Nachruf

Endo Anaconda stirbt mit 66 – der Mundartrocker tat der Schweiz gut

Von Tobias Bühlmann

2.2.2022

Er brachte dem behäbigen Berner Mundartrock das Anarchistische, das man ihm bis dahin nicht zugetraut hat. Nun ist Endo Anaconda gestorben. Eine Hommage.

Dieser Text des ehemaligen blue News-Redaktors Tobias Bühlmann erschien bereits im September 2020 anlässlich Endo Anacondas 65. Geburtstag. Zum Tod des Musikers veröffentlichen wir einen Auszug davon.

Andreas Flückiger – schweizerischer kann man kaum heissen. Doch der Mann läuft den Klischees über den Schweizer Kleinbürger zuwider.

Einst Tagedieb, Kleinkrimineller, kommunistischer Aktivist, Drogensüchtiger – aber allem voran überaus begabter Texter und Unterhalter. Denn besser bekannt ist Flückiger unter dem Namen Endo Anaconda, die Stimme von Stiller Has.

Mit seiner Band hat Endo Anaconda die Berner Musikszene aufgemischt. Stiller Has bietet Berner Musik abseits des Wohlbekannten: keine einfachen Gitarren-Chansons mit hintersinnigen Texten (Mani Matter), keine Rocksongs übers Liebemachen (Polo Hofer) und weder klassischer Mundartrock (Züri West) noch Kiffer-Texte (Patent Ochsner).

Endo Anaconda und – in der ersten Besetzung – Balts Nill lehnten sich an den Dadaismus an, sangen über Impotenz, das Gruusige dieser Welt oder übers «Znüni näh». Die Texte steuerte Anaconda bei, Nill lieferte den Klang – der gerade in der Anfangszeit weit über einfache Musik hinausging.

Endo besang den verbleibenden Lauchkuchen vom Buffet

Die Band tourte durch Clubs und Säle, die Konzerte waren etwas Besonderes. Stiller Has baute dabei den Soundcheck auch mal gleich ins Konzert ein, und Endo besang den verbleibenden Lauchkuchen vom Buffet. Das gab es sonst nicht auf den hiesigen Bühnen.

Da war es nur konsequent, dass der Stille Has schon früh mit dem Salzburger Stier, dem renommiertesten der Kleinkunstpreise, ausgezeichnet wurde. Und zugleich die zu einer wohlbekannten Präsenz in der Schweizer Hitparade wurde.

Aber Endo Anaconda ist eine Figur, der man mit solchen Aufzählungen nicht beikommt. Besser hört man sich seine Musik an, vertieft sich in seine Texte – etwa in «Moudi», in dem Flückiger seinen Dämon besingt, «vor dem ich mein Leben lang auf der Hut sein muss» – gemeint ist die Drogen- und Alkoholsucht, mit der er immer wieder kämpft: «I han’ e Moudi, u dä isch es gfährlechs Tier» singt er da – und meint keine männliche Katze.

Und wer es weniger verklausuliert mag, liest das Porträt über Anaconda, das «Das Magazin» diesen Winter gebracht hat und aus dem auch das vorangehende Zitat stammt.

In der Nacht auf den 2. Februar 2022 verstarb der Sänger im Alter von 66 Jahren


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