Warum reden alle in und über diese App?

dj

19.1.2021

Clubhouse ist der neuste Hype. Was hat es mit der Audio-App auf sich?
Clubhouse ist der neueste Hype. Was hat es mit der Audio-App auf sich?
Keystone

Eine App ermöglicht Live-Konversationen zu allen möglichen Themen mit Menschen überall auf der Welt. Aber will man wirklich Teil des Clubhouse sein?

Die neueste Hype-App nennt sich Clubhouse. Mitte 2020 gegründet schwappte sie in den letzten Wochen auch in den deutschprachigen Raum über. Offiziell ist Clubhouse immer noch in einer Beta-Phase, man muss von einem bestehenden Nutzer eingeladen werden, um sich bei der App anmelden zu können. Im Dezember sprach Clubhouse von 600’000 Nutzern, inzwischen dürfte diese Zahl in die Millionen gehen. 

Clubhouse sollte man sich als eine Art Live-Podcast vorstellen. Eine kleine Gruppe von Menschen redet miteinander, eine meistens deutlich grössere Gruppe hört ihr zu. Bei der Themenauswahl sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch private Chaträume sind möglich, stehen aber eher im Hintergrund.

Tummelplatz für die Tech- und Medienszene

Lanciert wurde Clubhouse im April 2020, inmitten der ersten Corona-Welle. Hauptinvestor ist die Venture Capital-Firma Andreessen Horowitz, eine der ersten Adressen des Silicon Valley. Zunächst tummelten sich auf Clubhouse denn auch vor allem Mitglieder der Start-up- und Risikokapitalszene der amerikanischen Westküste. Häufiges Diskussionsthema scheint gewesen zu sein, wie Journalisten es wagen könnten, kritisch über das Silicon Valley zu berichten.

Profitiert hat Clubhouse von einigen Hollywood-Stars, die früh Mitglied wurden — wie Ashton Kutcher oder Kevin Hart — und damit der App einen etwas elitären Ruf verschafften. Neben verstreuten Stars tummeln sich aber derzeit immer noch vor allem Personen aus der Tech- oder Medienszene auf Clubhouse, die sicherlich gerne reden, aber nicht immer auch was zu sagen haben.

Problematische Datenschutzpraktiken

Selbstredend ist Clubhouse nicht arm an Problemen. So zeigen die amerikanischen Macher wenig Verständnis für europäische Vorstellungen von Datenschutz. Will man beispielsweise andere Personen einladen, muss das gesamte Adressbuch des iPhones mit der App geteilt werden und alle dort gespeicherte Kontaktdaten an die Server von Clubhouse in den USA geschickt werden. Dieses Vorgehen dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen das Bundesgesetz über den Datenschutz verstossen, wenn davor nicht das explizite Einverständnis jedes Kontaktes eingeholt wurde.

Ebenfalls problematisch ist die Moderationspraxis auf Clubhouse, beziehungsweise deren nahezu vollständige Abwesenheit. Gegen Belästigung und Antisemitismus wird kaum vorgegangen, wie «Vanity Fair» im Dezember berichtete. Mangelnde Moderation in Social-Media-Diensten kann schnell Auswirkungen auf die reale Welt haben, wie etwa Facebook und Twitter in den letzten Wochen mit dem Sturm aufs US-Kapitol erfahren mussten.

Die grosse offene Frage bleibt allerdings, ob das Konzept auch noch nach der Pandemie Bestand haben kann oder ob Clubhouse wie so viele schnell aufstrebende Apps nur eine kurze Erfolgsphase geniessen wird. Ein gutes Zeichen für Clubhouse ist allerdings, dass Twitter mit Spaces bereits an einem direkten Konkurrenten arbeitet. Beide werden jedoch beweisen müssen, dass es auch Post-Corona noch attraktiv ist, vom heimischen Wohnzimmer aus zu diskutieren anstatt in einem netten Café.


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