Lo und Leduc: «Von ‹079› müssen wir uns abkoppeln»

Lukas Rüttimann

9.4.2019 - 16:30

In «Willkommen im Wunder Park» hat das Erfolgsduo Lo & Leduc einen prominenten Auftritt als Synchronsprecher. Über ihre Rolle in einem Hollywoodfilm und die Zeit nach «079» sprachen die beiden im Interview.

Seit mehr als zehn Jahren sind Lo & Leduc im Musikgeschäft. Aber rentieren tut das Ganze erst wirklich seit ihrem Album «Zucker fürs Volk» aus dem Jahr 2014. Letztes Jahr haben sie den damaligen grössten Schweizer Hit «Chihuahua» von DJ Bobo abgelöst mit ihrem Ohrwurm «079». Nun haben sie einen Fuss in der Tür nach Hollywood.

Ihr seid es euch gewohnt, mit Wörtern und Sprache frei umzugehen. Wie schwierig war es, bei «Willkommen im Wunderpark» nach Drehbuch zu agieren?

Leduc: Es gab tatsächlich klare Vorgaben. Hinzu kommt, dass Humor etwas sehr Fragiles ist. Da kann allein schon durch die Übersetzung so einiges durchs Raster fallen. Ausserdem muss der Film nicht nur in der Schweiz funktionieren. Mit Dialektausdrücken mussten wir uns deshalb schon etwas zurückhalten.

Lo: Es war lustig. Einerseits wollte man ausdrücklich, dass die beiden Biber aus den Bergen stammen und mit einem starken Schweizer Akzent sprechen. Viel holpriger, als dass wir das im echten Leben tun würden. Andererseits mussten die Dialoge trotzdem überall verständlich sein. Die Idee dahinter war, dass unsere Figuren eine andere Klangfarbe in den Film einbringen.

Eure Parts werden im Original von gestandenen US-Komikern gesprochen. Wie viel Respekt hattet ihr vor der Aufgabe?

Lo: Viel. Als wir das Studio in Berlin betraten, merkten wir sofort: Hey, das ist etwas völlig anderes als im Musikstudio. Man ist ein bisschen nervös, und rundherum sitzen Leute, die das seit 30 Jahren machen. Aber wir haben uns Mühe gegeben, und es hat auch viel Spass gemacht.

Synchronrollen für Schweizer Sprecher sind keine Seltenheit. War für euch von Anfang klar, dass ihr mitmacht?

Leduc: Wir wussten relativ schnell, dass das passt. Wenn man erfolgreich ist, kriegt man jede Menge Anfragen und man muss aufpassen, dass man nicht jeden Seich mitmacht, einfach weil die Gelegenheit dazu da ist. Aber diese beiden hyperaktiven Biber sind nicht so weit weg davon, wie wir uns auf der Bühne verhalten. Zum Beispiel bei Ansagen: Da ist nichts geplant, einer fängt an zu reden, der andere spielt mit und so weiter. Das haben wir uns angeeignet.

Die Musiker haben letztes Jahr einen neuen grössten Schweizer Hit geschaffen: «079».
Keystone

Ein bisschen wie Stand-up-Comedians? Wäre das etwas für Lo & Leduc?

Leduc: Ich glaube nicht. Einfach aus dem Grund, weil wir eher bedingt lustig sind. (lacht)

Ihr seid derzeit aber sehr begehrt. Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, was ihr macht und was nicht?

Lo: Je weiter weg von unserer Kernkompetenz, desto eher verzichten wir drauf. Bei diesem Film hier hat es gepasst, wir sind eh die ganze Zeit am Bibbern. (lacht) Im Ernst: Wenn es nur um den Promifaktor geht, sind wir nicht die richtigen. Wir eigenen uns nicht als Werbeträger ohne Inhalt.

Spielt das Geld eine Rolle? Verdient man als Schweizer Synchronsprecher in einem Hollywoodfilm gut?

Lo: In diesem Fall hat Geld überhaupt keine Rolle gespielt. Ich wüsste nicht mal, was ein Synchronsprecher normalerweise verlangen könnte. Reich geworden sind wir damit sicher nicht.

Leduc: Es ist auch eine spezielle Situation. Wir sind keine ausgebildeten Sprecher, haben in diesem Film aber eine zusätzliche Funktion als Werbeträger, wenn man so will. Immerhin sind wir sogar auf dem Plakat mit drauf. Ich habe jedenfalls noch selten ein Filmplakat gesehen, bei dem die Synchronsprecher abgebildet sind.

Im Gegensatz zu vielen anderen Animationsfilmen hat «Willkommen im Wunder Park» nicht nur gute Reviews erhalten. Wie seht ihr den Film?

Leduc: Ich finde den Film aus zwei Gründen toll. Zum einen, weil er eine Hymne an die Kreativität und die Fantasie ist. Und zum anderen, weil er die Trauerphase der kindlichen Protagonistin schön und angemessen abbildet. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem sonst lustigen Film, der auch mit Action nicht spart. Ich glaube, ich als Kind wurde selten mit so intensiven Emotionen konfrontiert wie hier. Aber gut – wir hatten auch keinen Fernseher.

Lo: Es ist sicher ein Film, der sich gleichermassen an Kinder wie Erwachsene richtet und meiner Meinung nach für beide gut funktioniert.

Ihr habt euch musikalisch zuletzt etwas zurückgezogen und seid mit einem Bühnenprogramm getourt. Wann gibts neue Musik von Lo & Leduc?

Leduc: Wir sind dran, mit unserer Band ein neues Festivalprogramm einzuproben, das ab Juni auf den Bühnen zu sehen sein wird. Neue Songs schreiben wir eigentlich permanent nebendran. Aber dieser Sommer ist das Ziel, Bestehendes neu umzusetzen.

Kommt das gelegen? Immerhin warten alle auf einen Hit, der «079» toppt.

Leduc: «079» kannst du nicht toppen, zumindest nicht kommerziell. Wir müssen uns von diesem Song abkoppeln. Allerdings gab es dieses Problem nach «Jung verdammt» auch schon, und wenn man heute zurück schaut, muss ich sagen: Man spürt den Songs danach durchaus an, dass wir bewusst versucht haben, uns davon abzukoppeln. (lacht) Das ist im Grunde eine neue Befangenheit. Ob wir uns nun davon lösen können, das ist die Frage.

Lo: Wir müssen einfach das richtige Mindset finden. Vorher macht es keinen Sinn. Unser Vorteil ist, dass wir diese Schlaufe schon einmal durchlaufen haben. Ich habe deshalb das Gefühl, dass es diesmal einfacher wird.

Der Druck ist mit der längsten Nummer eins in der Geschichte der Schweizer Hitparade aber nicht kleiner geworden, oder?

Leduc: Das ist schon richtig. Unsere Wahrnehmung ist, dass wir mit der Situation besser umgehen können, weil wir sie bereits kennen. Aber den Leuten draussen ist das egal. Die erwarten einen neuen Megahit. Hoffen wir mal, ob uns irgendwas Gescheites einfällt.

«Willkommen im Wunder Park» startet am Donnerstag, 11. April, in unseren Kinos.

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