Sex, Zyklus, Verhütung? – Wie sich Facebook intimste Daten verschafft

tafi

10.9.2019 - 14:28

Zyklus-Apps kommen sowohl zur Familienplanung als auch zur Verhütung zum Einsatz: Sie sollen eigentlich helfen, den Überblick über den Menstruationsrhythmus der Frau zu behalten. 
DPA

Zyklus-Apps machen mit sensiblen Daten von Millionen von Frauen Kasse. Private Informationen aus dem Intimleben landen offenbar ungefragt bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken.

Man weiss ja, dass Facebook ziemlich viel weiss. Geheimnisse kann man als User des sozialen Netzwerkes eigentlich nicht haben. Dass Facebook aber auch Bescheid weiss, wann Frauen zuletzt Sex hatten, welche Verhütungsmittel sie benutzen und wann sie ihre Periode bekommen, das mag dann doch einige Menschen erstaunen. Eine Überraschung ist es freilich nicht, was «Privacy International» nun herausgefunden hat.

Die Datenschutzorganisation hat sich Zyklus-Apps für Frauen genauer angesehen und Erschreckendes festgestellt. Die Apps, mit denen Frauen ihren Regelkalender führen oder fruchtbare Tage bestimmen können, geben sensible Informationen illegal an Facebook weiter – natürlich mit dem Ziel, massgeschneiderte Werbung zu verkaufen: Wenn die Stimmung schwankt, dann ändert sich das Kaufverhalten. So einfach ist das Online-Geschäft mit den Daten.

Im Fokus der Kritik von «Privacy International» stehen die Apps «Maya» und «MIA Fem» mit jeweils mehreren Millionen Nutzerinnen, wie «Buzzfeednews» berichtet. Dem US-Newsportal liegen nach eigenen Angaben detaillierte Ergebnisse der Untersuchung vor.

Sogar das Tagebuch landet bei Facebook

Demnach teilen die Apps die Daten über die Facebook-Schnittstelle Software Development Kit (SDK), ohne dass die Nutzerinnen davon etwas wissen oder der Weitergabe widersprechen können. «Wenn Maya die Nutzerinnen bittet, einzugeben, wie sie sich fühlen und sogar Vorschläge für Symptome macht – etwa Blutdruck, Schwellungen oder Akne – dann würde man hoffen, dass diese Daten mit besonderer Sorgfalt behandelt werden», zitiert «Buzzfeednews» aus dem Bericht. Doch diese Informationen werden sofort mit Facebook geteilt.



Auch Daten über den Einsatz von Verhütungsmitteln werden laut Bericht weitergegeben, zudem werden die Benutzer aufgefordert, Informationen darüber einzugeben, wann sie Sex hatten und welche Art von Verhütung sie verwendeten. Nicht zuletzt gibt es bei «Maya» auch eine Art Tagebuch, in das die Nutzerinnen ihre eigenen Notizen schreiben können. Was mit diesen persönlichen Gedanken passiert? Sie landen natürlich bei Facebook.

Werbetreibende sind nämlich sehr an den Stimmungen der Menschen interessiert. Das Wissen hilft ihnen, strategisch zielgerichtete Anzeigen zu erstellen. Sie wissen schon vor der Zielperson, wann diese bereit ist, Geld auszugeben: Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden wollen, lassen sich leichter manipulieren.

Es geht ums Geld

Für Facebook kommt dieser Skandal zur Unzeit. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die Telefonnummern von Millionen von Nutzern offen im Netz zugänglich waren. Datenlecks und unerlaubte Datennutzung beschädigen das Image des immer noch grössten sozialen Netzwerks zusehends. Der Konzern hat laut «Buzzfeednews» bereits mit den Anbietern der Zyklus-Apps Kontakt aufgenommen, um die illegale Weitergabe sensibler Daten abzuklären.

Es gibt schliesslich Regeln, welche Daten genutzt werden dürfen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass die Plattform von App-Entwicklern verlangt, dass die Nutzer jederzeit wissen müssen, welche Informationen sie mit Facebook teilen. Dies müsse zudem auf einer «gesetzlichen Grundlage» geschehen.

Einer der von den Enthüllungen betroffenen App-Anbieter hat sich gegenüber «Buzzfeednews» erstaunlich offen geäussert. Die «Maya»-Macher geben zu, dass sie mit dem Teilen der Daten ganz einfach Geld verdienen wollen. Wem das nicht gefällt, der könne ja die kostenpflichtige Premiumversion nutzen. Dann bleibt auch wirklich privat, was privat sein soll.

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