24-jährige Waffenmeisterin fürchtete sich vor Einsatz bei Baldwin-Film

Von Fabian Tschamper

25.10.2021

Nach dem tragischen Ereignis auf dem Set des Westerns «Rust» gerät die Waffenspezialistin Hannah Gutierrez-Reed in den Fokus der Ermittlungen. Sie übte die Funktion zum zweiten Mal in ihrer Karriere aus.

Von Fabian Tschamper

25.10.2021

«Cold Gun», sagte der Regie-Assistent zu Alec Baldwin, als er ihm die Waffe gereicht hat. Der Schauspieler drückt in der Szene ab, Kamerafrau Halyna Hutchins verliert ihr Leben, Regisseur Joel Souza wird verletzt.

Die Requisitenwaffe enthielt eine Patrone.

Die Suche nach den Schuldigen ist im Gange, erste Ermittlungen konzentrieren sich nun auf Hannah Gutierrez-Reed. Die 24-Jährige ist die Tochter von Thell Reed, einem renommierten Waffenspezialisten in Hollywood. Er arbeitete unter anderem an «Mr. & Mrs. Smith», «Django Unchained» und «Once Upon a Time in Hollywood».

Seine Tochter Hannah übernahm bei «Rust» erst zum zweiten Mal die Leitung der Waffenspezialistin. Ihr erster Film war «The Old Way» mit Nicolas Cage in der Hauptrolle.

«Sicherheitsbeschwerden» gegen Regie-Assistent

Laut TMZ äusserte Gutierrez-Reed Zweifel an ihren Fähigkeiten, dies einen Monat vor Drehstart von «Rust». «Ich war anfangs sehr nervös und hätte den Job beinahe nicht angenommen», erzählte die junge Frau damals.

Das Laden von Requisitenwaffen mit Platzpatronen sei das «furchteinflössendste» an ihrer Arbeit, ihr Vater habe es ihr jedoch beigebracht.

Während des Drehs am letzten Donnerstag lagen drei Waffen auf einem Wagen ausserhalb der Holzkonstruktion, in der gedreht wurde. Dies geht aus einem Untersuchungsbeschluss von Freitag hervor. Ein Regie-Assistent, mit Namen Dave Halls, nahm eine der Waffen anschliessend vom Wagen und brachte sie Baldwin, ohne zu wissen, dass sie mit scharfer Munition geladen war.

Waffenspezialistin Hannah Gutierrez-Reed hat alle ihre Social-Media-Kanäle inzwischen gelöscht.

Wie der Guardian berichtet, habe eine Mitarbeiterin der Requisiten-Abteilung offenbart, dass sie und Halls schon bei der Fernseh-Serie «Into the Dark» zusammengearbeitet haben. Dort gab es Bedenken und Beschwerden rund um den Regie-Assistenten, was die Sicherheit am Set anging.

«Diese Situation betrifft aber nicht nur Dave Halls, es ist nicht die Schuld einer einzigen Person», wird die Mitarbeiterin zitiert.

Alec Baldwin richtet sich an Öffentlichkeit

Jemanden irrtümlich erschossen zu haben, setzte Baldwin sehr zu. Anfänglich sei er untröstlich und hysterisch gewesen, habe die Fassung verloren.

Nach dem Unfall hat sich der Schauspieler auf Twitter geäussert und schrieb: «Ich bin im Kontakt mit Halynas Mann und biete ihm und seiner Familie meine Unterstützung an. Mein Herz ist gebrochen, für ihren Mann, ihren Sohn, und alle, die Halyna gekannt und geliebt haben.»

Baldwin traf sich mit dem Witwer und dem neunjährigen Sohn am Samstagmorgen zum Frühstück.

Co-Star und Nichte Hailey melden sich

Die Tragödie ging nicht ohne Reaktion an Baldwins «Rust»-Co-Star Jensen Ackles vorbei. Der amerikanische Schauspieler spielte 15 Staffeln lang den Dämonenjäger Dean Winchester in der Erfolgsserie «Supernatural».

Ackles teilte in seinem Instagram-Post eine schöne Erinnerung an Halyna, die in der Industrie als leidenschaftlich, talentiert und rising star angesehen wurde.

«Letzte Woche fühlte ich mich gezwungen, Halyna zu sagen, wie toll sie ist. Ihre Kameraarbeit war unglaublich und ich war begeistert, sie und ihr Team bei der Arbeit beobachten zu können. Wirklich. Sie lachte, sagte danke und umarmte mich», schrieb Ackles, der selbst auch schon hinter der Kamera stand.

Auch die Nichte von Alec Baldwin, Hailey, äusserte sich zum Set-Unfall. Die Ehefrau von Popstar Justin Bieber schrieb auf Instagram: «Ich sende all meine Liebe an die Familie von Halyna Hutchins. Das ist eine wirklich unvorstellbare und verheerende Tragödie. Meine Gedanken sind auch bei Joel Souza, der sich gerade erholt.»

Der Unfall wird zukünftige Sets wohl noch länger beeinflussen. Der kalifornische Senator Dave Cortese etwa will scharfe Munition und echte Waffen per Gesetz komplett von lokalen Filmsets verbannen.

Die Dreharbeiten zu «Rust» sind auf unbestimmte Zeit gestoppt.

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