Japans Kaiser dankt ab - und stellt sein Land vor ein Problem

tsch

7.8.2018

Kaiser Akihito wird im April 2019 abdanken: Der Thronwechsel stellt Japan vor ein möglicherweise gravierendes Problem. (Symbolbild)
Keystone

Ende einer Ära: Japans Kaiser Akihito will im nächsten Jahr abdanken. Er stellt sein Land damit vor unerwartete technische Probleme.

Wegen gesundheitlicher Bedenken wird Kaiser Akihito auf eigenen Wunsch am 30. April 2019 abdanken. Er ist der erste japanische Monarch seit rund 200 Jahren, der den Chrysanthementhron freiwillig räumt. Während die Nachfolge mit Akihitos ältestem Sohn, Kronprinz Naruhito, geregelt ist, befürchtet Japan gravierende technische Probleme. Im schlimmsten Fall könnten sie die Ausmasse von «Y2K» annehmen, wie IT-Experten warnen.

Am Hof in Tokio laufen die zeremoniellen Vorbereitungen für den Machtwechsel auf Hochtouren, seitdem Akihito im Dezember 2017 seine Abdankung verkündete. Ins Schwitzen aber kommen andere, wie die britische Zeitung «The Guardian» berichtet. Technologieexperten befürchten, das Ende von Akihitos Ära könnte die Computersysteme im Land durcheinanderbringen.

Der Grund dafür: Der japanische Kalender funktioniert anders als der hierzulande übliche gregorianische Kalender. Die Zeitrechnung ist an den jeweiligen Kaiser gekoppelt, beziehungsweise an dessen Epoche. Diese Epochen beginnen jeweils mit der Thronbesteigung. Akihitos Krönung im Januar 1989 markierte den Beginn der Heisei-Epoche und das Ende der Shōwa-Epoche, die ihm vorausging. Naruhitos Krönung am 1. Mai 2019 wird den Beginn einer neuen Epoche markieren.

Das kleine Problem dabei: Der offizielle Name von Naruhitos Epoche wird erst am Krönungstag bekannt gegeben, was vor allem für Kalenderhersteller ärgerlich ist, die ihre Produkte für das nächste Jahr einfach noch nicht planen können. Schwerwiegender ist jedoch, dass Akihito fast das gesamte Informationszeitalter auf dem Thron sass: Viele Computersysteme waren bislang noch nie von einer Kalenderumstellung betroffen.

«Die Grössenordnung dieser Umstellung kann mit dem Y2K-Problem zur Jahrtausendwende verglichen werden», erläutert Microsoft-Experte Shawn Steele im «Guardian». Allerdings hätten sich Software- und Computerhersteller damals langfristig vorbereiten können. Diesmal sei die Zeit zu knapp, um eventuelle Programmierprobleme zu identifizieren und zu beheben.

Einige japanische Behörden lassen sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen - und gehen das Problem pragmatisch an. Im Mai kündigte die nationale Steuerbehörde an, ihre Computer würden einfach die Heisei-Zeitrechung weiterführen. Es wäre schlimm, wenn es bei der Steuerzahlungen Verwirrung gäbe.

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