Und dieser ganze Weltraummüll, der unkontrolliert herumirrt, ist eine Gefahr für die funktionierenden Satelliten, von der Internationalen Raumstation ISS ganz zu schweigen. Japan hat sich daher mit dem heimischen Unternehmen Astroscale zusammengetan, um eine Technik zu entwickeln, um Schrott im Weltall aufzusammeln, wie die «Washington Post» berichtet

2021 erfolgte der erste Testflug, 2030 soll die Kehrichtabfuhr in den Regelbetrieb gehen. Parallel arbeitet Astroscale auch an einer Methode, um Satelliten im Orbit mit neuem Treibstoff zu versorgen sowie autonom zu reparieren. So könnten bei einer Mission sowohl Satelliten entsorgt als auch ertüchtigt werden.

Ordentliche Prozesse gewünscht

Neben der Technik ist es Japan auch wichtig, ordentliche, international abgestimmte Prozesse zu entwickeln. Denn mit Koordination der diversen raumfahrenden Nationen läuft es oft eher schlecht als recht. Dabei darf es gerade bei einer Weltraum-Kehrichtabfuhr keinen Raum für Missverständnisse geben.

Denn Technik, mit der alte Satelliten entsorgt werden kann, könnte genauso gut genutzt werden, um die Raumfahrzeuge geopolitischer Rivalen ausser Gefecht zu setzen. So arbeitet auch China an Technologien zur Entfernung von Weltraumschrott. In einer Demonstration hat es bereits im Januar einen ausrangierten Satelliten in einen anderen Orbit abgeschleppt.

Und auch ein Schweizer Unternehmen ist in diesem Feld aktiv. Clearspace aus Lausanne hat Verträge mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA sowie der britischen Raumfahrtbehörde abgeschlossen. Die Mission Clearspace-1 soll dann 2026 erstmals die Rückstände einer Rakete aus dem Orbit entfernen.