Kinderfotos auf Instagram – Würden Sie sich selbst auch so zeigen?

uri

27.3.2019

Wilson Gonzalez Ochsenknecht mit versautem Lätzchen.
Bild: Delia Baum

Heulend, vollgesudelt, auf dem Töpfchen oder an der Brust: Stolze Eltern teilen im Internet so gut wie jeden Moment des Nachwuchses. In einer Netzaktion wird das fahrlässige Verhalten nun bildstark kritisiert.

Ob man Fotos von Kindern – die sich meist nicht einmal dazu artikulieren können – einfach so im Internet teilen darf, darüber wird oft und leidenschaftlich gestritten. Mit eindrücklichen Bildern greift die Journalistin und Bloggerin Toyah Diebel nun in die Diskussion ein.

Diebel und der Schauspieler Wilson Gonzalez Ochsenknecht haben sich für das Projekt #DeinKindAuchNicht in wenig schmeichelhaften Situationen fotografieren lassen, in denen man sonst nur Kinder zu sehen bekommt: In Tränen aufgelöst, komplett mit Brei besudelt, halb schlafend an der Brust der Mutter hängend, auf dem stillen Örtchen sitzend, oder besonders bei Influencern beliebt – besonders geschickt zwischen beworbenen Produkten platziert.



Die Fotos sollen Eltern zum kritischen Nachdenken über ihr Postingverhalten anregen, denn Diebel ärgert es, dass keine Rücksicht auf die Privatsphäre von Kindern genommen wird, obwohl auch den Kleinsten nach der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ein solches Recht zusteht.

Abgründe des Internets

Auf der Seite zum Projekt meint Diebel, fast jeder kenne das Gefühl, ein Bild von sich selbst online zu sehen, dass man dort nicht haben wolle. Dabei sei es egal, ob das Bild absichtlich oder unbeabsichtigt dort gelandet sei. Es wieder wegzubekommen, sei alles andere als leicht.

Und je mehr man sich mit dem Thema beschäftige, so die Bloggerin, desto tiefer tauche man in Abgründe des Internets ab: «Von vermeintlich süssen, vollgekotzten Kindern bis hin zu geschminkten Babys in Strapsen mit eindeutig anzüglichen Kommentaren darunter», gebe es nichts, «was nicht legal und für jedermann öffentlich verfügbar wäre.»

Deshalb, so die Forderung von Diebel, müsse unbedingt «mehr Bewusstsein und Sensibilität für das Thema entstehen». 

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