«Elvis» kommt ins Kino

Auch Haaröl und Schminke sind etwas dick aufgetragen

Von Gianluca Izzo

23.6.2022

Austin Butler und Tom Hanks (rechts) spielen Elvis Presley und dessen Manager Colonel Tom Parker.
Warner Bros.

Baz Luhrmanns Biopic über den King wirkt so dick aufgetragen wie die Schminke auf dem Gesicht und das Öl im Haar des Hauptdarstellers: Wer Luhrmanns prunkvollen, extravaganten Stil mag, wird Freude haben.

Von Gianluca Izzo

23.6.2022

Ein schmächtiger junger Mann mit Babyface und Rockabilly-Frisur steht im knallig pinken Anzug auf der Bühne. Er wirkt etwas verloren und überfordert mit der Situation. Doch als sich das Scheinwerferlicht auf ihn richtet und er als Elvis Presley (Austin Butler) vorgestellt wird, verwandelt sich der Sänger schlagartig.

Mit tiefer, kräftiger Stimme und vollem Körpereinsatz legt er los und begeistert das Publikum von der ersten Sekunde an. Sein Auftritt wirkt elektrisierend und bringt die jungen Frauen zum Kreischen.

Ein gewisser Colonel Tom Parker (Tom Hanks) beobachtet den Auftritt und weiss: Das ist sein Mann. Der Manager, der Zirkusartisten und Künstler aus der Unterhaltungsindustrie betreut, gewinnt das Vertrauen von Elvis Presley, begleitet und berät ihn fortan auf seinem Weg, und bringt ihn bis nach Las Vegas, wo Elvis riesige, aufwendig angerichtete Shows abliefert.

Doch ihr Arbeitsverhältnis gerät ins Wanken, als sich diverse Interessenskonflikte aufbauen und Parker droht, seine beste Einnahmequelle zu verlieren.

Ein Feuerwerk, das sich Zeit lässt

Aufgeblasen, kitschig, extravagant, glamourös – Baz Luhrmann hat einen einzigartigen Stil als Filmemacher. Wer «The Great Gatsby» und «Moulin Rouge» gesehen hat, weiss, wovon die Rede ist. In seinem neuen Werk «Elvis», das in Cannes Weltpremiere feierte, lassen sich all diese Attribute wiederfinden – aber passen sie zu dem Biopic über einen der einflussreichsten, wichtigsten Musiker aller Zeiten? Nicht so richtig, denn das Wesentliche der Erzählung geht in diesem Film ein wenig verloren.

«Elvis» startet furios mit einer Überflut an farbenprächtigen, knalligen Bildern, rasantem Schnitt, Splitscreens und graffitiartigen Schriftzügen, welche über die Aufnahmen fliegen. Begleitet wird das Ganze von Tom Hanks' Off-Stimme, der als Manager in die Geschichte einführt und aus dessen Perspektive der Film erzählt wird.

Und als musikalische Untermalung dienen keineswegs nur Songs von Elvis, sondern auch Pop- und Hip-Hop-Songs, was ebenfalls typisch für Luhrmanns Filme ist.

Zuweilen fühlt sich das Erlebnis wie ein ewig langer Musik-Videoclip eines zeitgenössischen Popstars an. Der Regisseur nimmt sich gut eine Stunde Zeit, um sein Publikum mit diesem Feuerwerk zuzudröhnen. Erst in der zweiten Hälfte des Films erreicht «Elvis» auch emotionale Tiefe und bewegt mit den Auftritten des legendären Musikers.

Eine typisch amerikanische Heldengeschichte

Austin Butler holt das Bestmögliche aus sich raus in der Darstellung von Elvis Presley und begeistert mit den physisch anspruchsvollen Performances auf der Bühne. Doch konfliktbezogene Szenen mit Parker oder seiner Ehefrau Priscilla erreichen dennoch nie die nötige Intensität, um ganz zu überzeugen.

Der Look des Superstars ist so ausgefallen wie der Eindruck des Gesamtwerks. Butlers Gesicht scheint zuweilen so stark geschminkt, dass er aussieht wie eine Schaufensterpuppe. Und die Outfits, die er trägt, sind oftmals knallbunt und schrill. Zu Beginn des Films wird erwähnt, dass Elvis als Kind Superhelden-Comics verschlang und selbst davon träumte, die Welt als Superheld zu erobern.

Und genau so ist Luhrmanns Film inszeniert – als Heldengeschichte. Statt einer völlig überladenen Show wäre ein etwas ausführlicheres, tiefgründigeres Biopic über Elvis Presley wünschenswert und angebracht gewesen.

«Elvis» läuft ab 23. Juni in allen blue Cinema Kinos.