«Tomb Raider»-Star Alicia Vikander: «Ich hatte solches Lampenfieber»

von Marlène von Arx, Hollywood-Kolumnistin

15.3.2018

Alicia Vikander tritt in die Fusstapfen von Angelina Jolie und rast zuerst mit dem Velo, dann mit Pfeil und Bogen durch die neue Video-Game-Verfilmung von «Tomb Raider». Die schwedische Schauspielerin erklärt, was das für sie bedeutet und was sich seit ihrer Hochzeit mit Michael Fassbender und der «Time's Up»-Bewegung für sie alles verändert hat.

«Bluewin»: Wie vertraut sind Sie mit Lara Croft aus dem Videospiel?

Alicia Vikander: Als ich das Spiel zum ersten Mal wahrnahm, war ich zehn Jahre alt und hatte Angst davor. Ich habe damals mehr «Point and Click»-Abenteuerspiele gespielt. Die sind sehr zeitraubend, und so spiele ich heute kaum mehr. Zur Vorbereitung zu «Tomb Raider» habe ich immerhin ein bisschen mit dem Reboot-Game gespielt.

Alicia Vikander in «Tomb Raider»

Macht es Sie nervös, in die Fusstapfen von Angelina Jolie zu treten?

Es ist schon eine Herausforderung: Ich will Lara Croft, ihre Geschichte und ihre Züge, für die sie bekannt ist, natürlich würdigen. Andererseits habe ich auch eine Verpflichtung gegenüber unserem Film-Team und gegenüber dem Publikum, etwas zu bieten, was man hoffentlich noch nicht gesehen hat. Der Film soll jedenfalls nicht wie ein altes Videospiel daherkommen.

Alicia Vikander - Action-Heldin. Haben Sie je mit dieser Bezeichnung gerechnet?

Gerechnet vielleicht nicht, aber als ehemalige Tänzerin haben mich solche Filme immer interessiert. Ich fragte mich, wie wohl diese Stunt-Sequenzen gemacht werden. Meine Mutter nahm mich in europäische Arthouse-Filme mit, aber ich schaute eben sehr gerne «Indiana Jones» und «The Mummy». Ich habe sieben Bücher über Ramses gelesen - ägyptische Mythologie hatte es mir angetan. Da passt «Tomb Raider» eigentlich ganz gut dazu.

Und wie trainiert eine Tänzerin also für Lara Crofts Stunt-Sequenzen?

Mit Gewichtheben, Schwimmen, Velofahren, Klettern, Mixed Martial Arts und Boxen. Das ist wirklich etwas ganz Tolles an meinem Beruf: Man kann immer etwas Neues lernen. Ich habe meinem Trainer versichert, dass ich keine Klimmzüge schaffe, dass sei schlicht gegen die Gesetze der Natur. Aber schliesslich klappte es - mehrmals hintereinander. Das gab mir schon einen Adrenalin-Schub. Dafür hätte ich die Crew beinahe gebeten, sich wegzudrehen, als ich zum ersten Mal in den Boxring musste. Ich hatte solches Lampenfieber. Aber auch das ging vorbei.

Lara Croft ist auf der Suche nach ihrem verschwunden Vater – ihre Eltern trennten sich früh, und sie wuchs bei ihrer Mutter auf. Fehlte Ihnen der Vater auch in gewisser Weise?

Mein Vater war sehr präsent in meinem Leben. Alle zwei Wochen war ich bei ihm zu Hause und meinen fünf Halbgeschwistern – wir haben vier verschiedene Mütter. Auch heute stehen wir uns nah: Mein Vater ist Psychiater, und ich erforsche ja eigentlich auch Menschen und menschliches Verhalten. Das ist oft Gesprächsthema bei uns.

Die Ehe Ihrer Eltern hielt nicht. Sie haben letzten Herbst den Schauspieler Michael Fassbender geheiratet. Sie glauben also trotzdem an die Ehe?

Ich glaube an die Liebe, nicht an die Ehe. Diesbezüglich war ich schon immer romantisch veranlagt. Es hat sich entsprechend nichts verändert.

Passen eine Schwedin und ein Ire gut zusammen?

