Realitätscheck mit ... Paris Hilton?

Gil Bieler

27.8.2020 - 11:18

Spieglein, Spieglein an der Wand ... Paris Hilton 2007 bei der MTV Style Gala. 
Bild: Keystone

Immer gut drauf, immer perfekt gestylt: Als It-Girl hat Paris Hilton in den 2000er-Jahren die Welt erobert. Mittlerweile hat die Hotelerbin genug von dieser Kunstfigur. Macht sie nun etwa Authentizität wieder schick?

Das Leben meinte es zuletzt nicht allzu gut mit Paris Hilton. Wobei, Sie brauchen jetzt nicht gleich ein Taschentuch zu zücken: Natürlich gehört die 39-Jährige zum privilegiertesten Bruchteil der Weltbevölkerung.

Als künftige Erbin des Hotelimperiums, das ihr Urgrossvater Conrad Hilton einst gegründet hat, dürften der New Yorkerin jegliche Geldsorgen auf ewig erspart bleiben.

Doch Materielles ist nicht alles, da gibt es auch noch die Karriere. Und die kam bei Paris Hilton arg ins Stocken. Sie ergatterte Filmrollen hier und dort, reiste als DJane an Festivals rund um die Welt. Ab und zu brachte sie auch eigene Songs heraus. Richtig Aufsehen erregte aber nichts von alledem.

Das erste It-Girl

Kein Vergleich zu den 2000er-Jahren, also sie noch das It-Girl schlechthin war – und man den Begriff It-Girl überhaupt verwendete. Immer gut drauf, top-gestylt, zu allem meinte sie «That's hot» und bescherte der Welt Prosecco aus der Dose. Oberflächlich, aber auch charmant.

Und erfolgreich: Mit Busenfreundin Nicole Richie – der Tochter von Schmusesänger Lionel Richie – eroberte sie in der Reality-Serie «The Simple Life» die Herzen im Sturm. Die beiden Mädchen stellten sich darin gänzlich unglamourösen Alltagsherausforderungen wie Kühe melken oder – oh Schreck – mit dem Bus fahren. Das Konzept funktionierte, weil sich die beiden Protagonistinnen so sympathisch selbstironisch gaben.

Vielleicht kann Paris ja jetzt wieder an diese Zeiten anknüpfen. Zumindest drängt sie zurück ins Scheinwerferlicht. Auf YouTube wird Mitte September eine Dokumentation über die Hotelerbin ausgestrahlt: «This Is Paris» soll der Welt zeigen, wer die Frau hinter der unbeschwerten Fassade wirklich ist.

Denn das wisse keiner, klagt Paris im Trailer. Was sie sich selbst eingebrockt hat: «Sorry, ich bin es derart gewohnt, eine Rolle zu spielen, dass es hart ist, normal zu sein», gesteht sie. Die fröhliche Fassade, der Eindruck eines perfekten Lebens – das ist natürlich auch bei ihr nicht die ganze Wahrheit. 

Der Trailer zur kommenden Dokumentation «This Is Paris».

YouTube

In der Doku, so wird angekündigt, will Hilton auch ein Trauma aus ihrer Kindheit enthüllen, das sie bis heute verfolge. Es bleibt abzuwarten, was sich hinter dieser vagen Ankündigung verbirgt. Der Trailer ist zwar in typisch amerikanischer Manier überdramatisch aufgemacht, doch Hilton dürfte tatsächlich etwas Schwerwiegendes zu erzählen haben. 

Das Ende unserer Fake-Welt?

Zuhören lohnt sich ohnehin. Immerhin hat Paris Hilton die glattpolierte und mit Filtern verschönerte Fake-Welt mitgeprägt, die heute dank Social Media omnipräsent ist. Sie war die Pionierin dieser Disziplin. Sie war es, die ihrer Freundin Kim Kardashian und damit einer ganzen Schar von It-Girls und Reality-TV-Sternchen den Weg geebnet hat.

Vielleicht hätte es auch ein gewisser anderer Reality-TV-Star und Hotelimperium-Erbe ohne Paris nie bis ins Weisse Haus geschafft. Und es liegt nun an ihr, diese Scheinwelt einem harten Realitätscheck zu unterziehen.

Läutet womöglich ausgerechnet sie eine Epoche der Authentizität ein? Zeit dafür wäre es allemal. 

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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