Ueli Schmezer

«Irgendeine Tätigkeit werde ich schon finden»

Von Carlotta Henggeler und Silvan Steiner

21.12.2021

Ueli Schmezer: «Irgendeinen Job werde ich schon finden»

Ueli Schmezer: «Irgendeinen Job werde ich schon finden»

Ueli Schmezer sagt nach 25 Jahren dem «Kassensturz» Adieu. Mit welchem Gefühl das verbunden ist – und worauf er sich nach seiner Zeit als Mister Kassensturz am meisten freut, erzählt der Berner im Interview.

17.12.2021

Ueli Schmezer sagt nach 25 Jahren dem «Kassensturz» Adieu. Mit welchem Gefühl das verbunden ist – und worauf er sich nach seiner Zeit als Mister Kassensturz am meisten freut, erzählt der Berner im Interview. 

Von Carlotta Henggeler und Silvan Steiner

21.12.2021

Wissen Sie schon, mit welchen Worten Sie Adieu sagen?

Die letzten paar Worte werden emotional sein, ich werde Merci sagen, den Zuschauer*innen und meinem Team. Ich werde sicher ein paar Tränen vergiessen. Aber das mache ich nachher im Privaten.

Ravioli, Versicherungen, Staubsauger: Schon mal wegen eines «Kassensturz»-Tests die Gewohnheiten verändert?

Es muss nicht unbedingt ein Test sein, es kann auch ein Input aus der Sendung sein. Bei mir ist das Bewusstsein für Tierhaltungsformen gewachsen. Im Moment läuft im Parlament die Initiative gegen Massentierhaltung. Die Landwirte wollen nichts verbessern. Wir haben immer wieder kritisch darüber berichtet und werden es weiter tun. Wenn du siehst, wie in der Schweiz eine Sau gehalten wird, ist es zwar ein bisschen besser als in anderen Ländern, aber noch immer nicht so, wie wir uns das als Konsument*innen vorstellen würden. Das hat dazu geführt, dass ich nur noch zertifiziertes Fleisch esse und meinen Konsum stark reduziert habe. Wir essen einfach zu viel Fleisch.

Zur Person

Bei einem Talentwettbewerb wurde Ueli Schmezer entdeckt. Der Berner zeigt sich wandelbar, ab 1983 arbeitete Ueli Schmezer für diverse Formate wie dem Musikmagazin «Here we go», der Kindersendung «Fernrohr» und auch beim Sport «Time out». Mit 31 Jahren, 1992, wurde er jüngster Talker des «Zischtigsclub». Abstecher in die Sportwelt («Time Out»). Mit 31 Jahren war er jüngster «Zischtigsclub»-Gastgeber (1992). Von 1984 bis 1995 Redaktor/Moderator bei Radio DRS («Nachtclub», «Schweizer Hitparade», «Graffiti», «Transit» und «Input»). Mitbegründer von «Focus». Ab 1999 beim «Kassensturz», Live-Reporter («Ein Tag bei den SBB»). Der Familienvater schloss letztes Jahr an der Uni Bern den Master of Law ab. Bekannt auch als Kinderlieder-Autor und Frontmann von Matter Live. Bettina Ramseier, SRF-Deutschland-Korrespondentin, übernimmt zusammen mit Kathrin Winzenried die Co-Moderation des Kassensturzes.

Als Mister Kassensturz sind Sie es sich gewohnt, mit einem kritischen Blick durch das Leben zu gehen. Kann man den nach 25 Jahren abstellen?

Es ist nicht so, dass ich mir das antrainiert habe, nachdem man mich zur Sendung geholt hat. Ich hatte diese Lebenshaltung, viel zu hinterfragen, schon durch meine Sendungen «Focus» und den «Zischtigsclub». Das wird sich auch nicht mehr ändern, auch wenn ich nicht mehr über Konsumjournalismus berichten werde. Das ist Ueli Schmezer – und der ist privat nicht anders, als wenn er im Studio steht.

Welche Fähigkeiten von Ihrem Job als TV-Journalist nehmen Sie mit?

Die Liebe zum Formulieren von Texten und das Know-how, wie baue ich einen Moderationstext auf. Wie stellst du sicher, dass deine Botschaft gut ankommt? Dass es attraktiv rüberkommt und man Lust hat, zu schauen. Niemand hat das Recht, das Publikum zu langweilen.

Apropos: Letztes Jahr haben Sie Ihr Jus-Studium an der Uni Bern abgeschlossen. War es Ihnen langweilig?

Das klingt jetzt komisch, ich habe mir das Studium selbst geschenkt. Nach 50 bin ich auf die Idee gekommen, das zu studieren. Das kam aus der Arbeit heraus, du wirst automatisch zum kleinen Juristen. Studieren fägt, das ist mega spannend, es geht eine neue Welt auf, du kommst in einen Flow. Du merkst, arbeiten und nebenbei studieren funktioniert, das ist ein schönes Gefühl.

