Der Weg zu Jim Morrisons Grab ist genauso verworren wie seine Texte

Von Carlotta Henggeler

3.7.2021

Rest in Peace: Jim Morrison wurde am Morgen des 7. Juli 1971 auf dem Pariser Ostfriedhof Père Lachaise beigesetzt. Die genauen Koordinaten: 6. Division, 2. Reihe, Grab 5.
Sabine Glaubitz/dpa

Vor 50 Jahren starb Musikpoet Jim Morrison mit 27 Jahren in Paris. Seine letzte Ruhestätte liegt im Friedhof Père Lachaise im 20. Arrondissement. Mein Spiessrutenlauf zu Morrisons Grab.

Von Carlotta Henggeler

3.7.2021

Ganz in Schwarz gekleidet erreiche ich einen der vielen Eingänge des Père-Lachaise-Friedhofs. Ein Sommer wie aus dem Bilderbuch, heiss, keine Wolke am Pariser Himmel. «The End», «Das Ende» von The Doors läuft auf meinem Handy. Der passende Soundtrack für mein Vorhaben. Düster singt Jim Morrison wohl über den Tod. Wie so viele seiner Texte ist auch dieser enigmatisch. Die Freiheit ist zum Greifen nah, mit Anfang 20 und auf Interrail. Die einzige Sorge damals: Reichen die Traveller Cheques? Und meide die Banlieues, hat man mir eingetrichtert. 

Beim Friedhof um die Ecke steht ein Blumenladen. Kurz zögere ich, ob ich eine Blume kaufen soll. Ach Quatsch, auf Morrisons Grab hat es bestimmt schon viele. Das habe ich im Internet-Café gesehen. Ein Blumenmeer ziert das Grab des amerikanischen Düster-Poeten.

Ein paar Meter weiter steht eine ältere Frau und verkauft Wasserflaschen und Père-Lachaise-Karten. Ich kaufe ebenso keine. Seit wann braucht es für einen Friedhof eine?, geht mir durch den Kopf.

Eine schlechte Wahl, ganz besonders, wenn man sich noch nie im Labyrinth von Père Lachaise bewegt hat. Dort, wo Berühmtheiten wie Edith Piaf, Oscar Wilde, Honoré de Balzac, Frédéric Chopin, Eugène Delacroix, Molière oder Marcel Proust hier ihren letzten Frieden gefunden haben – 250 Persönlichkeiten an der Zahl.

Den Weg zu Jim Morrison zu finden, entpuppt sich als Spiessrutenlauf in diesem 44 Hektaren grossen Cimetière, dem grössten von Paris. Die Graffiti, die einst den Weg zum Singer& Songwriter angezeigt hatten, wurden von der Stadt entfernt. Die Strassennamen helfen nicht.  

Ab und an trifft man andere Touris, die durch diese düster-surreale Anlage irren – und erklären die nächsten Abzweigungen.

Ich stolpere durch die Ruhestätte, bis ich eine gefühlte Ewigkeit – wohl in Wahrheit eine Stunde später – das Ziel finde. Und enttäuscht bin. Die Morrison-Büste ist weg, geklaut. Nur ein paar verwelkte Blumen, ein paar Fotos, Kerzen und Engelstatuetten zieren das Grab des Poeten. Ein Dutzend Fans stehen kontemplativ herum. 

So sieht also Jim Morrisons Endstation aus. Ein unspektakuläres Grab an einem spektakulären Ort. Ein Symbolbild für ein zu schnell gelebtes Leben und ein dramatisches Ende. Um das sich auch heute noch viele Mythen  ranken und das fasziniert.