Gebt uns etwas zu lachen, bitte!

Lukas Rüttimann

8.3.2020 - 10:00

Wenn Aufheiterung gefragt ist, ist er nicht weit: Leslie Nielsen als trotteliger Polizist in der Kultkomödie «The Naked Gun». 

In schwierigen Zeiten erleben Komödien einen Boom. Auch in diesen Tagen ist Lachen wohl eine gute Idee. Wir hätten da ein paar Vorschläge.

Es gab definitiv schon fröhlichere Zeiten als die jetzige. Coronavirus an allen Fronten und auf allen Kanälen, die Börse auf Talfahrt, eine drohende neue Flüchtlingskrise – ja sogar das Wetter scheint sich der aktuellen Newslage anzupassen.

Zum Glück gibt es Kunstformen, die einen auf andere Gedanken bringen. Filme gehören dazu, und dass man in düsteren Zeiten nicht unbedingt Lust auf Torture Porn oder sonstiges Horrorzeugs hat, versteht sich von selbst. In den iTunes-Charts klettert zwar «Contagion» aktuell nach oben. Doch das dürfte vor allem damit zu tun haben, dass der Film das Thema einer Viren-Pandemie erschreckend realistisch durchspielt.

Gewinner und Verlierer

Seien wir ehrlich: Sowas tun sich derzeit nur Masochisten an. Auch düstere Fantasy-Thriller oder Mystery-Serien sind in Zeiten von grosser Unsicherheit nicht unbedingt das, was einen auf andere Gedanken bringt. Lieber möchte man in diesen Tagen etwas zu lachen haben. Und wie die Vergangenheit schon mehrfach gezeigt hat, erleben Comedy-Formate in schwierigen Zeiten tatsächlich jeweils einen regelrechten Boom.



Als jüngeres Beispiel wird gern die Ära nach den Terrorattacken in den USA 2001 herangezogen. Klamaukfilme wie «Shallow Hal» oder «Funny Girl» räumten an den Kinokassen damals richtig ab, und auch romantische Komödien wie «Serendipity» liefen in den Wochen und Monaten nach dem 11. September 2001 viel besser als erwartet. Mit «Shrek», «Rush Hour 2» und «Monsters Inc.» stellte das erweiterte Comedy-Genre am Ende des Jahres sogar drei der fünf erfolgreichsten Filme von 2001.

Verlierer gab es freilich auch. Ein grossartiges Werk wie «Donnie Darko» etwa litt unter der damals herrschenden Stimmung und wurde zum Flop. Wen wundert's? Nachdem Terroristen Passagierflugzeuge unter anderem in die Twin Tower in Manhattan gesteuert hatten, verspürte kaum jemand Lust auf ein abgefahrenes, latent düsteres Coming-of-Age-Drama, das zu allem Übel auch noch damit beginnt, dass dem jungen Jake Gyllenhaal eine abgefallene Flugzeugturbine ins Schlafzimmer donnert.

Filme wie Desinfektionsmittel

Das filmische Pendant in der aktuellen Situation wären Katastrophenfilme wie das eingangs erwähnte «Contagion» (2011) oder «Outbreak» (1995) von Wolfgang Petersen. Um diese beiden Hollywood-Blockbuster machen wir an dieser Stelle jedoch einen weiten Bogen und empfehlen hier lieber sieben garantiert lustige Filme, die einen auch in diesen Tagen auf heitere Gedanken bringen. Denn Lachen ist bekanntlich nicht nur gut für das Seelenheil – es stärkt auch das Immunsystem.

«The Naked Gun» (1988)

Der dämlichste Film aller Zeiten? Vielleicht. Sicher aber einer der lustigsten. Leslie Nielsen, der bereits in «Airplane!» (1980) eine ähnlich geniale Rolle spielte, stolpert als vertrottelter Cop von einem Fettnäpfchen ins nächste. Garantierte Lachtränen gibt es unter anderem bei seinem legendären Auftritt als falscher Hymnensänger Enrico Palazzo, aber auch sonst bietet «The Naked Gun» erstaunlich zielsichere Gags am Laufmeter.

