Mein erstes Mal im Sexkino – alles nur wegen «Cheibe Zürcher»

Von Carlotta Henggeler

17.6.2021

Wo soll man einen Film über Menschen zeigen, die im Zürcher Kreis vier leben und verkehren? Klar, im legendären Sexkino «Roland» an der Langstrasse. Für den Dokfilm «Cheibe Zürcher» habe ich meinen Ekel überwunden. Zum Glück.

Von Carlotta Henggeler

17.6.2021

Wer wie ich in der Stadt Zürich aufgewachsen ist, der kennt das Langstrassen-Quartier als Party-Mekka und kunterbuntes Panoptikum der Nachtvögel und anderen Gestalten. Die verschiedenen Puffs gehören dazu und geben dem Chreis Cheib den verruchten Touch, den man von den Red-Light-Districts so mag. Am Sexkino Roland habe ich mich bisher schnellstmöglich vorbeigeschlichen. Und als Teenager galt es als Mutprobe, eine Runde im berüchtigten Kontakt-Restaurant «Sonne» zu drehen.

Das ehemalige Sexkino Roland ist heute eine herausgepützelte Eventlocation. Die roten Ledersessel und das Interieur erinnern zwar daran, dass hier im Roland seit 1978/79 Filme für Ü-18-Jährige vorgeführt wurden: Josefine Mutzenbacher, Emanuelle oder die Erwin-C.-Dietrich-Filme mit Ingrid Steeger.

An der Kinokasse empfängt Zoë Stähli die Gäste, die Tochter des legendären Sexfilm-Pioniers und Roland-Betreibers Edi Stöckli. Sie und 58 weitere Bewohner*innen sind Teil von «Cheibe Zürcher» und erzählen von ihrem Bezug zum «Vieri».

Worum geht's im Film?

Um einen ungeschminkten Einblick in den Alltag der Bewohner im Zürcher Arbeiterquartier.  So erzählt zum Beispiel Schauspieler Joel Basman («Wolkenbruch») aus seinem Leben im K4: «Wir hatten zwei Püffer als Nachbarn. Als Kind gab es nichts Spannenderes als zu beobachten, wer rein und wieder rausgeht.» Oder Barbetreiber Daniel H. über seine Stammkundschaft: «Die ist recht gemixt. Von alt bis jung, von reich bis arm, schön bis wüest, schwul bis heti, lesbisch bis durchgeknallt.» 

Die letzten vierzig Jahre seien unheimlich lässig gewesen, fasst Promi-Coiffeur und Unikum Göpf Möri zusammen. Aber in den letzten 20 Jahren habe das Publikum sich geändert, es sei nicht mehr dasselbe Quartier wie früher, findet Möri. 



Und Ex-Miss-Schweiz und LGBTQ-Aktivistin Dominique Rinderknecht findet: «Hier ist eine andere Welt, es ist nicht einfach nur Zürich. Es ist kunterbunt, einfach geil, ich liebe es.» Sie kennt die Gegend um die Langstrasse gut, ihre Grossmutter lebte einst dort.

«Cheibe Zürcher» lebt durch die kurzweiligen Geschichten der Quartierbewohner. Ein bunter Mikrokosmos in Schwarzweiss, voller überraschender Anekdoten, nicht nur für Zürcher*innen. Einziger kleiner Wermutstropfen: Mit 109 Minuten ist der Film etwas lang geraten.

«Cheibe Zürcher» läuft Donnerstag und Freitag bis mindestens Ende Juni im Kino Roland in Zürich.