Bob Odenkirk: «Meine Tante wohnt in Oberwil-Lieli»

Marlène von Arx

9.10.2018

Einer breiten Masse bekannt wurde er durch seine Nebenrolle in «Breaking Bad», jetzt läuft die vorerst letzte Folge seiner eigenen Serie «Better Call Saul». Im «Bluewin»-Interview steht Bob Odenkirk Rede und Antwort.

Er war ein Comedy-Schreiber aus Chicago, der hin und wieder als Schauspieler engagiert wurde. Dann kam die Rolle des durchtriebenen Anwalts Saul Goodman in der Kult-Serie «Breaking Bad». Inzwischen kostet Bob Odenkirk diese Kultfigur in der Prequel-Serie «Better Call Saul» aus, als Saul noch Jimmy McGill war. Woher sein Humor kommt und was er beim Schreiben seiner Memoiren entdeckt hat, verrät der 55-jährige Familienvater im «Bluewin»-Interview, das mit einer überraschenden Enthüllung beginnt.

Bob Odenkirk: Sie kommen aus der Schweiz? Meine Tante wohnt in Oberwil-Lieli (im Kanton Aargau, Anm. d. Red.)!

Ihre Tante wohnt in Oberwil-Lieli? Wie das denn?

Meine Tante Mary hat einen netten Schweizer Lehrer geheiratet. Sie sind nach Oberwil-Lieli gezogen, weil er in der Nähe aufgewachsen ist. Die beiden haben drei Kinder. Meine Tante arbeitete viele Jahre für die Swissair, und so haben wir sie mindestens jedes zweite Jahr gesehen. Wir stehen uns auch heute noch sehr nahe.

Haben Sie Tante Mary je in Oberwil-Lieli besucht?

Ja! 1984 habe ich ein paar Tage bei ihnen verbracht. Meine Tante und mein Onkel zeigten mir Zürich und Umgebung, und wir haben Ausflüge in die Berge gemacht. Die Schweiz ist ja wirklich dramatisch schön. Mir hat es sehr gut gefallen. Ich würde gern wieder mal zu Besuch kommen – und zwar bald! Meine Tante erzählte mir ganz überrascht, sie hätte Plakate für «Better Call Saul» gesehen. Die amerikanische Kultur macht sich wohl überall breit, aber mich freut's natürlich. Ich höre es immer gerne, wie viele Menschen sich mit dem eigenartigen Lebenswandel von Jimmy McGill identifizieren können.

Die vierte Staffel von «Better Call Saul» geht gerade zu Ende. Wie blicken Sie darauf zurück?

Es ist unsere bisher beste Staffel, denn wir haben jetzt ein Selbstvertrauen, das wir vorher noch nicht hatten. Wir haben jetzt kapiert, dass das Publikum akzeptiert, was wir mit dem Spin-off machen. Es war eine tolle Staffel für Kim und Jimmy. Kim ist die letzte Person, die Jimmy noch auf dem rechten Pfad hält, denn er hat ja grosse Mühe, sich ansonsten anständig zu benehmen. Ich glaube, in nächster Zeit wird's etwas brutaler. Ich hoffe, das Publikum springt uns dann nicht ab.

Waren Sie nervös, eine Spin-off -Serie zum Kult-Hit «Breaking Bad» zu lancieren?

Ja, und ich bin immer noch überrascht, dass wir es geschafft haben. Man hätte es uns nur schon übelnehmen können, dass wir es überhaupt versuchten. Ich kann mich erinnern, als mich Produzent Vince Gilligan während der dritten Staffel von «Breaking Bad» fragte, ob Saul wohl genug für eine eigene Show hergebe. Ich war mir nicht so sicher, denn damals wusste man ja noch nicht viel über Jimmy beziehungsweise Saul. Ich nahm an, dass er einfach Golf spielte und in Strip-Clubs herumhing, wenn er nicht arbeitete. Ich bin also nicht sofort aufgesprungen vor Freude, als der Gedanke erstmals herumgeisterte. Für mich wäre es auch okay gewesen, wenn ich wieder zu meinem alten Leben mit Schreiben und Entwickeln von TV-Shows zurückgegangen wäre.

Sie haben ja als Comedy-Schreiber bei der bekannten Sketch-Show «Saturday Night Live» angefangen. Wie erlebten Sie diese Zeit?

