Das witzigste Schweizer Paar und «il blinda Fleck dals Unterländers»

Gil Bieler

19.11.2020 - 11:22

«Das Power-Couple des Schweizer Humors»: Karpi und Natascha Beller.
Bilder SRF/Keystone

Das klingt vielversprechend: Natascha Beller und Patrick Karpiczenko alias Karpi drehen für SRF einen satirischen Adventskrimi. Ein erstes Opfer gibt es schon vor der Ausstrahlung zu beklagen: das Rätoromanisch.

2020 ist schlimm genug. Wenigstens in der Adventszeit soll es da in Schweizer Stuben etwas zu lachen geben. Dieser Aufgabe haben sich nun Natascha Beller und Patrick «Karpi» Karpiczenko verpflichtet. Für SRF drehen die beiden Filmschaffenden – «das Power-Couple des Schweizer Humors» (Zitat: «SonntagsZeitung») – die vierteilige Krimireihe «Advent, Advent».

Die Gefahr, dass darin der Humor zu kurz kommen könnte, kann eigentlich ausgeschlossen werden. Man braucht nur einen Blick auf Karpis Twitter-Profil zu werfen, wo er in eindrücklicher Schlagzahl Gags raushaut. Wie hier zur Entwicklung der Coronafallzahlenkurve in der Schweiz:

Oder man lese diesen Gastbeitrag, den Karpi unlängst für «blue News» verfasst hat. Oder schaue sich eine alte Folge der SRF-Satireshow «Deville» an, bei der Beller und Karpi lange Zeit mitgewirkt haben.

Nun aber das eigene Ding, respektive das gemeinsame Ding der beiden Lebens- und Arbeitspartner und für SRF. Dafür will natürlich ordentlich die Werbetrommel gerührt werden. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» sprachen die beiden voller Vorfreude über ihre Krimiparodie und darüber, was es bedeutet, ein solches Projekt für SRF umzusetzen:

«(…) unsere Sachen werden gesehen. Von einer Vielzahl von Menschen», schwärmt Karpi. Beller ergänzt: «In allen Landessprachen, denn ‹Advent, Advent› wird auch auf Französisch und Italienisch fürs RTS und RSI synchronisiert.»

Moooment, in allen Landessprachen? Gab es nicht mal so etwas wie Rätoromanisch? Es ist zu vermuten, dass die beiden die vierte Landessprache aus Witz übergangen haben – auch wenn dies im Interview nicht eindeutig geklärt wird. Oder aber sie leiden wie so viele im Land an einer Kondition, die im Romanischen als «il blinda Fleck dals Unterländers» bekannt ist. (Jaja, da macht sich der Romanisch-Unterricht des Kolumnisten endlich mal bezahlt!) 

Eine aussterbende Sprache

Nur noch für 0,5 Prozent der Landesbevölkerung ist Rätoromanisch die Hauptsprache. Der Anteil ging in den letzten Jahrzehnten zurück. Romanisch auf der Strasse zu hören, das ist ausserhalb der Stammlande höchst unwahrscheinlich. Und dann ist die Community auch noch aufgesplittert, auf alle zwei Familien kommt ein eigenes Idiom. Kein Wunder, gehen die Rätoromanen gerne vergessen – und müssen sich den Unterländers dann eben in Erinnerung rufen.



Das taten sie zuletzt wegen einer Sendung von Radio SRF1 zum Thema Mehrsprachigkeit. Mit keinem einzigen Wort sei Rätoromanisch während der 17 Minuten dauernden Sendung erwähnt worden, monierte die Lia Rumantscha, der Dachverband der rätoromanischen Sprachverbände.

Und diese Woche bekam sie von der Ombudsstelle der SRG recht: Das sei mehr als nur ein Fehler gewesen, sondern ein Verstoss gegen das Gebot der Sachgerechtigkeit.

Karpi und Natascha Beller dürften gewarnt sein: Die Romanen sind streitlustig, sie vergessen nicht – und um hier im Krimijargon zu bleiben: Sie haben zumindest schon mal ein Motiv.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «blue News» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

Ein erster Vorgeschmack auf «Advent, Advent».

SRF

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