Nicolas Cage hat gerade seine beste Arbeit abgeliefert

Von Fabian Tschamper

28.7.2021

Nicolas Cage in seiner Rolle als Trüffeljäger: «Pig» gehört schon jetzt zu seinen besten Filmen aller Zeiten.
Escape Artists

Es ist eine späte und unerwartete Rückkehr zur Höchstform: Nicolas Cage überzeugt im Drama «Pig» und dürfte in diesem Jahr zahllose Filmpreise abräumen. Es ist ein Geniestreich des Unberechenbaren.

Von Fabian Tschamper

28.7.2021

Für «Pig» sollte Nicolas Cage mindestens eine Oscar-Nomination erhalten. Ja, richtig gelesen. Mindestens. So gut war er seit 25 Jahren nicht mehr. Seinen bisher einzigen Oscar erhielt Cage für das Alkoholismus-Drama «Leaving Las Vegas» von 1995. Doch jetzt riecht es verdammt stark nach einem erneuten Triumph.

Mit «Pig» liefert Cage seine beste Leistung ab. Punkt. Der Exzentriker mit der unberechenbaren Vitalität vor der Kamera verleiht der Hauptfigur des Rob Feld eine unvergleichliche Präsenz.

Und dies im Regie-Debüt von Michael Sarnoski, das nicht weniger als atemberaubend aussieht. Jede Kameraeinstellung, jeder Schnitt, auch die Farbakzente lassen vermuten, Sarnoski mache dies schon seit Jahrzehnten. Ein beneidenswertes Selbstbewusstsein hat der Mann.

Ich verliere mich. Pardon.



Rob Feld ist ein verehrter Gastronom und Koch, der sich nach einer persönlichen Tragödie für ein Leben im Exil entscheidet, als Eremit. In den Wäldern von Oregon, weitab von Technologie und der oberflächlichen Moderne, die er so verachtet, lebt er als Trüffeljäger. Seine einzige Gesellschaft ist ein Trüffelschwein.

Dieses Schwein wird entführt und leitet Robs Rückkehr in die Stadt ein – verzweifelt versuchend, das zurückzuholen, was er so sehr liebt.

Viel mehr als das sollte ich auch gar nicht verraten. Das reicht als Zusammenfassung. Die Geschichte verläuft linear, aber dennoch unberechenbar – wie ihr Hauptdarsteller.

Ein Mann weniger Worte und viel Tiefe

Die Story hätte mit Leichtigkeit sehr kitschig werden können. Oder ein Rachefeldzug im Stile John Wicks. Doch Cage und Sarnoski entschieden sich für das Gegenteil, der Film ist merkwürdigerweise Anti-Rache. Und er zeigt effektive emotionale Wege auf, mit einer solchen Situation umzugehen.

Die Geschichte ist auf den ersten Blick sehr simpel und Cages Figur ein Mann weniger Worte, doch der Schein trügt. Die Tiefe und die Emotionen der Figur stechen hervor. Dabei soll auch der erst 23-jährige Alex Wolff («Jumanji») gelobt werden: Er spielt Robs egoistischen und infantilen Geschäftskontakt Amir. Ein Ohrfeigengesicht. Das vielschichtige Skript gibt seiner Figur jedoch eine faszinierende Wende.

Das Drehbuch für «Pig» wird unzählige Preise abräumen, zweifelsohne.

Die Produktion mit wenig Budget spielt mit beinahe allen Gefühlen und ist schlicht ein Triumph. Cages Performance fühlt sich ikonisch an. Einen Moment der «Cage Rage», seiner typischen Wutanfälle, bekommst du übrigens auch zu sehen – und er ist perfekt.

«Pig» hat in der Schweiz bisher noch keinen Starttermin, auf DVD und Blu-ray ist er bei Amazon ab 19. November erhältlich.