Als furchtbar schwierig und deprimierend. Ein Kumpel hatte mich reingebracht, mit dem ich vorher schon Sketches geschrieben hatte. Ich war 25 und fand meinen Platz nicht, ich passte da einfach nicht rein. Ich wollte mein eigenes Ding machen. Dabei gibt es nichts Besseres als «Saturday Night Live», um als Schreiber aus der Anonymität herauszukommen. Man sagt sicher nicht, ich kellnere lieber weiter, als für SNL zu schreiben. Aber viele sind bei diesem Format frustriert. Mein Fall war nicht ungewöhnlich.

Sie haben dann unter anderem für die «Ben Stiller Show» und die eigene Show mit David Cross, «Mr. Show with Bob and David», gearbeitet. Wie ist es dann vor zehn Jahren dazu gekommen, dass Sie Stammspieler im Drama «Breaking Bad» wurden?

Ich bekam das Angebot in der zweiten Staffel, als die Serie noch gar kein grosses Publikum hatte. Ich kannte nur einen einzigen Menschen, der «Breaking Bad» schaute. Ich dachte, vermutlich würden sie mich wieder heimschicken, denn die Rolle war ziemlich ungewohnt für mich, und mir schien, es hatte im Gegensatz zu Komödien etwas viel Dialog. Ich hoffte, da würde noch gekürzt, aber nix da. Zum Glück schauten am Anfang noch nicht viele Leute zu, so konnte ich zuerst noch ein bisschen üben, dramatisch zu sein. Übrigens: Ich war für vier Episoden gedacht, aber ich konnte nur drei drehen, weil ich dazwischen bereits ein Engagement für die Sitcom «How I Met Your Mother». hatte. Deshalb haben sie die Figur Mike, gespielt von Jon Banks, zur Überbrückung erfunden – ihn gäbe es also nicht ohne «How I Met Your Mother».

Im Sommer hat sich das «Breaking Bad»-Ensemble anlässlich des zehnjährigen Jubiläums für ein Foto-Shooting getroffen. Verbringen Sie auch sonst noch Zeit miteinander?

Wir sehen uns hauptsächlich an Events und Award Shows. Und Bryan Cranston schaue ich mir natürlich auch auf der Bühne an, wenn er am Broadway auftritt. Dass wir alle zusammen sind, ist schon sehr selten.

Sie kommen selbst aus einer grossen Familie. War es ein lustiger Haushalt?

Nicht immer: Mein Vater war Alkoholiker und meine Mutter extrem katholisch. Sie hat uns sieben Kinder fast alleine grossgezogen und einen Super-Job gemacht. Wir unterhielten einander gegenseitig am Esstisch, in dem wir die Ereignisse des Tages nachspielten. Meine Geschwister sind sehr lustig. Auch meine Mutter. Sie lacht sehr gerne und macht Witze über vieles – aber einfach nicht über die Kirche.

Sie schreiben derzeit Ihre Memoiren. Was bereuen Sie rückblickend?

Dass ich ein, zwei gescheiterte Projekte hatte, die es durchaus verdient hätten, umgesetzt zu werden. Ich hatte auch viele, die zurecht nie das Tageslicht gesehen haben. Und ich frage mich, wo all die Frauen sind, mit denen ich nie zusammengearbeitet habe. Wenn ich es ändern könnte, würde ich heute in meinen Shows Frauen als Schreiberinnen anstellen. Ich kenne nämlich viele lustige Frauen: Zum Beispiel Mary Lynn Rajskup («24») und Sarah Silverman, die in unserer Show auftraten. Sie waren gute Freunde von uns. Keine Ahnung, wieso wir sie nie ins Schreibzimmer einluden.

Was ist für Sie schwieriger: Leute zum Lachen oder zum Weinen zu bringen?

Zum Weinen. Man braucht nur etwas Falsches sehr laut zu machen und schon lachen die Leute. Wenn man seriöse, emotionale Szenen spielt, kann man sich keinen unehrlichen Moment leisten. Sonst vermasselt man alles.

Da Sie jetzt Übung in dramatischen Rollen haben: Gibt es nun mehr Ambitionen und Angebote in diesem Bereich?

Nicht sonderlich. Die Leute im Showbusiness sehen mich wohl vor allem als Schreiber. Aber ich war vor kurzem in Steven Spielbergs «The Post». Ich kann mich also eigentlich zur Ruhe setzen! Lustigerweise hat er auch David Cross engagiert – und wir waren einmal in der gleichen Szene. Wir wunderten uns, ob er wohl unsere kleine Show gesehen hatte, und ob das ein Insider-Witz sein sollte. Aber es stellte sich heraus, dass er null Ahnung von unserer Show hatte. (lacht)

Das Finale der vierten Staffel von «Better Call Saul» ist ab Dienstag, 9. Oktober, auf Netflix zu sehen.

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