Offenbar. Meine Schwester hat Kinder mit einem Iren! Ich glaube, Schweden und Iren sind beides sehr bescheidene und bodenständige Leute, die gerne essen, trinken und tanzen. Das macht alles viel einfacher. Aber bisher hatte ich gar noch nicht soviel Zeit, nach Irland zu fahren. Ich war erst einmal in Killarney, wo Michael her ist. Interessanterweise war mein Vater schon viermal da in seinem Leben - es ist einer seiner Lieblingsorte.

Und jetzt sind Sie von London nach Lissabon gezogen?

Ich lebe hauptsächlich an Drehorten, aber ja: Freunde von mir sind schon dahin gezogen, und mein Mann liebt Lissabon schon lange. Mir gefällt es auch sehr gut, und es ist warm. Obwohl ich Schwedin bin, vertrage ich die Kälte nicht sehr gut. Ehrlich gesagt, wollte ich London eigentlich nicht verlassen, aber das änderte sich mit Brexit. Es war wirklich ein trauriger Tag für mich, als das angenommen wurde. Ich sehe mich als Europäerin, und ich will in Europa leben. Ich hätte nie meine ersten Jobs in London bekommen, wenn man für mich ein Arbeitsvisum hätte organisieren müssen.

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Wie war denn Ihre Anfangszeit in London?

Von Misserfolgen gezeichnet. Ich habe es nicht in die Theaterschule geschafft, weder beim ersten, beim zweiten, noch beim dritten und vierten Anlauf. Aber wahrscheinlich würde ich jetzt nicht hier sitzen, wenn ich reingekommen wäre. Ich habe in einem Blumenladen und in einem Jeans-Shop gejobbt und gebettelt, dass man mich für «Snow White» ans Casting lässt. Ich habe ein Casting-Video aufgenommen, eingeschickt und nicht einmal eine Absage erhalten. Aber es soll ja nichts einfach sein, dass sich lohnt.

Inzwischen haben sich viele Erfolge aneinandergereiht. Wie nehmen Sie aus Ihrer Perspektive die «Time's Up»-Bewegung und den Kampf der Frauen um ihren Platz wahr?

Es ist ein guter Moment, in dem wir jetzt drin sind, und ich bin sehr happy, in einem Film wie «Tomb Raider» zu sein. Denn als meine Karriere begann, hat es mir sehr viel bedeutet, dass «Hunger Games» mit einer weiblichen Hauptfigur kommerziell ein Erfolg sein konnte. Wir müssen jetzt auch harte Grundsatzfragen diskutieren, aber es fühlt sich positiv an. In den letzten Monaten habe ich mit Frauen telefoniert und gemailt, die ich immer bewundert, aber nie kennengelernt habe, weil ich ja meistens die einzige Frau in einem Film bin. Jetzt bin ich mit Reese Witherspoon und Natalie Portman in Kontakt – ich habe mich in den letzten Monaten mit mehr Frauen in der Filmindustrie befreundet als während meiner ganzen Karriere.

Sie werden im Oktober 30 Jahre alt. Haben Sie sich zu diesem Meilenstein schon Gedanken gemacht?

Geplant habe ich noch nichts, aber die eine oder andere Party mit Tanzen würde mir schon gefallen. Als ich klein war, dachte ich immer, mit dreissig sei man dann so richtig erwachsen. Da bin ich nicht mehr so sicher. Ich werde es dann ja sehen. Ich fühle mich jedenfalls mehr und mehr mich selber, was ein gutes Gefühl ist. Bis jetzt bedeutet ein Jahr mehr ein Jahr besser.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie nochmals zwanzig wären?

Ich wäre weniger streng mit mir selber. Auf Jugendlichen lastet soviel Druck. Man muss schon in der Schule wissen, was man werden will und dann die entsprechende Ausbildung anstreben. Dabei müsste man die Gelegenheit haben, mal innezuhalten und auf sich zu hören, nicht auf andere. Ich würde mir auf jeden Fall raten, mich weniger davon stressen zu lassen, dass ich nicht weiss, was kommt.

Was hätten Sie denn gerne, was in den nächsten zehn Jahren kommt?

Oh, das will ich gar nicht wissen! Ich bin offen für Neues. Wenn ich mich jetzt mit vierzig sehen könnte, wäre ich hoffentlich unglaublich überrascht.

«Tomb Raider» mit Alicia Vikander läuft ab Donnerstag, 15. März, in unseren Kinos.

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