Köstlicher Klamauk: Leslie Nielsen in «The Naked Gun».

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«Bridesmaids» (2011)

In erster Linie ein Showcase für die wunderbare Kristen Wiig: «Bridesmaids» ist eigentlich eine derbe Jungskomödie – einfach mit Frauen, die aber gar nichts kennen. Die Durchfallorgie im Brautkleid-Shop ist heute schon ein Comedy-Klassiker, doch «SNL»-Star Wiig glänzt nahezu in jeder Szene, mit der sie ihren steinigen Weg vom sympathischen Loser zum genauso sympathischen Lover durchläuft.

Kristen Wiig in Not: Szene aus «Birdesmaids».

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«Space Balls» (1987)

Mel Brooks hat viele wunderbare Komödien («Blazing Saddles», «Young Frankenstein») gedreht. Eine der besten – und lustigsten – ist «Space Balls», eine herrlich durchgeknallte Satire auf die «Star Wars»-Filme und viele andere Klassiker aus dem Science-Fiction-Genre. Im Weltall hört dich keiner lachen? Genau so ist es!

«Space Balls»: Eine unerhört durchgeknallte Parodie auf Sicence-Fiction-Filme.

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«Borat» (2006)

Der grosse Hype um Sacha Baron Cohen ist etwas vorbei, doch das liegt auch daran, dass der Brite mit seinen Figuren alles erreicht hat, was man als Komiker erreichen kann. Vor allem sein kasachischer Kulturmissionar Borat ist fester Bestandteil der Popkultur – und noch heute ist man bei «Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan» permanent zwischen nacktem Entsetzen, ungläubigen Staunen und herzhaftem Lachen hin- und hergerissen.

Sacha Baron Cohen in seiner Paraderolle als Borat.

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«Trading Places» (1981)

Eddie Murphy hat viele lustige Filme gedreht, das Gleiche gilt für Kult-Regisseur John Landis. Ein Highlight ist diese beissende Satire auf das Ungleichgewicht von Arm und Reich, bei dem der damals gerade durchstartende Murphy und Dan Aykroyd ihre gesellschaftlichen Plätze tauschen – und dem Publikum damit auf höchst amüsante Weise einen Spiegel vor die Nase halten. Nicht nur lustig, sondern auch sehr treffend.

«Trading Places» von 1981 zeigt Eddie Murphy in Bestform.

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«Skin Deep» (1989)

Der unbekannteste Film in dieser Aufzählung und ein echter Geheimtipp. Altmeister Blake Edwards zog bei «Skin Deep» noch einmal alle Register und schickte John Ritter auf einen brüllend komischen Selbstfindungstrip, bei dem auch die für US-Verhältnisse ungewohnt unverkrampften Sexszenen für Lacher sorgen – etwa beim unvergessenen Duell mit den bunten Leuchtkondomen. Und Ritters Spastiker-Gang nach der Elektroschock-Behandlung seiner Ex gehört heute noch zum Lustigsten überhaupt.

Geheimtipp und für Ami-Verhältnisse ungewohnt unverkrampft: «Skin Deep».

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«Arsenic and Old Lace» (1944)

Dieser Klassiker darf nicht fehlen. Wer in den Weltkriegsjahren nach Zerstreuung suchte, wurde mit «Arsenic and Old Lace» fündig. Neben Gary Grants einmaligem Mienenspiel ist dieser Film auch Beweis dafür, dass gute Comedy vor allem mit guten Dialogen – und gutem Timing – zu tun hat. In diesem Film sitzt alles perfekt, und dass man über die serienmordenden alten Tanten heute noch so herzhaft lachen kann wie vor über 75 Jahren, ist wohl die höchste Auszeichnung für eine Komödie überhaupt.

Zeitlos witzig: «Arsenic and Old Lace» mit Gary Grant.

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