Sicherlich anstrengend.

Ja, das war schon stressig. Beim Bachelor schliesst während drei Jahren immer im Juni sechs Fächer ab. Und in den Monaten vor der Prüfung habe ich schon eine totale Krise geschoben. Unter dem Strich bin ich aber mega happy. Ich werde aber sicher nicht auch noch Anwalt. Das würde noch ein paar Jahre dauern, das schaffe ich sicher nicht mehr.

Wie haben Ihre Mitschüler*innen reagiert?

Die haben schon mal kurz geschaut, aber die waren recht cool, muss ich sagen. Ein paar haben mir gesagt, dass die Eltern Fan von mir seien und wollten ein Selfie. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

Nervt es nicht manchmal, wenn man dauernd erkannt wird?

Man muss einfach wissen, wenn man zur Haustür rausgeht, ist das halt so. Mit dem «Kassensturz» wurde es schon nochmals krasser. Ich bin es mich gewohnt. Klar gibt es Tage, an denen du dich schlecht fühlst, sitzt im Zug und siehst Mist aus, würdest dich am liebsten verstecken und es nicht magst, erkannt zu werden. Da hilft die Maske jetzt, ein kleiner positiver Nebeneffekt.

Der Bekanntheitsgrad wird für die weiteren Projekte sicher helfen.

Das wird sich jetzt zeigen. Bis jetzt läuft es mir gut und ich denke, man wird mich nicht in zwei Tagen nicht mehr kennen.

Hätte auch seine Vorteile, nicht erkannt zu werden.

Ja, manchmal entschuldigen sich die Leute auch, dass man mich nicht von Anfang an erkennt. Ich finde das aber angenehm. Denn sobald man mich erkennt, werde ich in eine Schublade gesteckt. Du trägst diesen – positiven – Stempel. Ich möchte aber gerne die Chance haben, einfach als mich angesehen zu werden. Ohne meinen TV-Job auf dem Rücken.

Bei SRF hatten Sie einen fixen Lohn. Das wird jetzt anders.

Stimmt, das ist ein Thema. Aber jetzt ist ein guter Moment, einen neuen Weg einzuschlagen. Im letzten Frühling ist mir so richtig bewusst geworden, dass ich nun tatsächlich schon seit 25 Jahren beim Kassensturz bin und ich habe angefangen zu überlegen. Und ziemlich schnell war es klar und der Entscheid ist mir in diesem Sinn leicht gefallen – es ist eine Lebensentscheidung. Das Leben hat nur eine Richtung, es läuft. Ich will jetzt das offene Fenster vor mir sehen, diesen frischen Wind spüren und schauen, was passiert. Irgendeine Tätigkeit werde ich schon finden (lacht).

Was hat die Familie dazu gesagt?

Die finden das super. Unsere Kinder sind nicht mehr klein, sie sind zwischen 24 und 30 Jahre alt. Meine Liebste und ich spüren eine zunehmende Freiheit, das finden wir schön.

Wie sieht es mit der Musik aus? Geht es bald wieder ins Studio?

Momentan ist das mit dem Studio eher schwierig. Die Leute würden sich schon neue Songs wünschen. Ich muss sagen, für uns Künstler ist Spotify absolut schlecht. Sie zahlen praktisch nix.

Okay, schade. Wie geht es weiter?

Eine Band ist etwas, das lebt und sich immer wieder verändert, auch in der Zusammensetzung. Das hat dazu geführt, dass die Chinderland-Band und Matter Live musikalisch so gut wie noch nie ist. Ich weiss, es klingt doof, wenn ich das selbst sage. Ich empfinde das aber so und es brätscht. Aktuelle Projekte? Wir sind seit 2002 mit dem Chinderland-Projekt nonstop unterwegs. Der nächste Sommer sieht schon gut aus. Ich freue mich jetzt darauf, dass es jetzt ein wenig Luft gibt und ich an einem Tag «nur» ein Konzert spielen kann. Das ist mit der An- und Abreise und dem Soundcheck auch schon ein ganzer Arbeitstag. Es ist einfach schön, mal mehr Zeit zu haben.

Und war’s das jetzt das mit Fernsehmachen?

Mit dem Konsumjournalismus, ja. Es gibt ja noch viele andere Möglichkeiten, zum Beispiel Videoproduktionen. Kürzlich habe ich eine Führung für Kinder und Jugendliche durch die Ausstellung von Meret Oppenheim im Kunstmuseum Bern per Video veranstaltet. Vom Konzept bis zum Video habe ich alles gemacht, das hat gfäged. Wenn ich weitere solche Anfragen bekommen würde, das würde mir gefallen.

«Kassensturz»-Spezial: 25 Jahre mit Ueli Schmezer wird am Dienstag, 21. Dezember um 21.05 auf SRF1 gezeigt.