Facebook-Chef

Zuckerberg wollte Apple «Schmerzen zufügen»

dj

15.2.2021

Mark Zuckerberg fühlt sich von Tim Cook persönlich attackiert.
Mark Zuckerberg fühlt sich von Tim Cook persönlich attackiert.
Keystone

Der Konflikt zwischen Facebook und Apple eskaliert immer weiter. Vor allem Facebook-Chef Zuckerberg soll die Sache inzwischen persönlich nehmen.

Die Tech-Giganten Apple und Facebook sind weiter auf Kollisionskurs. In wenigen Wochen wird vermutlich eine neue Datenschutzfunktion von iOS aktiviert. Hierbei müssen Apps wie Facebook das explizite Einverständnis der Nutzer*innen einholen, wenn sie weiterhin persönliche Daten zu Werbezwecken sammeln wollen. Es ist davon auszugehen, dass nur sehr wenige Nutzer*innen dem zustimmen werden.

Damit würde das Facebook-Geschäftsmodell, das aus dem Anzeigen von sehr zielgerichteter Werbung besteht, erheblich beschädigt. Entsprechend gross war die Lobby-Arbeit Facebooks in den letzten Monaten, diese Änderungen von iOS noch abzuwenden. Doch ganzseitige Anzeigen in grossen amerikanischen Tageszeitungen und eine PR-Kampagne, die den vermeintlichen Nutzen von Facebook-Werbung für Kleinunternehmen in den Mittelpunkt stellte, werden kaum Apple von seinem Kurs abbringen können.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg scheint Beobachter*innen zufolge inzwischen zu glauben, dass ihn Apple-Chef Tim Cook persönlich auf dem Kieker habe, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Ein Facebook-Sprecher bestreitet dies.



Jahrelange Eskalation

Der Konflikt zwischen den beiden Silicon Valley-Firmen scheint Mitte der 2010er-Jahre angefangen haben zu brodeln. Nach den Enthüllungen von Ex-NSA-Analyst Edward Snowden positionierte sich Apple unter Cook explizit als ein Unternehmen, das den Privatsphärenschutz seiner Kunden*innen als obersten Massstab ansieht. Zuvor versuchte sich Apple mit iAd selbst an personalisierter Werbung, die inzwischen aber nur einen mikroskopischen Anteil am Apple-Umsatz ausmacht.

In öffentlichen Aussagen erlaubte sich Cook dabei einen Seitenhieb gegen Facebook nach dem anderen, ohne meist den Konkurrenten beim Namen zu nennen. Versuche, den Konflikt zu entschärfen, scheiterten. Bei einem persönlichen Zusammentreffen der beiden in 2017 habe Zuckerberg Cook als «ruppig» empfunden, so das «Wall Street Journal».

Zuckerberg sieht Heuchelei bei Apple

Seitdem sucht Zuckerberg nach Möglichkeiten zum Gegenschlag, ohne bisher fündig geworden zu sein. Facebook müsse Apple «Schmerzen zufügen», sagte Zuckerberg 2018 laut dem «Wall Street Journal» zu seinem Team. Ihn störe vor allem die Doppelmoral, mit der Cook seiner Auffassung nach über Facebook rede.

Apples umfangreiche Geschäfte in China, wo Respekt für die Privatsphäre von Bürger*innen natürlich nicht existent ist, und dessen milliardenschwere Kooperation mit Google sieht Zuckerberg etwa als Zeichen für Apples Heuchelei. Google soll Apple mehr als 10 Milliarden Dollar jedes Jahr dafür bezahlen, damit auf dem iPhone Google die Standardsuchmaschine ist. Das Google-Geschäftsmodell bei Werbung ist aber natürlich dem von Facebook sehr ähnlich, hier ist jedoch von Cook wenig Kritik zu hören — mutmasslich, weil Apple in diesem Fall davon profitiert.



Facebook hat die schlechteren Karten

Facebooks Handlungsmöglichkeiten sind beschränkt. Es dürfte wohl vor allem auf die Kartellbehörden hoffen, die Apple im Gegensatz zu Google und Facebook bisher eher mit Samthandschuhen angefasst haben, obwohl es auch bei Apple zweifellos Anzeichen für marktmissbräuchliches Verhalten gibt. Zuckerberg habe sich aber vorerst dagegen entschieden, direkt für staatliches Vorgehen gegen Apple zu lobbyieren oder gar selbst zu klagen, so das «Wall Street Journal».

Auf besonderes Verständnis in der Öffentlichkeit dürfte Facebook nicht setzen, denn sein Ruf ist im Keller. Bei einer Umfrage zur Reputation der 100 bekanntesten amerikanischen Unternehmen landete es auf Platz 97. Schlechter bewertet wurden nur der Agrochemiehersteller Monsanto, die Trump Organization und der Tabakkonzern Juul. Apple erreichte hier mit Platz 27 immerhin das obere Mittelfeld.


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