Mehr Kontrolle über Nutzerdaten WWW-Erfinder bläst zum Angriff auf Facebook und Google

dj

1.10.2018

Tim Berners-Lee gefällt nicht, was die Web-Giganten mit den Daten ihrer Nutzer machen.
Tim Berners-Lee gefällt nicht, was die Web-Giganten mit den Daten ihrer Nutzer machen.
Keystone

Der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee will mit einer Web-Revolution den Nutzern wieder die Kontrolle über ihre Daten wiedergeben.

Der Brite Tim Berners-Lee brachte 1991 am CERN in Genf die erste Website überhaupt ans Netz und gilt allgemein als der Erfinder des World Wide Web. Nun sorgt er sich um die Privatsphäre der Nutzer und will deshalb seine Kreation neu erfinden. Dabei bläst er auch zum Angriff auf das heutige Web-Oligopol von Amazon, Facebook und Google. Denn sein neues Projekt Solid soll Nutzern vor allem die Kontrolle über die eigenen Daten wiedergeben.

In einem Gespräch mit «Fast Company» sowie einem Blogeintrag erklärt Berners-Lee das Konzept genauer. Solid wurde vom dem von Berner-Lee gegründeten Startup Inrupt sowie von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Es steht komplett unter einer Open Source-Lizenz. Zentraler Bestandteil sind die «Solid PODs», in denen alle persönlichen Daten eines Nutzer abgelegt werden.

Nutzer haben komplette Kontrolle über ihren Daten-POD

Diese PODs kann man auf dem eigenen Server oder, für die meisten Nutzer wohl realistischer, bei einem kommerziellen oder gemeinnützigem Dienst speichern. Wichtig ist aber, dass man jederzeit die alleinige Verfügungsgewalt über die eigenen Daten hat.

Web-Diensten und Apps kann man dann temporär Lese- und Schreibzugriff auf bestimmte Daten im eigenen POD gewähren. Auf diesem Diensten erzeugte neue Daten wandern zurück in den eigenen POD, von wo aus sie wiederum mit einem weiteren Dienst geteilt werden können. Ein einzelner Dienst, wie etwa heute Facebook oder Google, verliert so das Monopol über Nutzerdaten.

Nutzer können genau bestimmen, auf welche Daten ein Dienst oder eine App Zugriff haben darf.
Nutzer können genau bestimmen, auf welche Daten ein Dienst oder eine App Zugriff haben darf.
Inrupt

Derzeit kann man mit Solid noch nicht so viel anfangen, da es noch keine Dienste gibt, die mit dem Projekt funktionieren. Und die heutigen Web-Giganten haben natürlich wenig Anreize Solid zu unterstützen, da dieses ihr ganzes Geschäftsmodell bedroht, so Berners-Lee zu «Fast Company». Man kann sich aber dennoch schon mal einen POD zulegen und hoffen, dass man ihn auch bald nutzen kann.

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